Sven Andrighetto im Hoch

  • Sven Andrighetto, Zweiter von links mit der Nummer 10, feiert mit den Teamkollegen seinen zweiten Treffer gegen Colorado Avalanche.
    Sven Andrighetto, Zweiter von links mit der Nummer 10, feiert mit den Teamkollegen seinen zweiten Treffer gegen Colorado Avalanche. (KEYSTONE/AP/DAVID ZALUBOWSKI)
12.10.2017 | 10:14

NHL ⋅ Der Schweizer Sven Andrighetto stellt ein gutes Beispiel dar, was möglich ist, wenn einem Vertrauen entgegengebracht wird, nachdem er bei Montreal den umgekehrten Fall erlebt hat.

Zwar erhielt Andrighetto von den Canadiens 2016 einen Einwegvertrag, nachdem er in der Saison zuvor mit sieben Toren und zehn Assists in 44 Partien durchaus zu überzeugen gewusst hatte. Dennoch musste er zu Beginn in die AHL und wurde er mehrmals hin- und hergeschoben. Kam er bei Montreal zum Einsatz, erhielt er eine Rolle, die nicht auf ihn zugeschnitten war.

"Du kannst natürlich nicht motzen", sagte Andrighetto. "Ich habe jedoch nie wirklich gelernt, in einer Checker-Linie zu spielen." Er sei vielmehr zu einem offensiven Spieler ausgebildet worden, und das sei auch überall sonst seine Rolle gewesen. "Es gehört zu mir, Punkte zu machen. Ich bringe es aber auch, wenn ich die Chance erhalte."

Dass dies nicht nur leere Worte sind, bewies er nach dem Trade zu Colorado Anfang März. Die Verantwortlichen der Avalanche setzten ihn in einer Toplinie mit Nathan MacKinnon, dem Nummer-1-Draft von 2013, und Mikko Rantanen ein. Andrighetto dankte das Vertrauen mit fünf Toren und elf Assists in 19 Spielen. Er sah den Wechsel als Möglichkeit, "um zu zeigen, was ich kann. Ich wusste, dass ich bereit bin." Ohnehin hat er in der Eishockey-Stadt Montreal gelernt, mit dem täglichen Druck in der NHL umzugehen. "Druck finde ich cool, wenn du ihn auf die richtige Art verwendest. Ansonsten kann er dich zerstören", erklärte Andrighetto.

Als Belohnung erhielt er von Colorado wie angestrebt einen Vertrag über zwei Jahre mit einem Gesamtwert von 2,8 Millionen Dollar. Die Zeit will er dazu nutzen, um zu zeigen, dass er in die beste Liga der Welt gehört. "Dann weiss ich, wo ich stehe", sagte Andrighetto, der in Denver zusammen mit Teamkollege Mark Barberio ein Haus gemietet hat. Das Ziel danach wäre, einen lukrativen Vertrag nach dem Vorbild von Nino Niederreiter zu unterschreiben - der Churer Stürmer verlängerte mit den Minnesota Wild bis 2022 und verdient 26,25 Millionen Dollar. "Ich schaue aber nicht so weit, sondern nehme Jahr für Jahr."

"Es war ein sehr langer Sommer"

Das Rüstzeug für die Saison holte sich Andrighetto in Zürich mit NHL-Verteidiger Mirco Müller (New Jersey Devils), Luca Cunti (Lugano) und Spielern des EHC Kloten. Nach zwei Wochen Erholung in Florida trainierte er zehn Wochen am Stück, ehe er sich nochmals zehn Tage Ferien gönnte. Danach ging er am Morgen mit der Klotener Mannschaft aufs Eis.

Pro Woche standen sechs bis neun Einheiten im Programm, mehr als drei Stunden pro Tag trainierte Andrighetto allerdings nicht. Zu Beginn musste er es wegen einer "ziemlich kaputten Leiste", die ihn zum WM-Forfait zwang, langsam angehen. Mittlerweile hat er keine Probleme mehr - auch, weil ihm ein Osteopath, den er schon mehrere Jahre beansprucht, enorm helfen konnte. Er gab ihm ein paar Tipps für Übungen zum Aufwärmen, die er vor jedem Training machen muss.

"Es war für mich ein sehr langer Sommer, weil ich auf das Mitmachen an der Weltmeisterschaft verzichten musste", erklärte Andrighetto. Grundsätzlich absolviert er das Krafttraining gerne. "Du lernst deine Grenzen und deinen Körper kennen. Ausserdem siehst du die erzielten Fortschritte. Das ist schon eine Genugtuung." Andrighettos grösstes Gut ist die Schnelligkeit. "Dort gelang mir nochmals ein Schritt vorwärts. Es ist für mein Spiel sehr wichtig, dass ich schnell und wendig bin."

Seine Zuversicht ist jedenfalls gross. "Das war erst der Anfang", sagte der Zürcher Oberländer zu seinen Leistungen mit Colorado in der vergangenen Spielzeit. "Es kommt noch viel mehr." Der Start glückte schon einmal; in den ersten vier Saisonspielen verzeichnete er drei Tore und einen Assist. Die Avalanche dürfte dank dem entgegengebrachten Vertrauen noch viel Freude am wirbligen Flügelstürmer haben. (sda)

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