OBERUZWIL

Von Gorillas zu Wasserratten

Seit gut einem Monat ist Patrick Bärtschi als neuer Chefbadmeister des Hallenbads und Freibads tätig. Der 37-Jährige zieht einen Vergleich zu Zürich, spricht über den Ernstfall und Herausforderungen.
13.02.2018 | 05:18
Angelina Donati

 

In seiner neuen Tätigkeit sieht Patrick Bärtschi eine «riesen grosse Chance». Erst im vergangenen November wurde das Hallenbad Schützengarten in Oberuzwil nach einer kompletten Renovation eingeweiht. «Im neuen Hallenbad wirken zu können, erfüllt mich mit Stolz», sagt der 37-Jährige, der auch für das Freibad im Ghürst in der Gemeinde zuständig ist. «Ich habe die Möglichkeit, mit dem Betrieb von Beginn weg mitzuwachsen.»

Ursprünglich ist der Winterthurer gelernter Forstwart, war für spezielle Fällarbeiten zwischen Häusern zuständig. Später machte er eine Umschulung zum Tierpfleger im Zoo Zürich. «Ich betreute Gorillas, Orang-Utans und Nashörner», sagt er. Bei den Holzarbeiten in der Anlage kam ihm seine erste Ausbildung zugute. Auch privat besitzt Bärtschi das eine oder andere – wenn auch exotische – Haustier: «Schlangen und Echsen», sagt er und schmunzelt. «Von klein auf bin ich mit Tieren dieser Art aufgewachsen. Denn mein Vater hatte immer schon welche.»

Gut zuhören als wichtige Voraussetzung

Zuletzt wirkte Bärtschi als Badmeister und Eismeister im Sportzentrum Effretikon. Dass er nun in der Ostschweiz heimisch werden will, hat mit seiner Lebenspartnerin aus St. Gallen zu tun. «Wir suchten einen Lebensmittelpunkt.» Seiner Leidenschaft fürs Arbeiten im Freien möchte er künftig mehr in seiner Freizeit nachgehen: «Mein Traum ist es, dereinst in einem Haus mit Umschwung zu wohnen.»

Die ersten Eindrücke, die Patrick Bärtschi in Oberuzwil seit seinem Arbeitsantritt Anfang Januar sammeln konnte, sagen ihm mehr als zu. «Es macht mir grossen Spass. Die Leute sind sehr freundlich, jeder kennt jeden und es geht familiär zu und her.» Auch die Kinder und Jugendlichen des eigentlichen Schulbades hätten gute Manieren. Ganz im Vergleich zum Züribiet: «Dort gibt es deutlich mehr Rabauzen», sagt Bärtschi und schmunzelt. Diese in den Griff zu bekommen, durchzugreifen und für einen reibungslosen Betrieb für alle Gäste zu sorgen, gehöre auch zu den Aufgaben des Badmeisters. Eine wichtige Voraussetzung sei auch, gut zuhören zu können. Die Begegnungen könnten dabei nicht unterschiedlicher sein: «Von Kindern, die einen Blödsinn veranstalten, bis Grossmütter, die mir von ihrem Tag erzählen.» Für die technischen Arbeiten sei zudem handwerkliches Geschick gefragt. «Von Technik über Toilette putzen bis Kasse bedienen – das gehört alles dazu.» Unterstützung erhält Bärtschi vom Stellvertreter des Freibades und von Aushilfspersonen. «Genau die Vielseitigkeit meiner Tätigkeit sagt mir besonders zu.»

Angesprochen auf Ertrinkungsunfälle und andere gravierende Situationen, sagt Bärtschi, dass er es glücklicherweise noch nie mit einem Ernstfall zu tun hatte. «Es ist eine unserer Aufgaben, die Gefahrenherde zu erkennen und frühzeitig einzugreifen.» Gewappnet sei man trotzdem nie. Auch sei es wichtig, die betroffenen Personen von Schaulustigen abzuschirmen. Nicht, dass Fotos oder Videos gemacht würden. «Leider wissen viele nicht, wie reagieren. Dennoch kann jeder in die Lage kommen, einem Mitmenschen Erste Hilfe leisten zu müssen.» Ein Anliegen Bärtschis ist, dass sich möglichst viele Leute auf die Nutzung von Defibrillatoren schulen.

Eltern lassen ihre Kinder unbeaufsichtigt

Das Handy, das überall gerne für Fotos gezückt wird, stellt den Chefbadmeister ohnehin vor Herausforderungen. Als richtig schlimm bezeichnet Bärtschi solche Situationen, die sich im Freibad abspielen: Wenn Mütter und Väter sich lieber mit dem Smartphone oder mit ihresgleichen beschäftigen, statt die Aufsichtspflicht ihrer kleinen Kinder wahrzunehmen. «Es wird Sommer für Sommer schlimmer.» Als Badmeister sei es schlicht unmöglich, alle 3000 Gäste im Auge zu behalten. Erschwerend kommt die Weitläufigkeit eines Freibades hinzu. «Zum Glück gibt es auch aufmerksame Leute, die etwas beobachten und es uns melden.»

Selbst wenn Patrick Bärtschi in seiner Freizeit andere Badeanstalten besucht, können seine Adleraugen nicht ruhen. «Am besten gelingt mir das Abschalten, wenn ich mit Freunden tauchen gehe.» Zum Erlebnis am Zürichsee etwa gehört zudem das gemütliche Beisammensein bei Speis und Trank.

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