Sponsoren überlegen sich Ausstieg - Übernahmeangebot für Früh-Anteile

  • Der Schriftzug "mettler2invest" prangt auf dem Rücken des FCSG-Trikots - noch.
    Der Schriftzug "mettler2invest" prangt auf dem Rücken des FCSG-Trikots - noch. (Tatiana Scolari (EQ Images))
07.09.2017 | 06:00

KRISE BEIM FCSG ⋅ Die Unruhe beim FC St.Gallen springt auf die Geldgeber über. Mit Mettler2invest überlegt sich ein langjähriger Hauptsponsor abzuspringen. Auch bei anderen Unternehmen blickt man kritisch auf die Entwicklungen. Gleichzeitig plante eine Ostschweizer Investorengruppe die Übernahme des Clubs.

Daniel Walt/Marcel Elsener
Pascal Kesseli, CEO der FCSG Event AG? Per sofort weg. Michael Hüppi, Verwaltungsrat der FC St.Gallen AG sowie der FCSG Event AG? Per sofort weg. Marco Sessa, Stadionmanager? In gekündigter Stellung. Seit Montag knallt es beim FC St.Gallen im Tagesrhythmus. Die Anhänger der Ostschweizer sind bestürzt über die Ereignisse – und nicht nur sie. "Auch bei Sponsoren und weiteren Geldgebern wird das Geschehen aufmerksam und mit Sorge beobachtet", so eine Stimme aus einer Donatorenvereinigung des FC St.Gallen.

Und tatsächlich: Peter Mettler, CEO der Mettler2invest, blickt kritisch auf die Vorgänge beim FC St.Gallen; das Baunternehmen (früher Bauengineerung) ist neben der St.Galler Kantonalbank der langjährigste Hauptsponsor des Vereins. "Mein Bruder und ich haben immer an die Institution geglaubt, aber unter diesen Umständen überlegen wir uns tatsächlich einen Ausstieg", sagt Mettler. "Wir bedauern die seit dem Frühling andauernde Misere und die Machtspiele eines Trüppchens, das nun offenbar gewonnen hat. In den meisten Firmen hat das schlechte Folgen, schlimmstenfalls bis hin zum Konkurs."

Dölf Früh müsse "jetzt hinstehen, die Querelen lösen und Ruhe in den Stall bringen", fordert Peter Mettler. "Er sollte seine Aktien in den nächsten ein, zwei Jahren verkaufen, es gibt in der Region St.Gallen gewiss genug Leute, die sich interessieren." Bei allem Verständnis über die Erkrankung Frühs dürfe man von einem "Mann der Öffentlichkeit" erwarten, dass er seine Nachfolge gut regle. "Das hat Dölf Früh leider verpasst. Und wir waren sehr erstaunt, dass er entgegen seiner Ankündigung, abzubauen, sein Aktienpaket wieder ausgebaut hat. Das Getane stimmt nicht überein mit dem Gesagten." Mettler bestätigt den Tenor mehrerer angefragter Sponsoren: Wenn die Entwicklung so weitergehe wie in diesem Sommer, drohe dem Club letztlich ein Debakel wie 2010. Damals war es namentlich Früh, der den überschuldeten Verein vor dem Konkurs rettete und dabei vergeblich auf Staatsgelder von Kanton und Stadt hoffte.

Nicht äussern zu den Vorgängen will sich der Hauptsponsor des FC St.Gallen, die St.Galler Kantonalbank. Man kommentiere die aktuellen Ereignisse und Berichte nicht öffentlich, lässt die Direktion mitteilen. Und ergänzt: "Die St.Galler Kantonalbank nimmt grundsätzlich keinen Einfluss auf die Entscheidungen und die Kommunikation ihrer Sponsoring-Partner.

Kritik von der Stadion-Vermieterin

Die Kaskade der jüngsten Abgänge besorgt nicht zuletzt die Hauseigentümerin und Vermieterin des FC St.Gallen, die bereits im Frühling die "aufgeblähten Strukturen" angemahnt hatte: Max R. Hungerbühler, Verwaltungsratspräsident der Stadion AG, hat kein Verständnis dafür, dass "man so kompetente Leute wie Kesseli und Sessa in die Wüste schickt oder ziehen lässt". Und der ehemalige FCSG-Präsident und langjährige Verwaltungsrat Michael Hüppi habe "viel für den Club geleistet" und wichtige Verbindungen zur Politik und zur Wirtschaft gepflegt. "Solche Abgänge gehen an die Substanz", sagt Hungerbühler, "Wenn die Clubleitung nach dem sportlichen jetzt auch den administrativen Bereich umkrempelt, wird es kritisch." Auch der Textilunternehmer, der in seinen 30 Jahren in FCSG-Chargen schon diverse Sanierungen erlebt hat, befürchtet eine neuerliche Krise, wenn Dölf Früh die Entwicklung nicht besser regle: "Früh droht kaputt zu machen, was er 2010 eingefädelt und erfreulich aufgebaut hat."
 

