Teure Fussballfeste in der Provinz

  • Auf dem Berner Spitalacker gibt es mal wieder Profis zum Anfassen (hier der St.Galler Marco Aratore vor zwei Jahren)
    Auf dem Berner Spitalacker gibt es mal wieder Profis zum Anfassen (hier der St.Galler Marco Aratore vor zwei Jahren) (KEYSTONE/PETER SCHNEIDER)
12.08.2017 | 06:00

SCHWEIZER CUP ⋅ Am Wochenende ist es wieder soweit: In der 1. Hauptrunde des Schweizer Cup messen sich die Profis mit den Amateuren. Fussball-Feste in der Provinz, welche viele kleine Klubs allerdings vor grosse Herausforderungen stellen.

Überraschungen sind in der 1. Hauptrunde des Schweizer Cups selten. In den letzten vier Jahren schaffte es ein einziger Unterklassiger, ein Team aus der Super League auszuschalten. Das war im vergangenen August, als der SC Kriens gegen Thun gewann. In Deutschland, wo an diesem Wochenende ebenfalls die 1. Runde im Cup ausgetragen wird, ist dies anders. Im gleichen Zeitraum scheiterten 14 Bundesligisten bei erster Gelegenheit im K.o.-Wettbewerb.

In der Schweiz schiessen die Mannschaften aus der Super League in der Regel vier bis sechs Tore. Für die Amateurvereine ist sportlich kaum etwas zu holen. Sie hoffen auf gutes Wetter, viele Zuschauer und gute Umsätze an den Verpflegungsständen. Doch wegen der hohen Anforderungen an die Sicherheit und die Infrastruktur bleibt am Ende meist wenig Bares.

So muss etwa der Aargauer Zweitligist FC Gränichen für das Gastspiel des FC Sion vom Sonntag mit seinen rund 600 mitreisenden Fans einen separaten Gästesektor errichten. Für den Cupmatch haben sie in Gränichen ein Budget von 120'000 Franken aufgestellt.

Krienser Heimspiel auswärts

Der SC Kriens, der wegen des Umbaus des Stadions Kleinfeld derzeit seine Heimspiele in der Promotion League ohnehin in Emmen austrägt, hat sich für das Derby vom Samstag gegen den FC Luzern für einen Umzug in die Luzerner Swissporarena entschieden. Hier braucht der SCK kein Geld in eine temporäre Verbesserung der Infrastruktur zu stecken und kann erst noch mehr Leute begrüssen. In Emmen wäre die Kapazität auf 3500 Fans beschränkt gewesen, in der Luzerner Arena haben 17'000 Fans Platz.

Ein Platzabtausch mit den Young Boys kam dagegen für den FC Breitenrain aus der Promotion League für das Spiel vom Samstag nicht in Frage. Das erste Pflichtspiel zwischen zwei Stadtberner Klubs seit 47 Jahren findet auf dem Spitalacker statt, dessen Kapazität mit mobilen Zusatztribünen auf 6000 Plätze erhöht wurde.

"Ein kleines finanzielles Polster"

Die Fans werden auf den "Spitz" strömen, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts sogar Heimstätte der Young Boys war und auf dem diese ihre drei Meistertitel von 1909, 1910 und 1911 feierten. In Bern rechnen sie mit einem ausverkauften "Stadion". Am Ende gebe es "ein kleines finanzielles Polster", sagte Breitenrains Präsident Claudio A. Engeloch.

Insgeheim hoffen sie bei Breitenrain nicht nur auf einen finanziellen Gewinn, sondern auch auf einen (sensationellen) Sieg auf dem Rasen. In der Rolle des Aussenseiters hat sich Breitenrain zuletzt nämlich ganz gut gemacht. Im letzten Jahr schlugen die Berner Servette 3:1 und 2014 führten sie gegen Thun bis in die Nachspielzeit, verloren aber noch 2:3.

Sieben Spielklassen Differenz

Eine ganz besondere Cup-Affiche in der Provinz gibt es am Samstag im Kanton Jura. Dank der Fairplay-Trophy nimmt mit der US Montfaucon erstmals ein Verein aus der 5. Liga, der neunten und untersten Spielklasse des Schweizer Fussballs, an der 1. Hauptrunde teil. Vom Gegner, dem Challenge-League-Spitzenteam Neuchâtel Xamax, trennen Montfaucon sieben Ligen. Mehr David gegen Goliath gab es im Schweizer Cup noch nie.

Auch die US Montfaucon muss sich für ihr Fussball-Fest finanziell nach der Decke strecken. Die Durchführung der Partie gegen Xamax frisst mehr als zwei Drittel des normalen Jahresbudgets von 45'000 Franken auf. Ohne fremde Hilfe könnte der Klub diesen Anlass nicht stemmen. Bei der Erfüllung der Sicherheitsauflagen unterstützt Xamax den Fünftligisten, von der Gemeinde gibt es auch ein paar tausend Franken und die SFV-Prämie für die Qualifikation für die 1. Hauptrunde beträgt 3000 Franken. Das tönt nach nicht allzu viel, ist aber im Verhältnis etwa so, wie wenn ein Verein mit durchschnittlichem Super-League-Budget rund 1,5 Millionen kassieren würde. (sda)

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