REGION

SVP im Wahlkreis Wil: Viele Stimmen, keine Präsidien

Bei den letzten Kantonsratswahlen erreichte die SVP als klare Siegerin im Wahlkreis Wil fast einen Drittel aller Stimmen. Ein Gemeindepräsidium errang die Volkspartei aber nicht. Der SVP-Kreispräsident nimmt Stellung.
12.04.2018 | 16:41
Simon Dudle
Die Region Wil ist traditionell eine CVP- und FDP-Hochburg. Sie ist aber auch zu einer SVP-Hochburg geworden. Wie passt das zusammen? Es ist eine Frage der Perspektive, welche man einnimmt. Betrachtet man die Wählerstimmen bei den letzten Kantonsratswahlen vor ziemlich genau zwei Jahren, so dominiert das bürgerliche Lager deutlich. Genau 30 Prozent machte die SVP im Wahlkreis Wil. Auf Platz zwei folgte mit genau 20 Prozent die CVP. Gar 31,2 Prozent an Stimmen gab es für die SVP im Toggenburg, die 2,9 Prozent der Jung-SVP noch nicht einmal eingerechnet. Im Bezirk Münchwilen waren es gar über 33 Prozent. Nimmt man diese Zahlen als Grundlage, dürfte die Volkspartei für sich reklamieren, in jeder dritten Gemeinde der Region Wil den Präsidenten zu stellen.

Doch weit gefehlt: Auf St. Galler Kantonsgebiet gehört in der Region Wil kein einziges Gemeindeoberhaupt der SVP an. Im Hinterthurgau sind es mit Kurt Baumann (Sirnach), Willy Nägeli (Fischingen) und David Zimmermann (Braunau) immerhin deren drei. Doch warum ist das so? Bruno Dudli, Präsident der SVP-Kreispartei Wil, sagt: «Meines Wissens stellte die SVP bislang noch keine Kandidaten. Diese Verteilung entstand aus einem demokratischen Prozess. Als Demokrat stehe ich hinter den Volksentscheiden. Es wäre natürlich begrüssenswert, wenn die grösste politische Bevölkerungsgruppe in absehbarer Zeit angemessen in diesen Gremien vertreten sein würde.» Dudli ergänzt: «In Demokratien sind Gemeindepräsidenten nicht allmächtig. Das ist gut so.»

In den Gemeinderäten dominieren die Parteilosen

Nimmt man die Parteizugehörigkeit der Gemeindeoberhäupter als Kriterium, gehört die Region Wil zur politischen Mitte. Auf St. Galler Kantonsgebiet gehören alle Gemeindepräsidenten der Region Wil der FDP und der CVP an. Einzige Ausnahme bildet Roland Hardegger (Zuzwil), der nicht in einer Partei ist. Er sagt: «Als parteiloser Gemeindepräsident wird man nicht in ein parteipolitisches Schema gedrückt. So werden alle Eingaben neutral behandelt ohne Einfluss von Dritten. Allfällige Interessenskonflikte mit der eigenen Partei entfallen.» Immer mal wieder wird gemunkelt, Hardegger stehe der FDP nahe. Er sagt: «Lassen wir doch diese Stimmen im Raum. Ich habe auch schon gehört, dass ich anderen Ortsparteien angehöre. Doch dem ist nicht so.»
 Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Parteizugehörigkeit aller Gemeinderäte in der Region Wil insgesamt betrachtet. Auf St. Galler und Thurgauer Kantonsgebiet haben die Parteilosen die Nase vorne. Fast jedes dritte Behördenmitglied gehört keiner Partei an: 48 von 151. Auch hierbei halten sich FDP (36) und CVP (34) nahezu die Waage. Die SVP stellt 21 Gemeinderäte.

SP: Sechs Gemeinderäte, vier Kantonsräte

Nur eine untergeordnete Rolle spielt in der Region Wil die SP, welche schweizweit zu den vier grössten Parteien zählt. Weder im Wahlkreis Wil, noch im Bezirk Münchwilen und im unteren Toggenburg gibt es einen Gemeindepräsidenten der Sozialdemokraten. In diesen Gebieten stellt die SP nur sechs Gemeinderäte, mit Peter Hartmann, Daniel Baumgartner, Dario Sulzer und Barbara Müller aber immerhin vier Kantonsräte.
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