FUSSBALL

Von Tenero bis Rio de Janeiro

Obschon der Regionalfussball ruht, sind die Vereine an der Planung für die Rückrunde. Dazu gehört auch das Trainingslager. Die Iberische Halbinsel steht hoch im Kurs. Doch nicht alle finden daran ihren Gefallen.
12.01.2018 | 07:06
David Metzger

David Metzger

sport@wilerzeitung.ch

Nicht weniger als fünf Mannschaften des regionalen Fussballs werden ihre Zelte im Frühjahr voraussichtlich auf der Iberischen Halbinsel aufschlagen. Ob Lissabon, Marbella oder Valencia, die mediterranen Temperaturen sind bei den Teams geschätzt. "Am Schluss hat das Gesamtpaket mit einer hervorragenden Infrastruktur den Ausschlag gegeben, warum wir uns für Marbella entschieden haben", begründet Heris Stefanachi, Trainer des FC Bazenheid, den Entscheid. Ursprünglich einmal hatten die Toggenburger aber noch viel Grösseres vor. "Rio de Janeiro war ein konkretes Thema und wäre auch finanziell zu stemmen gewesen", erzählt Stefanachi. Bedingt durch den schwachen Saisonstart kam der Verein allerdings von diesem Vorhaben ab. "Es hätte schlicht den falschen Eindruck erweckt", resümiert Stefanachi.
 

Auch Flawil reist nach Marbella

Den Bazenheidern angeschlossen hat sich auch Drittligist Flawil. Die Mannschaft von Trainer Dragan Savic weilt Mitte März ebenfalls während einer Woche an der Costa del Sol in Marbella. Bereits vergangenes Jahr logierten die Flawiler an gleicher Städte. Präsident Büeler zur Wahl: "Die sehr guten Bedingungen liessen eine Debatte um einen möglichen Wechsel gar nicht erst aufkommen."

Sechs Autostunden nordöstlicher wird sich auch der aktuelle Tabellenführer der 3. Liga, der FC Henau niederlassen. Die Henauer reisen jedoch erst eine Woche vor dem Rückrundenstart für vier Tage nach Valencia. Trainer Bekim Marku begründet dies damit, "dass man so das Rasentraining nach der Rückkehr in die Schweiz möglichst beibehalten könne."

Ebenfalls auf die iberische Halbinsel reist der FC Zuzwil. Die Mannschaft von Benjamin Kuhn weilt vom 14. bis 18. März in Lissabon. Ähnlich tönt es auch beim FC Tobel-Affeltrangen. Die Mannschaft um Trainer Ruedi Eisenhut befand sich zum Zeitpunkt der Umfrage aber noch in der Evaluationsphase, wo genau man sich niederlassen möchte.
 

Entweder Trainingslager oder Badeferien

Ganz anders ertönt die Gemütslage beim FC Neckertal-Degersheim. Dort kann Präsident Simon Nef, angesprochen auf die vielen schönen Destinationen aus dem Sommerkatalog jedes Reiseanbieters nur den Kopf schütteln. "Entweder geht man in ein Trainingslager – oder man macht Badeferien", sagt Nef und fügt an, dass man sich deshalb vereinsintern für die erste Option entschieden habe. Deshalb bleiben die Degersheimer auf Schweizer Terrain und bereiten sich in Tenero auf die Rückrunde vor. "Das Preis- und Leistungsverhältnis ist dafür geradezu ideal", weiss Nef.
 

Bronschhofen wagt sich erneut in die Türkei

Auch beim SC Bronschhofen ist der Fokus der Trainingslageraktivitäten auf den finanziellen Aspekt ausgerichtet. Und dies sorgt durchaus für Schlagzeilen: Wie bereits 2015 und 2016 reisen die Bronschhofner in die Türkei – trotz der dort politisch als angespannt geltenden Lage. "Wir haben bisweilen aber ausschliesslich gute Erfahrungen gemacht und vertrauen auch diesmal wieder auf die Kompetenz und das Feingespür unseres Reisepartners, der auf Türkeireisen spezialisiert ist", sagt Philipp Flammer. Im Vergleich zu anderen Destinationen sei die Türkei im Gesamtpaket pro Person bis zu 400 Franken günstiger. Für die vielen ­Studenten und Lehrlinge in der Mannschaft, welche einen Grossteil der Kosten selber berappen müssen, ein nicht zu unterschätzendes Kriterium. Nach Abwägen von Vor- und Nachteilen gegenüber anderen Angeboten sei die Wahl der Destination ein mehrheitsfähiger Mannschaftsentscheid gewesen.

Seinerseits in den Genuss eines besonderen Highlights dürfte die Serbenmannschaft des FC Uzwil in ihrem Trainingslager auf Malta kommen. Dank persönlicher Kontakte kommt es dort zu einem Trainingsspiel gegen den FC Valletta, immerhin Qualifikant der diesjährigen Uefa Europa League.
 

Alternativprogramm mit dem neuen Trainer

Noch keine grossen Sprünge betreffend Trainingslager hat die 1. Mannschaft des FC Uzwil unternommen. Bedingt durch den Rücktritt von Erik Regtop als Trainer, musste Uzwil seine Planungen aufschieben. "Uns ist wichtig, dass wir die Wünsche des neuen Trainers wahrnehmen können und diese in die Trainingslagerplanung einfliessen lassen", sagte Präsident Daniel Steuble. Dass man sich aufgrund der späten Buchung mit «Restpostenangeboten" zufriedengeben müsse, glaubt Steuble nicht. "Alternativ bestehen sicherlich auch im Tessin oder in Norditalien sehr gute Möglichkeiten und Bedingungen."
 

Finanzielle Möglichkeiten lassen kein Trainingslager zu

Während sich der FC Uzwil eventuell noch nach einer Möglichkeit umsieht, ist die Option eines Trainingslagers beim Wiler Nachwuchs bereits definitiv vom Tisch. Insbesondere aus finanziellen Gründen findet kein solches statt. Trainer Denis Sonderegger, der unterdessen freigestellt worden ist, sieht dies aber nicht als Nachteil für das Team. "Man findet auch in Wil mit etwas Wetterglück gute Bedingungen vor." Um den Aspekt der Teambildung dennoch zu berücksichtigen, wird der Wiler Nachwuchs mit anderen Methoden über die Winterpause hindurch dafür sorgen, auch im mentalen Bereich noch näher zusammenzurücken.
 

Arbeitgeber haben immer weniger Verständnis

Ebenfalls ohne Trainingslager bleibt der FC Sirnach. "Wir haben festgestellt, dass die Spieler immer weniger bereit dazu sind, hierfür Ferien herzugeben", sagte der unterdessen zurückgetretene Sportchef Ivo Nater und fügte an, dass zunehmend auch die Arbeitgeber weniger Verständnis für ein Trainingslager ihrer Mitarbeiter aufbringen. Möglich ist beim FC Sirnach aber noch, dass man kurzfristig für ein verlängertes Wochenende wegreisen wird. Entscheidend wird sein, wer neuer Trainer wird und wann diese Mutation bekannt ist. Vorderhand trainieren die Sirnacher unter der Leitung der routinierteren Spieler.

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