REGION

Der Wandel im Handel

Autofreie Einkaufsstrassen waren bis vor wenigen Jahren der Stolz vieler Klein- und Grossstädte. Vermehrt geraten sie unter Druck. Sinkende Umsätze und weniger bauliche Erneuerungen sind einige der Folgen.
17.04.2018 | 05:16
Hans Suter

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Der Wandel im Detailhandel ist allgegenwärtig. «Die Tendenz: Der Online-Handel wächst, der stationäre Handel sinkt», sagt Fredy Hasenmaile, Leiter des Bereichs Real Estate Economics der Credit Suisse. Sinkende Umsätze und Margen entziehen vielen traditionellen Fachgeschäften die Lebensgrundlage. Die Folge sind weniger attraktive, zuweilen gar beliebig austauschbare Aneinanderreihungen internationaler Ladenketten weniger Branchen im besseren Fall und leer stehende Schaufenster und Verkaufsflächen im schlechteren Fall. Ist die klassische Einkaufsstrasse tot? «Passantenfrequenzen waren die Währung in der analogen Welt, und sie sind es auch in der digitalen», sagt Fredy Hasenmaile. In seiner Immobilienstudie kommt der Analyst zum Schluss, dass es in Zukunft noch grössere Unterschiede geben wird zwischen Toplagen und B- und C-Lagen.

Die physische Präsenz bleibt laut der Studie zwar wichtig, auch für Onlinehändler. Fast alle Grossen unter ihnen hätten mittlerweile auch physische Standorte eröffnet. «Und nicht nur sie, auch erstklassige Marken suchen den direkten Kontakt mit den Konsumenten», hält die Studie fest. «Sie suchen die Interaktion mit ihren Kunden, sie wollen ihre Produkte erlebbar machen und ihr Markenimage pflegen.» Es handelt sich dabei immer mehr um «Touchpoints» und weniger um Verkaufspunkte. Solche Berührungspunkte seien für grosse Marken zentral und dienten dem Aufbau einer emotionalen Kundenbindung. Die stationären Läden an Top-Standorten würden in Zukunft nur noch untergeordnete Verkaufsfunktionen haben. Es sind Flaggschiffläden an den besten Einkaufsstrassen, die vor allem der Werbung dienen.

Für B- und C-Lagen, die nicht für Flaggschiffläden geeignet sind, ist die Situation schwieriger. «Sie haben bereits durch das Verschwinden der nicht filialisierten Fachdetailhändler gelitten», schreiben die Autoren der Studie. Habe deren Marktanteil in den Sechzigerjahren noch bei 70 Prozent gelegen, mache er heute nur noch 20 Prozent aus. «Die Einkaufsstrassen können zwar ihre Stärken wie die Authentizität der Standorte oder die Vielfalt des Mietermixes in die Waagschale werfen, doch dürften hier etliche Detailhändler Flächen aufgeben, besonders in Kleinzentren», glauben die Autoren. «Lokale und regionale Detailhändler, die gut in Nischensegmenten verankert sind, dürften sich halten können.» Verstärkt würden Dienstleister aus Bereichen wie Optik, Gesundheit, Schönheit, Beratung das Strassenbild dominieren.

Oft fehle es an einer Führung, die den Mietermix definierten, die Flächen bespielten und für einen optimalen Einbezug der Gastronomie sorgten. Dadurch würden Einkaufsstrassen Nachteile mit Einkaufszentren erwachsen, wo alles zentral gesteuert sei und auf Trends reagiert werden könne.

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