INDOORSPIELPLATZ

Nach dem Hüpfburg-Unfall verteidigt sich nun der Betreiber des Appenzellerparks: "Wir sind kein Kinderhort"

Für die Mutter des im Appenzellerpark verunglückten Knaben sind noch viele Fragen offen. Sie habe keine Kenntnis von Verhaltensregeln gehabt. Betreiber Peter Kern verteidigt seinen Indoorspielplatz.
10.02.2018 | 11:47
Dinah Hauser

Dinah Hauser

dinah.hauser@tagblatt.ch

"Die Narbe wird bleiben. Aber ich bin froh, dass alles gut gegangen ist und es meinem Sohn so weit gut geht", sagt A. H. Sie ist die Mutter des am 20. Januar im Indoorspielplatz Appenzellerpark verunfallten Knaben. Der Junge stiess beim Springen auf der Hüpfburg mehrmals an die Deckenplatte, welche dann auf ihn herunterstürzte. Der Betreiber der Anlage, Peter Kern, ist noch immer erstaunt: "Beim ‹Wabbelberg› wurde der vom Hersteller vorgeschriebene Sicherheitsabstand zur Decke eingehalten. Es ist auch nicht vorgesehen, dass ein Kind so hoch und mit so viel Schwung springen kann. Denn die Platte muss um mehrere Zentimeter angehoben und verschoben worden sein." Mittlerweile sei die Platte fest verschraubt.

H. widerspricht der Aussage Kerns, sie hätte die Aufsichtspflicht nicht erfüllt und ihr Sohn habe die Regeln, die auf der Hüpfburg gelten, nicht eingehalten. Sie sei sich der Regeln, die im "Wabbelberg" gelten, nicht bewusst. "Ich wurde auch über keine Regeln informiert." Laut Kern sind die Sicherheitshinweise jeweils an oder vor den Spielgeräten gut sichtbar angebracht.
 

Eltern haften für ihre Kinder

Seit dem Unfall hat die Mutter viele Anrufe erhalten. Viele Bekannte fragen sich nun: Wer ist für die Aufsicht der Kinder zuständig? "Wir sind kein Kinderhort. Die Aufsichtspflicht liegt bei den Begleitpersonen", sagt Kern. Dem stimmen die Betreiber anderer Indoorspielplätzen zu: Im Bambolino in der Shopping Arena in St. Gallen sei der Eintritt für Kinder ohne Begleitperson nicht erlaubt, sagt Geschäftsführer Ronny Spitzli. "Es sei denn, die Erziehungsberechtigten unterschreiben einen Haftungsausschluss." Die Anlage Fägnäscht in Rorschach hat zwei Bereiche: den Spielplatz und den Trampolinpark. "Beim Trampolinpark werden die Besucher eingeführt und die Mitarbeitenden beaufsichtigen die Anlage", sagt Geschäftsführer Reto Schirmer. Beim Spielplatz liege die Verantwortung bei den Begleitpersonen. Es gebe aber auch Eltern, die beispielsweise eine Zigarette rauchen gehen und das Areal kurzzeitig verlassen würden. "Wir nehmen dann die Telefonnummer auf, damit wir sie im Notfall kontaktieren können." Beim Appenzellerpark ist die Praxis strenger: "Erwachsene dürfen ohne ihre Kinder den Park nicht verlassen."

Bei allen Betreibern gilt: Für eine Betriebsbewilligung müssen die Indoorspielanlagen, wie es auch bei öffentlichen Spielplätzen der Fall ist, den schweizerischen Normen entsprechen. "Ansonsten sind die Betreiber für Unfälle haftbar", sagt Kern. Alle Betreiber geben an, ihre Spielgeräte regelmässig zu kontrollieren und gemäss Richtlinien zu warten. Für Ronny Spitzli vom Bambolino in der Shopping Arena gehe allerdings die grösste Gefahr immer noch von anderen spielenden Kindern aus, zum Beispiel ein Zusammenstossen während des Spielens.

4 Leserkommentare
Weitere Artikel