Die Barrage ist eine Chance für die Schweizer Nationalmannschaft

  • Die Schweizer Spieler um Goalie Yann Sommer (zweiter von links) bedanken sich bei den 5000 mitgereisten Anhängern.
    Die Schweizer Spieler um Goalie Yann Sommer (zweiter von links) bedanken sich bei den 5000 mitgereisten Anhängern. (LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))
11.10.2017 | 19:47

Analyse zum Abschluss der WM-Qualifikationsgruppenphase

Die Schweiz ist top, die WM im nächsten Jahr mit 28 Punkten oder gar dem Maximum nach zehn Siegen gebucht.

Christian Brägger, Lissabon
Die Schweiz ist top, die WM im nächsten Jahr mit 28 Punkten oder gar dem Maximum nach zehn Siegen gebucht. Es wäre zu schön gewesen. Nach diesem Abend in Lissabon, an dem die Schweizer schlecht waren und ihnen die Grenzen ziemlich deutlich aufgezeigt wurden, ist man geneigt zu sagen: Wieder einmal sind sie in einem wichtigen Spiel gescheitert; wieder einmal genau dann, wenn sie den Anspruch bestätigen könnten, zu den Besten Europas zu gehören. Was genau ist da los?

Es wäre ein Fehler, intern wie extern jetzt alles über einen Kamm zu scheren. Und somit auch gleich die Entwicklung des Teams zu hinterfragen, nachdem man zuvor neun Spiele lang alles rosig gesehen hat. Eine Niederlage in Portugal beim Europameister ist kein Untergang. Gegen Cristiano Ronaldo, der nur schon mit seiner Anwesenheit die Mitspieler um zehn Prozent besser macht. Vor diesem begeisterten Publikum, das den Fussball so liebt, weil es nur ihn hat. Hier könnten auch Nationen verlieren, die tatsächlich die besten Europas sind. Ein Rückschlag ist das 0:2 schon. Aber vielleicht tut er der Mannschaft, so komisch das klingen mag, sogar gut. Wenn sie denn die Barrage übersteht.

Prüfungsangst, wenn die Schweiz der Favorit ist, kennt sie nicht mehr, das hat sie hinter sich. Bestätigt aber sind die Probleme in sogenannten Endspielen. In den Köpfen der Spieler hat sich irgendwo vielleicht doch eingebrannt, die Big Points nicht zu landen. Ganz verborgen im hinteren Kämmerlein schlummert vielleicht doch noch dieses Gefühl der Niederlagen gegen Argentinien an der WM 2014 und Polen an der EM 2016. Der Kern des Teams ist ja noch derselbe.

Die Schweiz erhält nach dem guten Qualifikationsparcours nun zwei Finalspiele. Und damit zweimal die Chance, ihren Komplex loszuwerden. Admir Mehmedi nennt die Iren und Nordiren zwar «eklige Gegner», auch gegen die Griechen und Schweden werde es nicht einfach. Wer nun aber die Entwicklung der Mannschaft unter Trainer Vladimir Petkovic verfolgt, wer trotz unterschiedlicher Herkünfte ihr funktionierendes Kollektiv erkennt, das ohne Star auskommt oder auskommen muss, der spürt: Es könnte in Lissabon tatsächlich eine Niederlage gewesen sein, die einfach passieren kann.

Darauf deutet zumindest die unmittelbare Aufarbeitung der Niederlage hin. Selten hatte man die Schweizer so nüchtern ihren Auftritt analysieren sehen, Ausflüchte gab es keine, man war sich einig und blieb sachlich. «Wir müssen ruhig bleiben und dürfen nicht alles schlecht reden», sagte Johan Djourou, «Portugal war viel besser, wir müssen weiterarbeiten», so Haris Seferovic. Auch Petkovic, der so sehr überzeugt war, das WM-Ticket heute in der Tasche zu haben, sagte nüchtern: «Die Spieler müssen sich keine Alibis suchen. Jeder kann in den Spiegel schauen, keiner muss sich schämen. Wir haben die Partie verloren, aber nicht unseren Stolz.» Vielleicht erkennen sie im Spiegelbild: Die Barrage könnte sie auf ihrem eingeschlagenen Weg doch noch einen Schritt weiterbringen – und Altlasten abstreifen lassen.
 
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