NATIONAL LEAGUE

Energy- und Key-Player Kenins

Ronalds Kenins personifiziert die beeindruckende Rückmeldung der während zwei Saisons im Playoff fast inexistenten ZSC Lions. Der offensive Antreiber tut mit seinem Spielstil auch dem HC Lugano weh.
15.04.2018 | 19:26

"Er ist seit zwei Spielen wieder sichtbar." So fasste Hans Kossmann Ende Januar gegenüber der Nachrichtenagentur sda die Eindrücke zusammen, die er während knapp vierwöchiger Zusammenarbeit mit Ronalds Kenins gewonnen hatte. Und dann schob er eine Message nach, die inzwischen kein Beobachter mehr dementieren würde: "Ich kann etwas aus ihm herausholen und werde ihn forcieren."

Kossmann setzte seine Ankündigung 1:1 um. Der lettische Nationalspieler mit Schweizer Lizenz ist keine Schattenfigur mehr, sondern stieg zum Key-Player auf. Nach zwei enttäuschenden Regular-Season-Kampagnen seit dem Abbruch seines NHL-Projekts in Vancouver hat der Stürmer zurück zum Drive der besten Meistertage gefunden.

Im intensiven Schlagabtausch gegen die leidenschaftlichen Bianconeri blühte Kenins auf. Er mag hitzige Angelegenheiten, Emotionen tun ihm gut. Ihm gefällt, "wenn wir jeden Check zu Ende bringen". Das 2:1 schoss er selber, das 4:3 und das entscheidende 5:4 in der Overtime bereitete der Antreiber aus der Energy-Linie um Matchwinner Roman Wick vor.

"Hans vertraut mir mehr als die Schweden und gibt mir viel Eiszeit", fällt Kenins zum persönlichen Comeback ein. Hans Wallson und Lars Johansson, die glück- und weitgehend empathielosen Vorgänger Kossmanns, wussten mit dem Letten in der Tat wenig bis nichts anzufangen. Inzwischen kommt der Powerflügel im Schnitt auf knapp 19 Einsatzminuten.

Er habe nach seiner Rückkehr aus Nordamerika seinerseits ein Set-up vornehmen müssen. "Ich musste meine Rolle neu finden", spricht Kenins über einen zunächst schwierigen, phasenweise konfusen Prozess. Er habe zwischendurch selber nicht mehr so genau gewusst, wozu man ihn eigentlich engagiert habe: "Bin ich der Topskorer? Oder bin ich der Mann für die Energiezufuhr."

Zu lange erfüllte der Stürmer weder den einen noch den anderen Anspruch. In 40 Qualifikationsrunden brachte er einen einzigen erfolgreichen Abschluss hin. Im letzten Jahr vor dem vorgesehenen Transfer nach Lausanne war er deshalb vor allem etwas: unsichtbar. Zweieinhalb Playoff-Serien später ist Kenins nur noch eines: unverzichtbar. (sda)

Weitere Artikel