17.05.2017 | 05:00

Der Paradiesvogel und die VIP-Begegnungen


Albert NUFER ⋅ Dank der Olma wurde das St.Galler Stadt-Original Albert Nufer zum Botschafter der Expo 2002. Trotz vielen Begegnungen mit grossen Persönlichkeiten sind es die kleinen Dinge, die den bald 75-Jährigen an der St.Galler Messe begeistern.

In der Stadt St.Gallen ist Albert Nufer bekannt wie ein bunter Hund. Lange hellbraune Haare und Rauschebart – wo er hinkommt, fällt er sofort auf. Und auftauchen tut das Stadt-Original in St.Gallen eigentlich überall, wo etwas los ist. Auch an der Olma ist Albert Nufer dauerpräsent und sticht aus der Masse heraus. "Schon seit Jahrzehnten bin ich ein regelmässiger Olma-Besucher", sagt er. Das ist keine Übertreibung, wird er doch im August 75 Jahre alt und ist damit sogar noch etwas älter als die Olma.
 
Der Thurgauer Bürger, der im appenzellischen Schönengrund aufgewachsen ist, ist aber in all diesen Jahren mehr als ein normaler Messebesucher und "Olma-Fan". Er ist mit vielen aktiven und pensionierten Olma-Mitarbeitern befreundet. Und während rund 15 Jahren war der grünliberale Stadtparlamentarier auch offizieller Olma-Delegierter der Stadt St.Gallen. In dieser Funktion war er auch regelmässiger Gast an den Olma-Eröffnungsfeiern, die alljährlich eine grosse Schar Ostschweizer- und Schweizer-Prominenz anlockt. Als Bundesrat Samuel Schmid die Eröffnungsrede hielt, kam dieser an der Feier auf Nufer zu, um ihn zu begrüssen und mit ihm zu plaudern. Die beiden kannten sich aus der Zeit als Schmid noch Nationalrat war und Nufer im Bundeshaus lobbierte. "Später beim Mittagessen sagte einer der bundesrätlichen Bodyguards zu mir, ich hätte Glück gehabt, dass Schmid zu mir gekommen sei und nicht umgekehrt. Wäre ich auf den Bundesrat zugegangen, hätten sie mich augenblicklich verhaftet", schildert der frühere Kantonsrat.

Strassenwischer ohne feste Adresse und Telefon

Alber Nufer 2005 an seinem letzten Arbeitstag als Strassenwischer vor der Pensionierung. (Ralph Ribi)
Albert Nufer ist ein Paradiesvogel. Was andere von ihm denken, kümmert ihn selten. Dass er häufig barfuss an Parlamentssitzungen erschien, kam bei seinen Ratskollegen nicht immer gut an. Als Beruf gab er früher Land- und Gelegenheitsarbeiter an, oder "Strassenwischer", hatte er doch zwischenzeitlich eine Teilzeitstelle bei der Stadt St.Gallen. Nufer erreicht man über ein Postfach in St.Gallen, ein feste Adresse oder ein Telefon besitzt er nicht. Reich ist Nufer hingegen an Erfahrungen, die er auf der ganzen Welt machte. Nach der Kantonsschule und einer Kaufmännischen Lehre besuchte er etwa Kanada, Mexiko, Israel oder die USA. Als Rücktritt aus dem Kantonsrat 2009 gab er dann auch an, dass er in Malaysia überwintern wolle, wo er zuvor einem Freund bei dessen Aufräumarbeiten nach heftigen Wirbelstürmen half.

 

Olma in drei Worten:
Unverzichtbar, vielfältig, farbenfroh

Nufers spezielle Art führte zu vielen aussergewöhnlichen Begegnungen. So wurde er beispielsweise dank der Olma offizieller Botschafter der Schweizer Expo 2002, wie er in seiner mit Liana Ruckstuhl verfassten Biographie "Original? Paradiesvogel? Pensionär." erzählt. Begonnen hätte alles an der Olma, als der Vorverkauf zur Expo unter Anwesenheit aller Expo-Persönlichkeiten lanciert wurde. "Eine St.Galler Regierungsrätin entschuldigte sich im letzten Moment fürs offizielle Essen mit den Gästen. Der Verantwortliche der Olma Messen schlug darum vor, mich zu schicken, weil ich gut Französisch könnte", so Nufer. Beim Essen wurde er prompt neben die Expo-Chefin Nelly Wenger gesetzt. "Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und verbrachten einen vergnügten Abend." Das führte dazu, dass Albert Nufer am darauffolgenden Olma-Umzug an die Spitze des Umzugs beordert wurde, um dort an der Seite von Nelly Wenger mitzumarschieren. Und so wurde er schliesslich zum Expo-Botschafter ernannt,"«um in der Ostschweiz positive Stimmung für die Ausstellung zu machen", wie Nufer es formuliert.

Begeisternder Auftritt am "Tag der Bäuerin"

Auch unter den 75 Botschafterinnen und Botschafter für die Jubiläums-Olma, darf der bald 75-Jährige nicht fehlen. Dass es ihm auch hier nicht schwer fallen wird, die Menschen zu begeistern und das Messe-Virus zu verbreiten, versteht sich von selbst. Das tat er beispielsweise auch 2010 als er während der Olma am jährlichen "Tag der Bäuerin" als offizieller Redner und Teilnehmer der Podiumsdiskussion eingeladen war. Er sprach zum Motto des Tages "Lueg dir guet!" und zog mit seinen Aussagen die 500 anwesenden Bäuerinnen völlig in seinen Bann.
 
Albert Nufer spricht keine Worthülsen. Vielmehr zeichnen ihn seine Bescheidenheit und sein Einsatz für die Umwelt aus. Bei all seinen speziellen Erlebnissen mit prominenten Persönlichkeiten rund um die Olma, nennt er als sein schönstes Messe-Erlebnis etwas ganz anderes: "Dass Pro Specie Rara mit seinen Produkten und Tieren an der Messe teilnimmt." Die Stiftung, die 1982 in St.Gallen gegründet wurde, setzt sich für den Erhalt und die Förderung der genetischen Vielfalt in Fauna und Flora ein. Also dafür, dass gefährdete Nutztierrassen und standortspezifische Kulturpflanzen vor dem Aussterben bewahrt werden. Es passt zu Paradiesvogel Albert Nufer. Denn auch Originale wie er gehören einer immer selteneren Gattung an. (rab)

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