FC ST.GALLEN

FCSG-Spieler auf Zeit Cedric Itten: "Uzwil liegt näher bei Basel"

Der Basler Cedric Itten macht keinen Hehl daraus, dass in ihm ein rotblaues Herz schlägt. Und doch sagt der 21-Jährige über seinen leihweisen Wechsel in die Ostschweiz: "Für mich ist St.Gallen die perfekte Lösung."
10.02.2018 | 14:41
Ralf Streule
Es ist wie beim Magier, der ein rotblaues Tuch in die Faust steckt und kurz darauf ein grünweisses herauszieht. Da steigt Cedric Itten Anfang Januar als Basel-Spieler ins Flugzeug – um als FC-St.Gallen-Spieler wieder in die Schweiz zurückzukehren. Während die beiden Teams in Südspanien ihr Trainingslager verbrachten, wurde der leihweise Wechsel vollzogen. Das Stürmertalent zog von der einen zur anderen andalusischen Trainingsanlage. "Das war sehr speziell", sagt Itten und erinnert sich an den Hinflug, als die beiden Mannschaften im selben Flugzeug sassen und für Itten noch offen war, mit welchem Team er zurückfliegen würde.
 

Zu wenig Spielpraxis in Basel 

Will man es aus Ittens Sicht negativ formulieren: Er reiste damals als Teil des grossen FC Basel ab und kam als Spieler eines Mittelfeldclubs zurück. Eine Rechnung, die Itten anders macht. "Es war mein Wunsch, zu wechseln. Ich habe gesehen, dass meine Chancen in Basel klein sind, Spielpraxis zu erhalten." Er sagt dies bei einem Treffen im Stadion, zwischen Training, Physio-Besuch und Fototermin für die Autogrammkarte. Der 21-Jährige wirkt dabei erstaunlich abgeklärt. Es wird schnell klar: Die Stürmerhoffnung ist zielstrebig, selbstbewusst und pragmatisch. Und umgänglich. Mit einem Augenzwinkern stellt er sich für ein Foto in der Tiefgarage vor die Wand, die vor grünweisser Emotion trieft. Wo doch der Allschwiler sein Basler Herz nicht verbergen kann! Sein Dialekt verrät ihn, das sowieso. Da ist aber auch die familiäre Vergangenheit, Vater und Götti spielten im FCB-Nachwuchs. Ihn selbst führte der Weg über die Black Stars und Concordia Basel in die U11 des FC Basel. In Ittens Kinderzimmer hingen FC-Basel-Poster, Meisterfeiern erlebte er als Teenager mit. 

Doch ist es schlicht der Fussballhunger, der ihn antreibt. Und diesen kann er auch in St.Gallen stillen. Er schwärmt vom St. Galler Stadion, in dem er schon immer gerne gespielt habe. Von der Fussballerfahrung eines Giorgio Contini, eines Tranquillo Barnetta oder eines Karim Haggui. Von Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter, bei denen Begeisterung und Ehrlichkeit zu spüren seien. Im Januar wären andere Leihwechsel in der Liga möglich gewesen. "St.Gallen ist die perfekte Lösung für mich."
 

Neben Babic oder Buess? "Beides funktioniert"

Noch im Sommer war Itten für Luzern leihweise im Einsatz gewesen, bevor ihn Basel im September zurückholte. Eine Lücke in der Offensive hatte es dort kurzzeitig gegeben, als Ricky van Wolfswinkel verletzt war. Mit Dimitri Oberlin und Albian Ajeti war die Konkurrenz aber schnell wieder zu stark. Itten: "Ich musste auf mich schauen." Nicht nur für Itten passt der Schritt, auch für die Ostschweizer ist er wichtig, um die ausgedünnte Offensive zu beleben. Bis im Sommer ist der Leihvertrag vorerst gültig. Sutter sprach bei der Verpflichtung von einem "hungrigen Spieler, der zum Club passt". Der fast 1,90 m grosse Stürmer hat zuletzt grosse Schritte gemacht, er ist flink, durchsetzungsstark. Auch wenn es für ihn schwierig wird, Ajeti zu ersetzen: In St.Gallen dürfte er unbestrittener Stammspieler sein. Im Zweiersturm neben Roman Buess oder, wie gegen die Young Boys, neben Boris Babic. Beide kennt er gut, Buess aus Basel, Babic aus dem Nachwuchs-Nationalteam. "Ich funktioniere wohl mit beiden gut." Morgen gegen Zürich kommt Ittens erste Chance, sich in einem Heimspiel zu zeigen. 
 

Basler Besucher sind schneller in Uzwil als in St.Gallen

Itten bewohnt in Uzwil ein Appartement. "Uzwil liegt näher bei Basel", sagt er. Und er meint es nicht als Scherz. Wenn ihn Familie oder die Freundin besuchten, hätten sie etwas weniger lang, als wenn er in der Stadt St.Gallen oder am Bodensee wohnen würde. Der Weg zurück nach Basel wäre auch etwas kürzer. So hat es Itten aber nicht formuliert.

Der FC St.Gallen hofft auf ein volles Stadion

Via Facebook hat Präsident Matthias Hüppi versucht, das Publikum zu mobilisieren. Auch Giulia Steingruber und Daniel Bösch erhielten eine Einladung. Während Schwinger Bösch morgen ab 16 Uhr im Kybunpark gegen den FC Zürich dabei sein wird, musste Steingruber absagen. Die Turnerin befindet sich im Trainingslager.

Der FC St.Gallen hat alle Register gezogen, um Zuschauer anzulocken. Tee und Punsch gibt es gratis, an der Generalversammlung wurden Freibillette verteilt. Bis gestern waren 11'000 Tickets abgesetzt. Es ist für die St.Galler ein wegweisendes Spiel nach der Niederlage bei den Young Boys. Mit einem Sieg überholen sie die Zürcher, bei einer Niederlage verlieren sie den Anschluss an die vorderen Plätze. Gesperrt fehlen wird Tranquillo Barnetta. (pl)

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