WIL

Die Pfunde sollen purzeln

Fitnesscenter erleben zu Jahresbeginn – Neujahrsvorsätzen und Weihnachtsspeck sei Dank – jeweils einen Ansturm. Doch so gross die Motivation im Januar ist, so klein ist der Durchhaltewillen vieler Kunden.
10.01.2018 | 05:22
Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Die Festmähler zur Weihnachtszeit hinterlassen ihre Spuren. Spätestens beim Gang auf die Waage zeigt sich das Ergebnis. So überrascht es wenig, dass viele gängige Neujahrsvorsätze lauten: Mehr Sport treiben, ein paar Pfunde verlieren und generell gesünder Leben. In den Fitnesscentern von Wil und Umgebung wirken sich diese Vorsätze positiv auf die Anzahl der Kunden aus.

«Wir erleben das Jahr für Jahr», bestätigt Daniel Wenger, Geschäftsführer und Leiter vom Wenger Fitness Center in Wil. «Vor allem im Januar trainieren vergleichsweise viele Leute bei uns.» Dies führt er auf mehrere Gründe zurück. Einerseits gebe es zu Jahresbeginn viele Neuanmeldungen, andererseits seien auch bestehende Kundinnen und Kunden motivierter und fleissiger, was die Regelmässigkeit ihres Trainings anbelange.

Dem Weihnachtsspeck den Kampf ansagen

Dies bestätigen Roger Tanner vom Body Power Fitness Gym und Giuseppe Verre von Fitnessplus. Im Januar sei die Zahl an Neuabonnenten höher als in anderen Monaten, sagt Verre und auch Tanner betont: «Vorgestern war unser Laden zum bersten voll. Wir konnten auch einige Abonnements verkaufen», sagt er. Dies hänge sicherlich damit zusammen, dass über die Festtage «gut gegessen wurde» und jetzt den Pfunden den Kampf angesagt werde. Er findet jedoch: «Man muss sich keine Sorgen machen, wie viel man zwischen Weihnachten und Neujahr isst oder trainiert, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.»

Der Andrang im Januar sei zwar noch immer gross, liesse sich aber nicht mehr mit jenem von vor einigen Jahren vergleichen. Früher habe er im Januar doppelt so viele Neuabonnenten wie in anderen Monaten verzeichnet. In den vergangenen Jahren habe sich der Trend eher in Richtung Oktober und November verschoben. Auch im Fitness Island Bronschhofen beobachtet man diese Verlagerung. Trotzdem werden dort die meisten Abos im Januar verkauft. Geschäftsführer Fabian Möckli sieht dafür jedoch nicht etwa Neujahrsvorsätze als Hauptgrund. «Viele Abos laufen Ende Jahr aus und müssen im Januar erneuert werden», erklärt er.

Neujahrsvorsätze treten in den Hintergrund

Ebenso verlässlich wie der Aufschwung bei den Besucherzahlen zu Jahresbeginn, sei auch die Abnahme derselben nach nur wenigen Wochen, sagt Marcel Wenger von Wenger Fitness. Nicht, dass abgeschlossene Abonnements wieder aufgelöst würden, aber die Besuche im Fitnesscenter reduzierten sich bei vielen nach kurzer Zeit wieder. Die Prioritäten würden wohl anders gesetzt und Neujahrsvorsätze träten in den Hintergrund, mutmasst er.

Vielleicht habe dies damit zu tun, dass einige ihre Ziele etwas aus den Augen verlieren würden. Doch gerade im Fitnessbereich brauche es Durchhaltewillen. Wer abnehmen oder Muskelmasse aufbauen wolle, erreiche dies nicht bereits nach ein paar Stunden im Fitnesscenter. «Es ist ein Prozess, der nicht so schnell geht. Erste Erfolge stellen sich erst nach einer gewissen Zeit ein.»

Auch Roger Tanner hat dies in seinem Fitnesscenter bereits beobachtet. «Einige machen sich Neujahrsvorsätze, sind dann übermotiviert und setzen sich selbst zu hohe Erwartungen.» Könnten diese nicht eingehalten werden, sinke die anfängliche Motivation schnell wieder. Giuseppe Verre von Fitnessplus sieht das als grundsätzliche Herausforderung der Fitnessbranche, die sich nicht auf den Januar beschränkt. «Mit guter Betreuung muss dort der Hebel angesetzt werden. Fitness und gesunde Ernährung müssen ein Stück weit zu einem Lebensstil werden.»

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