VERDACHT

Neue FCSG-Führung lässt Buchhaltung des vergangenen halben Jahres durchleuchten

Dem FC St.Gallen fehlt Geld. Die Aktionäre gehen davon aus, dass bald über eine Million Franken eingeschossen werden muss. Der neue Verwaltungsrat hat Wirtschaftsprüfer damit beauftragt, die Buchhaltung des vergangenen halben Jahres zu durchleuchten.
17.12.2017 | 20:53
Patricia Loher
Der FC St. Gallen ist finanziell in Schieflage. Zum Ende des Geschäftsjahres 2016/17 klaffte in der Kasse ein Loch von 2,6 Millionen Franken. Und möglicherweise wird die Lage noch prekärer. Gut unterrichtete Quellen berichten, dass die neuen Aktionäre bereits davon ausgehen, schon im Januar 1,5 Millionen Franken einschiessen zu müssen, um den Club wieder in die Spur zu bringen.

Zudem haben sie und der neue Verwaltungsrat Wirtschaftsprüfer damit beauftragt, die Buchhaltung des vergangenen halben Jahres zu durchleuchten. Es werden Unregelmässigkeiten vermutet. Christoph Hammer, neuer Verwaltungsrat und SBB-Finanzchef, sagt gegenüber dem «Blick»: «Ja, es wird eine Prüfung in ausgewählten Bereichen geben. Wir wollen die Verträge und Geldflüsse des letzten halben Jahres verstehen und analysieren.» 

Im Verlauf von gestern stellte sich heraus, dass vor allem Future Champs Ostschweiz (FCO) in den Fokus geraten ist. Die Nachwuchsabteilung hat im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Budget von stattlichen 4,4 Millionen Franken 300 000 Franken zu viel ausgegeben. 

Es stehen happige Vorwürfe

Gemäss unserer Recherchen ist man auf Lohnbezüger gestossen, die bis zu 200 000 Franken im Jahr verdienen. Aber bis jetzt weiss anscheinend keiner, was für Ämter diese Personen bekleiden. Stefan Hernandez, der im vergangenen halben Jahr als Präsident die Verantwortung trug, war für eine Stellungsnahme nicht erreichbar. Klar ist: Es stehen happige Vorwürfe im Raum, die strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. 

Schon nach der Pressekonferenz vom vergangenen Dienstag wurde offensichtlich, dass die neuen Aktionäre sowie der neue Verwaltungsrat um Präsident Matthias Hüppi ahnen, was auf sie zukommen könnte. Einer sagte: «Noch wissen wir nicht alles. Aber wir haben Respekt davor, was noch alles ans Licht kommen könnte.» Nach der Generalversammlung im November, an der bekannt wurde, dass Dölf Früh seine Aktien verkauft hat, liessen sich die neuen Verantwortlichen Lohnauszüge zukommen, sie durchleuchteten die Beziehungen zu den Sponsoren. Und sie  erteilten Verbote für gewichtige vertragliche Abschlüsse wie Personalentscheide. Es waren Verbote, die bekanntlich nicht eingehalten wurden (Vgl. unsere Ausgabe vom vergangenen Mittwoch). Hüppi antwortete am Samstag im Interview mit dieser Zeitung auf die Frage, was passiere, wenn Unregelmässigkeiten auftauchten: «All das, was wir nun durchleuchten, wird in die Bewertung allfälliger Massnahmen einbezogen. Es wird alles ganz genau angeschaut. Alles. Das soll keine Drohung sein. Aber es ist auch nicht schlecht, wenn das alle wissen.» Namen sind bis anhin keine gefallen. Hammer sagt im «Blick»: «Grundsätzlich gilt für alle beteiligten Personen die Unschuldsvermutung.»
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