JONSCHWIL

21-Jähriger fährt Frau tot: "Lenker muss innerhalb der überblickbaren Strecke anhalten können"

Eine 51-jährige Frau ist am Montag beim Überqueren der Unterdorfstrasse vom Auto eines Junglenkers erfasst und getötet worden. Der 20-Jährige hatte Alkohol getrunken und die Fussgängerin offenbar übersehen.
09.01.2018 | 20:05
Aktualisiert:  09.01.2018, 21:00
Andrea Häusler
Mehr als vier Stunden lang war die Unterdorfstrasse am nördlichen Dorfausgang Jonschwils am Montagabend gesperrt. Am Dienstag erinnerte kaum mehr etwas an den tragischen Unfall, der das Leben zweier Familien aus der Region schlagartig auf tragischste Weise verändert hat. Allein die Markierungen auf dem Asphalt und dem angrenzenden Wiesland machen deutlich, wie breit die Spuren des Unfalls gestreut waren, mit welcher Wucht die Kollision erfolgt sein musste. Da und dort sind noch immer Kunststoffsplitter des beteiligten Fahrzeugs auszumachen.


 
Die verunglückte Fussgängerin – eine Schweizerin aus der Umgebung, nicht aber aus dem Dorf – beabsichtigte die Unterdorfstrasse vom östlich gelegenen Industriegebiet herkommend auf der Höhe der Bushaltestelle «Steinacker» zu überqueren. Es war Montag, 18.15 Uhr, dunkel, aber nicht neblig und, die Fahrbahn war trocken. Ob der 20-jährige von Jonschwil in Richtung Schwarzenbach fahrende Unfallverursacher schneller als die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde unterwegs war, sei Gegenstand von Abklärungen, sagt Hanspeter Krüsi, Kommunikationschef der Kantonspolizei St.Gallen. Feststehe aber, dass die Frau nicht angefahren, sondern frontal erfasst und über die Kühlerhaube, die Windschutzscheibe und das Autodach geschleudert worden sei. Tatsache sei auch der relativ lange Anhalteweg des Automobilisten. Die Schwerstverletzte verstarb noch auf der Unfallstelle. Unabhängig vom tatsächlich gefahrenen Tempo sei die Gesetzeslage klar, sagt Krüsi: «Der Fahrzeuglenker darf so schnell fahren, dass er innerhalb der überblickbaren Strecke anhalten kann.»
 
Der 20-jährige Schweizer ist Junglenker. Den Führerschein hatte er auf Probe. Entsprechend besteht in Bezug auf Alkohol eine Nulltoleranz. Der durchgeführte Alkoholtest ergab allerdings einen positiven Wert. Angaben über die konsumierte Alkoholmenge will Hanspeter Krüsi nicht machen, verweist stattdessen auf die Ergebnisse der Blutanalyse. Ohnehin würden beigezogene Unfallexperten nun die Spuren analysieren und den Unfallhergang rekonstruieren. Die Resultate flössen dann in den Bericht an die Staatsanwaltschaft ein. Den Führerschein musste der junge Mann übrigens abgeben. 
 

Mehr Schutz mit einem Fussgängerstreifen?

Die Verkehrssituation beim Einmünder der Steinackerstrasse in die Unterdorfstrasse ist beleuchtet. Aber nur dieser. Ob die Ausleuchtung der Umgebung ausreichend ist, mag Hanspeter Krüsi nicht beurteilen. Dies ändere auch nichts an der Tatsache, dass die erwähnte Verpflichtung bestehe, auf Sicht anhalten zu können. Ähnlich zurückhaltend äussert er sich zur Forderung nach einem Fussgängerstreifen in diesem Bereich. Dafür wäre die Strasse, aus verkehrspolizeilicher Sicht, wohl zu schwach frequentiert. Ein Fussgängerstreifen brächte keinen Schutz, sondern ein erhöhtes Sicherheitsrisiko.
Weitere Artikel