"STADION TRIFFT STADT"

Der FCSG-Präsident als Wanderprediger

FC St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi war bei "Stadion trifft Stadt" zu Gast im "Bierhof". Im bis auf den letzten Platz gefüllten Fanlokal, sprach er einmal mehr über Wiedergutmachung gegenüber den Gönnern, den Sponsoren aber hauptsächlich den Fans. Und man kaufte es ihm ab.
23.03.2018 | 16:01
Patricia Loher
Die einen stehen auf Stühlen. Die anderen haben gar keinen Platz mehr gefunden. Sie hören von draussen zu, das Fenster ist trotz Schneefalls geöffnet. Zum ersten Mal, seit der «Bierhof» das offizielle Fanlokal des FC St.Gallen ist, platzt das Restaurant aus allen Nähten. Matthias Hüppi ist zu Gast, die Gesprächsserie heisst «Stadion trifft Stadt». Hüppi, der nächste Woche den 60. Geburtstag feiert, hat nach einigen trüben Monaten das Interesse am FC St.Gallen wieder geweckt.

Er tourt durch die Region, spricht vor Schulklassen oder Wirtschaftsvertretern. Hüppi könnte jeden Tag vier Referate halten und fünf Veranstaltungen besuchen. Die Anfragen türmen sich. Der Präsident nimmt an, was er kann. Er sagt, er fühle sich wie ein Wanderprediger. «Ich will, dass der FC St.Gallen wieder mehr ausstrahlt.» Es geht ihm darum, das Vertrauen zurückzugewinnen, das ist tägliches Engagement an der Basis und deshalb vor allem Knochenarbeit.
 

«Wieso glaubt man euch?»

Hüppi hat schon viel erreicht in der kurzen Zeit, natürlich waren die fünf Siege in Serie die grösste Hilfe. Aber weshalb ist es ausgerechnet ihm gelungen, den FC St.Gallen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken? Ihm, dem Fernsehmann? Einem Mann, der noch nie einen Spitzenfussballclub geführt hat? Die Frage von Moderator Gregor Lucchi bringt es auf den Punkt: «Wieso, Matthias Hüppi, glaubt man euch?» Der Präsident weiss, dass vor ihm schon andere Clubvorsitzende an Zusammenhalt und Bodenständigkeit appellierten. Dass sich schon andere darum bemühten, Romantik und Kommerz zu verbinden. Das Vertrauen in Hüppi  ist vor allem psychologisch ein spannendes Thema. Hüppi spricht den Anhängern aus den Herzen, sein Enthusiasmus wirkt ansteckend. Als Stadtsanktgaller weiss er, was die Fans des Fussballclubs umtreibt. Zudem haben er und seine Kollegen im Verwaltungsrat Wort gehalten, einen Sportchef engagiert und Missstände behoben.

Diese ersten Schritte wurden dem neuen Führungsgremium hoch angerechnet. Moderator Lucchi sagt: «Sie sind der erste Präsident seit langem, dem ich abnehme, was er sagt.»
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