AUSWÄRTSERFOLG

Ben Khalifa sichert St.Gallen einen Sieg aus dem Nichts

St.Gallen beschränkt sich bei den Grasshoppers lange auf ein Minimum, verliert den Goalie, kassiert einen Penalty – und gewinnt dank eines Tores in der Nachspielzeit durch Nassim Ben Khalifa 2:1.
14.04.2018 | 20:46
Aktualisiert:  14.04.2018, 22:00
Patricia Loher

Den St.Gallern reichten bei den Grasshoppers zehn turbulente Minuten, um alles vergessen zu machen, was vorher war. Die Mannschaft von Trainer Giorgio Contini hatte im Letzigrund mit Ausnahme der ersten zehn Minuten nicht überzeugt. Es war ein lange schlechtes, ideenloses und fehlerhaftes Spiel gewesen. So steuerten die St.Galler bis zur 83. Minute auf eine Niederlage zu, die verdient gewesen wäre. Doch dann traf der Verteidiger Yrondu Musavu-King nach einem Corner und einer Kopfballvorlage von Toko zum 1:1. 

Der Treffer des Gabuners, der nur zehn Minuten zuvor mit einem ziemlich offensichtlichen Foul einen Penalty verschuldet hatte, liess bei den St.Gallern den Knoten platzen. Auch die Einwechslung von Cedric Itten verlieh den Gästen den dringend benötigten Schub – und plötzlich stand da Nassim Ben Khalifa, der in der 93. Minute das 2:1 erzielte. Der Stürmer sicherte den St.Gallern nach zwei Niederlagen in Folge aus dem Nichts einen Sieg. «Wir sind selbstkritisch genug um zu sagen: Da kam zu wenig von uns», sagte St.Gallens Verteidiger Alain Wiss. «Aber wir waren auch schon in einer Situation wie nun die Grasshoppers. Also nehmen wir die Punkte mit.» Dank der drei Zähler verbleiben die Ostschweizer vor dem nächsten Zürcher Gastspiel vom Mittwoch auf Rang drei. Trainer Giorgio Contini sagte: «Der Sieg ist nicht verdient. Nach einem guten Start bauten wir die Grasshoppers auf. Es war eine schlechte Leistung von uns.»
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Für all jene, die am vergangenen Sonntag schon das Heimspiel gegen die Young Boys verfolgt hatten, muss es so etwas wie ein Kulturschock gewesen sein. Das Stadion Letzigrund war halbleer und der Auftritt der St.Galler mindestens um zwei Klassen schlechter als in der Begegnung mit den Bernern. Nachdem die Gäste die Startphase noch dominiert und gefällig kombiniert hatten, mussten sie den Zürchern das Spiel je länger desto mehr überlassen. Diese Entwicklung war aus Ostschweizer Sicht ärgerlich, denn noch zu Beginn war offensichtlich gewesen, wie verunsichert die Zürcher nach den vielen chaotischen Tagen sind. 

Stojanovic möglicherweise an der Rippe verletzt

Die Grasshoppers warteten ab, agierten passiv und trauten sich wenig zu. Doch die Gunst der Stunde nutzten die Gäste vorerst nicht. Im Gegenteil: Den St.Gallern unterliefen im Spielaufbau teilweise haarsträubende Fehler. In der 55. Minute hätte das beinahe erste gravierende Folgen gehabt. Nach einem Missgeschick in der Vorwärtsbewegung konterten die immer sicher werdenden Zürcher schnörkellos, Goalie Dejan Stojanovic klärte gegen den auffälligsten Zürcher Jeffrén bravourös. Allerdings verletzte sich der 24-jährige Vorarlberger bei dieser Aktion womöglich an der Rippe. Gleich nach dem Spiel wurde Stojanovic zu Abklärungen ins Spital gefahren.

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Der FC St.Gallen war am Samstag bei GC zu Gast. Nach einem Penalty eine Viertelstunde vor Schluss ging GC 1:0 in Führung. Der Penalty-Verursacher Musavu-King konnte aber nur fünf Minuten später zum 1:1 ausgleichen, Ben Khalifa sorgte für den Schlussstand von 1:2.

Es lief für die St.Galler in Zürich also vieles nicht wie gewünscht. Zu denken geben muss ihnen auch, wie zögerlich sie aus der Pause kamen. Es schien, als hätten sie das ganze Selbstvertrauen eingebüsst, das sie noch in den vergangenen Spielen ausgezeichnet hatte. «Wir wollten galliger und präsenter in die zweite Halbzeit starten. Das ist uns nicht gelungen», sagte Contini. Und wie schon bei der 1:3-Niederlage in Luzern musste der Trainer konstatieren: «Wir verloren viel zu viele Zweikämpfe.» 

Der FC St.Gallen wurde gestern gut bezahlt. Es war sein erster Auswärtssieg bei den Grasshoppers seit viereinhalb Jahren.

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