   

"Finanzielle Folgen gut möglich"

Die permanente Unruhe rund um den Club und die mittlerweile offen ausgebrochenen Machtkämpfe könnten auch weitere Geldgeber dazu verleiten, keine Mittel mehr in den Verein einzuschiessen. Die Firma Kybun etwa, aktuell Namensgeberin der Spielstätte des FC St.Gallen, ist laut einem "Blick Online"-Bericht nicht erfreut über die aktuellen Geschehnisse. Es entspreche nicht der Firmenkultur, so mit Menschen umzugehen, gab Kybun-Chef Karl Müller nach der Trennung von Pascal Kesseli und den Abgängen von Michael Hüppi und Marco Sessa zu Protokoll. Man habe sogar geprüft, aus dem Stadionvertrag auszusteigen, rechtliche Handhabe dafür gebe es aber nicht.

Auch der Abgang von Verwaltungsrat Michael Hüppi könnte den FC St.Gallen auf längere Sicht finanziell teuer zu stehen kommen. Hüppi, dem Verein seit Jahrzehnten verbunden, hat bei vielen Sponsoren und Donatoren des FC St.Gallen einen sehr guten Ruf, er gilt weitherum als integer. Vor seiner Zeit als Präsident des FC St.Gallen (2008 bis 2010) stand er über zehn Jahre lang dem damaligen Business-Club vor – diese Donatorenvereinigung habe unter Hüppi eine Blütezeit erlebt, wird seine damalige Arbeit von gut unterrichteten Kreisen gelobt.

Aus dem Business-Club ist mittlerweile der Pioneers Club geworden. Pikant: Präsidiert wird diese Donatorenvereinigung von Marco Sessa – just jenem Mann also, der am Dienstag mit Verweis auf die Querelen der jüngsten Vergangenheit seine Stelle als Stadionmanager beim FC St.Gallen gekündigt hat. Wird sich Sessa weiterhin für die Donatorenvereinigung engagieren oder sein Amt niederlegen? "Ich bin bis zur Generalversammlung im kommenden Mai gewählt", erklärt Sessa auf Anfrage. Bis zu jenem Zeitpunkt werde im Vorstand sicherlich diskutiert, ob sein weiterer Verbleib im Präsidentenamt sinnvoll sei.

Zum möglichen Absprung von Donatoren aufgrund seiner Kündigung als Stadionmanager sowie der weiteren Turbulenzen rund um den FC St.Gallen sagt Sessa, dass die Mitglieder vor allem ihren Verein und weniger eine Führungsstruktur unterstützten. "Einen Einfluss können die Ereignisse natürlich haben – ich hoffe es aber nicht", sagt er. In Sachen Michael Hüppi steht für ihn eins fest: "Hüppi war und ist in der Tat sehr gut vernetzt. Von daher ist es gut möglich, dass sein Rücktritt finanzielle Folgen für den FC St.Gallen hat."
 

"Nicht noch mehr Porzellan zerschlagen"

Auch Roland Gutjahr, Verwaltungsratspräsident der Ernst Fischer AG in Romanshorn, beobachtet die Ereignisse rund um den FC St.Gallen mit Sorge. Sein Unternehmen hatte im Jahr 2008 die Stahlkonstruktion für das neue Stadion im Westen der Stadt gefertigt – seither ist Gutjahr dem FCSG stark verbunden, und das Unternehmen ist einer von zahlreichen Sponsoren des Clubs. "Es tut mir leid, dass es so weit gekommen ist und die Unruhe neben dem Platz das sportliche Geschehen überlagert", sagt er. Er habe Angst, dass sich das Ganze auch auf die Leistungen des Teams auswirken werde.

Bei Kontakten mit Exponenten des FC St.Gallen hat Gutjahr nach eigenem Bekunden vor einiger Zeit bemerkt, dass in der Führungsetage kein Team mehr vorhanden war, wie man es sich wünschen würde. Er hält es für denkbar, dass Sponsoren dem FC St.Gallen nun den Rücken kehren. "Auf der anderen Seite kommen vielleicht neue dazu, denn jede Veränderung hat Vor- und Nachteile. Ein Umbruch muss nicht nur schlecht sein", sagt Gutjahr. Nun müsse einfach zwingend verhindert werden, dass noch mehr Porzellan zerschlagen werde.

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