AUFSTEIGER

Schneller Appenzeller

Marc Bischofberger fährt im Skicross mittlerweile so stark, dass er im Februar mit einer olympischen Medaille liebäugeln darf. Der Innerrhödler ist einer von nur zwei Schweizer Weltcupleadern in einer olympischen Winterdisziplin.
12.01.2018 | 05:18
Daniel Good

Daniel Good

Es ist noch nicht lange her, da wäre Marc Bischofberger schon froh gewesen über einen Startplatz an den Olympischen Spielen. Nun liegt die Latte bedeutend höher. Der Oberegger führt nach der ersten Saisonhälfte das Zwischenklassement im Gesamt-Weltcup überlegen an und ist so gut wie sicher für das olympische Skicrossrennen am 23. Februar in Südkorea qualifiziert. Die Namen der selektionierten Schweizer werden am 25. Januar bekannt gegeben, einen Tag später wird der in Marbach wohnende Appenzeller 27-jährig.

Bischofberger hat in den ersten fünf Rennen in diesem Winter schon mehr als doppelt so viele Weltcuppunkte ergattert wie der französische Olympiasieger Frédéric Chapuis. Bischofberger ist nach dem Doppelerfolg vor Weihnachten in Südtirol auch der mit Abstand beste Schweizer in der Saisonwertung. So wird das olympische Motto, wonach Teilnehmen wichtiger ist als Siegen, den Ansprüchen Bischofbergers nicht mehr gerecht. Für einen, der den Weltcup dominiert, muss das Ziel eine olympische Medaille sein. So sieht es mittlerweile auch der Weltcupleader. Bischofberger hat viel investiert in diese Saison. Und er ist ein kompletter Rennfahrer geworden.

Die Sportart ist eine Lotterie

Bischofberger ist geerdet. Er sollte mit dem Druck und dem Rummel, dem er in gut einem Monat ausgesetzt ist, zurechtkommen. «Ich mache mir da nicht allzu viele Gedanken. Es kommt sowieso, wie es kommt. Und Englisch kann ich nicht», sagt er. Zudem hat er mit Mike Schmid seit dieser Saison einen Trainer, der weiss, wie es an Olympischen Spielen läuft. Schmid war 2010 der erste Olympiasieger im Skicross. «Er ist uns eine grosse Hilfe. Und er wird es sicher auch in Südkorea sein», sagt Bischofberger.

Der mentalen Belastung eines Grossanlasses sollte Bischofberger gewachsen sein, obschon er Debütant ist. Aber Skicross ist eine unberechenbare Sportart. In den Positionskämpfen entlang der Steilwandkurven ist schon manch ein Favorit auf der Strecke geblieben. «Du kannst in Topform sein und schon in der ersten Runde ausscheiden», sagt Bischofberger.

Der Weg auf die sichere Seite führt über einen guten Start. Position eins auf der Piste ist die sicherste. Am Start hat Bischofberger auf diese Saison hin Fortschritte erzielt. Die Siege im Weltcup sind auch das Produkt der Steigerung auf den ersten Metern. «Vorne fährst es sich am besten. Ist ja logisch», sagt er. Der Start an den Olympischen Spielen 2018 ist so steil wie nirgendwo sonst. Die Rennen beginnen mit dreieinhalb Metern im freien Fall. Die Schweizer haben die Startanlage nachgebaut. Schon im Herbst übten sie in Saas-Fee, in der vergangenen Woche in Laax. Bischofberger sagt, das olympische Startprofil komme ihm entgegen.

Morgen und am Sonntag geht es für Bischofberger mit Weltcuprennen in Schweden weiter. Am Dienstag fliegen die Schweizer ab Oslo für die letzten Wettkämpfe vor Olympia nach Nakiska in Kanada. Bischofberger hat reelle Chancen, am 5. Februar als Weltcup-Leader nach Südkorea zu reisen. «Das wäre schon cool», sagt er. Mindestens acht Oberegger werden ihm nach Asien folgen. Tante Annemarie, die Olympiateilnehmerin in der Abfahrt 1980, wird aber zu Hause bleiben.

Der zweite Leader hat Wurzeln in Ausserrhoden

Neben Bischofberger führt auch der alpine Snowboarder Nevin Galmarini den Weltcup an. Der Olympiazweite von 2014 hat ebenfalls Wurzeln im Appenzellerland. Bis zum 13. Lebensjahr wohnte der heute 31-Jährige in Herisau, ehe die Familie wegen des Sports des Sohnes nach Ardez ins Unterengadin zog.

Leserkommentare
Weitere Artikel