Grün in den Sommer

  • Michael Kors
    Frühlingsfrische mit Blümchen und sattem Grün. (Michael Kors Collection)
09.03.2017 | 05:00

«Greenery» nennt sich das saftige Grün, welches das amerikanische Farbforschungsinstitut Pantone zur Trendfarbe 2017 erkoren hat. Grün in allen Nuancen zieht sich auch durch die Frühlings-/Sommerkollektionen der internationalen Designer.

CÉCILE MOSER/SANDRA METZGER
Pantone, das offizielle Farbsystem in Grafik- und Druck-Fachkreisen, weiss, was Sache ist: Jedes Jahr bestimmt das amerikanische Farbforschungsinstitut eine Trendfarbe, wonach sich Designer diverser Bereiche wie Mode, Möbel, Grafik oder Industrie-Produkte richten. Für die Bestimmung des Tons reist Pantone rund neun Monate um den Globus und zieht Studien aus den Bereichen Kunst, Design, Mode oder Sozialwissenschaften heran. Ein komplexes Auswertungssystem also, auf Fakten basierend. Denn ob Soziologie, Kultur, Politik oder Wirtschaft – in einer vernetzten Welt beeinflussen sich all diese Bereiche gegenseitig und ein gewisser Zeitgeist zeigt sich überall.
Dieses Jahr heisst der auserkorene Farbton «Greenery», übersetzt «Grünzeug». «Greenery» ist ein erfrischender und belebender Grünton, der gemäss Pantone Neuanfänge symbolisieren und an das Erwachen der Natur, des Frühlings und neuen Lebens erinnern soll. Er soll Konsumenten dazu aufrufen, einen Moment innezuhalten, durchzuatmen und Dinge zu hinterfragen. Weiter stehe der Ton für die reine Natur, der sich die Menschen bei allem Überfluss und aller Überhäufung von Informationen nur zu gerne zuwenden würden – «back to the roots», zurück zu den Wurzeln, also. Dass dem so ist, zeigen nicht nur Trends wie der japanische Grüntee Matcha, Grünkohl Kale oder Urban Gardening, sondern auch zahlreiche Looks, die für dieses Frühjahr von internationalen Designern in Paris, London, Mailand und New York gezeigt wurden. Ob Valentino, die Pariser Kultbrand Vetements, Max Mara, Louis Vuitton oder Balenciaga – auf ein Grün konnte diesen Frühling kaum ein Label verzichten.
 

Achtzigerjahre und viel Glamour

Zur markanten Trendfarbe «Greenery» kommen Einflüsse aus den 80er-Jahren, die man in den aktuellen Kollektionen der internationalen Designer entdeckt. Insbesondere modern interpretierte Blazer-Variationen mit kräftigen Schulterpolstern lassen das Jahrzehnt der schrillen Farben und Oversized-Formen wieder aufleben und wurden in den Fashionweeks etwa von Jil Sander, Louis Vuitton, Haider Akerman oder Thierry Mugler gezeigt. Mit solchen Statement-Pieces hält Power-Dressing und Disco-Feeling Einzug in den Büroalltag.
«Let’s glam»: Auch das dürfte der eine oder andere Designer gedacht haben, als er die Roben für diesen Frühling und Sommer entwarf. Ob diese Inspiration vom Tod der Glam-Rock-Ikone David Bowie im vergangenen Jahr herrührt, sei dahingestellt. Jedenfalls zeigten Versage, Vetements, Balmain, Fendi oder Gucci Glitzer-Stoffe und metallische Einschübe und liessen die Models um die Wette glitzern. Dazu kommen – ob am Rumpf, den Ärmeln oder am Rocksaum – Rü-schen. Raumgreifend bestimmen sie die Silhouetten, wirken durch ihre ungewöhnlichen Positionen modern und erzeugen spannende Stilbrüche.
Von der Marine-Uniform französischer Matrosen längst zu einem Stilklassiker entwickelt, prägen auch Streifenmuster, für diesen Frühling neu interpretiert, die Kollektionen. Grelle Color-Blocking-Kombinationen oder Knallfarben gepaart mit Weiss zieren Designs von Victoria Beckham, Marc Jacobs oder Jasper Conran. Die Streifen kommen meist breit daher und bringen auch etwas unbeschwert Kindliches mit sich.
 

Dschungelprints und Retro-Blümchen

Neben unifarbenen «Greenery»-Elementen sind auch Prints aus Flora und Fauna omnipräsent. Dschungelmotive wie Farn, Palmen, exotische Blumen und Tiere finden sich etwa in den Kollektionen von Max Mara, Leonard oder Thom Browne. Die farbenfrohen Dschungel-Prints erinnern an die schrillen Achtziger und an Erkundungstouren grosser Abenteurer. Auch Retro-Prints mit Blumenmotiven aus den 70er-Jahren, die bisher vorwiegend Tapeten und Wohnzimmern vorbehalten waren, erobern jetzt die Garderobe. Ob bei Balenciaga, Miu Miu, Chloé oder Dries Van Noten, die heimeligen Aufdrucke auf Hosen, Jupes und Kleidern sorgen für leicht nostalgische Frühlingsgefühle.

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