ERFOLGSSERIE

St.Gallen tanzt auch gegen die Grasshoppers

Das 2:1 gegen die Zürcher ist für den FC St.Gallen der fünfte Sieg in Folge. Einer der besten St.Galler ist ausgerechnet der ehemalige GC-Spieler Runar Sigurjonsson, der mit einer Wut im Bauch antritt.
18.03.2018 | 07:30
Ralf Streule
Wer nach der Pause eine Minute zu spät wieder auf seinem Sitz Platz nahm, war zu spät. Er sah auf dem Feld einen Knäuel grün-weiss gekleideter Spieler. Zuunterst der Torschütze, der gerade mit einem Weitschuss der allerschönsten Sorte die Ostschweizer in Führung gebracht hatte. Runar Sigurjonsson? Ja, der Isländer war es, der zuunterst lag, sich als Letzter wieder aufrichtete, beide Fäuste ballte und vor Freude in die Ränge hinaufschrie. Mit einer Wut im Bauch war er angetreten, da hatte er kein Geheimnis daraus gemacht vergangene Woche. Bei den Grasshoppers hatte er sich mit Trainer Murat Yakin überworfen, im Tausch mit Gjelbrim Taipi war er zu den Ostschweizern gestossen. Taipi blieb blass gegenüber dem Isländer, der nicht nur dank dem Tor der Mann des Spiels für die St.Galler war.
Bildergalerie: FCSG-GC: Fünfter St.Galler Sieg in Folge

Die Espen setzen ihre Siegesserie Dank dem Traumtor von Ex-Hoppers Sigurjónsson (48.) und dem perfekten Volley von Ben Khalifa (82.) auch gegen die Zürcher Grasshoppers fort. Die Hausherren verlassen das Spielfeld mit einem 2:1-Sieg. Die Contini-Elf konnten heute den fünften Sieg im fünften Spiel einfahren. Eine solche Siegesserie gelang zuletzt Jeff Saibene vor fünfeinhalb Jahren.

Zuschauersaisonrekord wird geknackt

Im Stadion brodelte in diesem Moment wie seit langem nicht mehr, über 14'000 Zuschauer waren gekommen, so viele waren es zuletzt im April 2017 gewesen. Die ganz grosse Euphorie fiel aber schnell in sich zusammen – schon fünf Minuten später kam der Ausgleich nach einem Eckball. Die Geschichte des Spiels und die Geschichte Sigurjonssons war aber in diesem Moment noch nicht fertig erzählt. Der weite Ball des Isländers nach 82 Minuten hinter die Abwehr fand Nassim Ben Khalifa, einen anderen ehemaligen Grasshoppers-Spieler. Dieser traf aus spitzem Winkel und sicherte den St.Gallern den fünften Sieg in Folge – und den gesicherten dritten Platz.
Bildergalerie: Die Noten der FCSG-Spieler im Heimspiel gegen die Grasshoppers

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. Benotung: Ralf Streule.


So brisant der Start zur zweiten Hälfte war, so harzig war der Beginn gewesen. Wegen einer Pyroaktion im St.Galler Fansektor und Rauchpetarden aus der Ecke der Zürcher begann das Spiel zehn Minuten später als geplant. Präsident Matthias Hüppi machte deshalb vor dem Anpfiff einen Besuch im Espenblock. Er habe viele konstruktive Gespräche mit den Anhängern führen können, sagte er hinterher. «Wir bekommen das in den Griff.»
 

Contini: «Glauben an den Sieg beibehalten»

Dass der FC St.Gallen auch die Partie in den Griff bekommen sollte bis zum Ende, war zu Beginn noch nicht abzusehen. Das Spiel war in der ersten Halbzeit weitgehend ausgeglichen. Trainer Giorgio Contini hatte gegenüber dem Spiel in Lausanne mit den gleichen elf Spielern begonnen – und mit der gleichen Konsequenz und Spielfreude wie zuletzt gingen diese in die Zweikämpfe. Die Grasshoppers hielten dagegen – es entwickelte sich ein auf beiden Seiten kontrolliertes, aber unterhaltsames Spiel, in dem die Ostschweizer immer ballsicherer agierten und mit dem Weitschuss von Stjepan Kukuruzovic die beste Möglichkeit vor der Pause hatten. Schon in diesem Moment zeichnete sich ab, dass Sigurjonsson zum Mann des Spiels werden könnte. Der Isländer schien sich bei aufkommendem Schneefall immer wohler zu fühlen – seine Tacklings wurden oft mit Szenenapplaus quittiert.

«Schön, so in die Nationalmannschaftspause starten zu können», sagte Contini hinterher und freute sich, dass die Mannschaft den Glauben an den Sieg auch nach dem 1:1 beibehalten habe. Einen Wermutstropfen aus St.Galler Sicht gibt es trotz allem. Der junge Verteidiger Jasper van der Werff, der bei seinem fünften Spiel in der Super League zum fünften Mal gewonnen hat, verletzte sich nach überhartem Einsteigen von GC-Captain Marko Basic kurz vor Schluss der Partie am Knie – mit welchen Folgen, war direkt nach dem Spiel nicht zu erfahren.

Telegramm:

St. Gallen - Grasshoppers 2:1 (0:0)

14'095 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 48. Sigurjonsson (Aratore) 1:0. 51. Rhyner (Corner Andersen) 1:1. 82. Ben Khalifa (Sigurjonsson) 2:1.

St. Gallen: Stojanovic; Hefti, Wiss, Van der Werff (89. Musavu-King); Sigurjonsson; Aratore, Toko (91. Barnetta), Kukuruzovic, Wittwer; Ben Khalifa, Itten (84. Buess).

Grasshoppers: Lindner; Vilotic, Pnishi, Rhyner; Lika, Basic, Taipi (71. Pusic), Doumbia; Jeffrén (87. Kapic), Andersen (63. Kodro); Djuricin.

Bemerkungen: St. Gallen ohne Ajeti, Gönitzer, Koch, Muheim (alle verletzt), Gasser (krank), Tschernegg (rekonvaleszent), Grasshoppers ohne Bergström (gesperrt), Cvetkovic, Bajrami, Lavanchy (alle verletzt) und Avdijaj (nicht im Aufgebot). Die Partie wurde wegen des Zündens von Pyro-Material und Knallkörpern in den Fankurven mit zehn Minuten Verspätung angepfiffen. Verwarnungen: 27. Vilotic (Foul). 27. Taipi (Unsportlichkeit). 36. Djuricin (Foul). 65. Pnishi (Foul). 72. Kukuruzovic (Foul). 84. Ben Khalifa (Foul). 86. Basic (Foul).

Weiteres Resultat vom Samstag: FC Zürich - Young Boys 1:2 (0:0)

Rangliste:

1. Young Boys 26/61 (62:26). 2. Basel 24/42 (42:21). 3. St. Gallen 26/42 (40:44). 4. Zürich 25/35 (33:30). 5. Luzern 25/34 (34:39). 6. Lugano 25/31 (25:38). 7. Grasshoppers 26/31 (33:36). 8. Lausanne-Sport 25/27 (38:50). 9. Sion 25/24 (35:44). 10. Thun 25/24 (39:53).

Weitere Artikel