FLAWIL

Viel Licht und im Keller eine Leiche

Über 70 Jahre lang hatte die Fluora Leuchten AG ihren Firmensitz in Herisau. Jetzt hat das Unternehmen den Standort nach Flawil verlegt. Seit gut drei Monaten wird im Habis-Areal konstruiert und produziert.
14.04.2018 | 05:20
Andrea Häusler

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Ruedi Meier ist tot. Der Strategieberater wurde erschlagen im Keller der Fluora Leuchten AG in Herisau aufgefunden. Was als Begründung für den Domizilwechsel des Ostschweizer Traditionsunternehmens durchaus hinhalten könnte, hat mit der Realität jedoch wenig zu tun. Der Mord im Keller ist der ­Beginn des Krimis «Heller im Keller», den der Appenzeller Autor Andreas Giger um die Fluora gesponnen und im Auftrag der Geschäftsleitung als Werbeträger publiziert hat. Giger war an der Eröffnung des neuen Standorts in den ehe­maligen Räumen der Tipper Tie ­Alpina GmbH im Habis-Areal vergangenen Freitag zugegen – nebst Geschäftspartnern, Nachbarn und Freunden.

Unvorteilhafter Mietvertrag als Umzugsgrund

Produziert wird hier allerdings bereits seit Januar. Obwohl noch im Sommer vergangenen Jahres niemand mit einem Wegzug von Herisau gerechnet hatte, wie Firmeneigentümer und Verwaltungsratspräsident Bruno Bürge sagt. «Im Gegenteil: Wir haben damals noch das Untergeschoss ausgebaut.»

Dann jedoch kam alles anders. Der neu aufgesetzte Mietvertrag sei derart unvorteilhaft gewesen, dass sich ein alternativer Standort buchstäblich aufgedrängt habe. Pikantes Detail: Der Vermieter der Liegenschaft an der St. Gallerstrasse 49 war die Fluora Immobilien AG, welche bis zur Jahrtausendwende zum selben Unternehmen gehört hatte, wie die Fluora Leuchten AG.

Schliesslich ging alles unerwartet schnell. «Anfangs November wurden die Räume in Flawil besichtigt und Ende des Monats konnten wir die Belegschaft bereits über den Umzug informieren», sagt Bürge. Die neuen Räume vergleicht er mit einem Sechser im Lotto. Nicht nur, weil lediglich wenige bauliche Anpassungen vorgenommen werden mussten. «Es stimmt einfach alles: die 3000 Quadratmeter grosse, ebenerdige Produktionsfläche, die Büros des Verkaufsteams Ost und die Ausgestaltung der Arbeitsplätze für die Administration und Kons-truktion im Obergeschoss.»

Digitalisierung und mannlose Produktion

Rund 45 Mitarbeitende sind derzeit in Flawil beschäftigt. «Ein Ausbau ist wahrscheinlich», sagt Bruno Bürge. Nicht nur personell. Mobile Montagestrassen wie auch die Digitalisierung würden das Unternehmen in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen. Auch seien mannlose Produktionen im 24-Stunden-Betrieb auf dem Vormarsch, eine Entwicklung, der man sich nicht verschliessen könne und wolle.

1946 von den Gebrüdern Rhyner gegründet, konstruiert und produziert die Fluora Leuchten AG innovative Beleuchtungskonzepte für Architekten und Lichtplaner. Solche befinden sich, bezogen auf die Region, beispielsweise im Kindergarten Jonschwil, im BZWU Uzwil, dem Gemeindehaus Mogelsberg oder im Säntispark in Abtwil. Hergestellt werden heute ausschliesslich noch LED-Beleuchtungskörper: «Die Fluoreszenz-Leuchte ist tot», sagt Bruno Bürge. Was die Zukunft bringen wird, erwartet er voller Spannung. Licht fasziniert ihn. Entsprechend begeistert stellt er die an ein Solarmodul gekoppelte Hybrid-Leuchte vor, die er zu Demonstrationszwecken ausgestellt hat.

Die Bedeutung des Lichts, dessen Auswirkungen auf die Befindlichkeit des Menschen würden oftmals unterschätzt, bedauert er. Nach wie vor zähle in erster Linie der Preis des Produkts. Dabei könne die Produktivität, aber auch die Gesundheit der Mitarbeitenden mit der Wahl der richtigen Lichttemperatur positiv beeinflusst werden.

Die Wirtschaft ist spannend wie ein Krimi, findet Bürge. Und Ruedi Meier? In Gigers Geschichte relativiert sein Tod vieles, was in der Vergangenheit des Unternehmens geschehen ist. Auch deshalb heben schliesslich alle das Glas: auf eine leuchtende Zukunft der Fluora AG.

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