WILDHAUS

Wenn Fichten fliegen

Mit zwei Superpumas und einem grossen Häcksler wird das "Burglind"-Sturmschadenholz verarbeitet. Ende Woche ist der Parkplatz Chuchitobel wieder frei.
11.04.2018 | 06:35
Adi Lippuner

Seit Montag kann der Parkplatz beim Chuchitobel nicht genutzt werden. Er dient als Zwischenlager für die Fichten, welche vom Steirütiwald und vom Kochler ausgeflogen wurden. Während insgesamt sieben Stunden, verteilt auf zwei Tage, war der Superpuma der Heli Air AG von der Basis Mollis im Einsatz. Zeitweise flog auch ein Superpuma der Schweizer Armee Sturmholz aus dem Gebiet Flürentobel, Gulmen. «Die Unterstützung durch die Armee ist nur für Sturmschäden, die in öffentlichen Wäldern oder zur Sicherung von Wanderwegen nötig sind, möglich», erklärt Reto Hürlimann, Leiter Forstbetriebe Obertoggenburg AG.

«Ein Superpuma kann bis zu 4300 Kilo Last anhängen», so Berny Bühler, Betriebsleiter des Helikopterunternehmens. «Hier fanden wir beste Bedingungen vor, das Ganz wurde sehr gut vorbereitet». Er windet den Organisatoren, der Foag (Forstbetriebe Obertoggenburg AG) ein Kränzchen. Für die Zuschauer waren die Flüge spannend zu beobachten, hingen doch meist ganze Fichten mit den Ästen am Helikopter. «Wir haben uns für dieses Vorgehen entschieden, um die Arbeit möglichst speditiv erledigen zu können», erläutert Foag-Leiter Reto Hürlimann.
 

Aus den Fichten wird Brenn- und Nutzholz

Der grösste Teil der Fichten, welche dem Sturm Burglind, der am 2. und 3. Januar über die Region fegte, zum Opfer fielen, sind Brennholz. «Rund 15 Prozent der insgesamt 500 Kubikmeter werden wir als Nutzholz verwenden können», war von Reto Hürlimann zu erfahren. Deshalb auch das Ausfliegen der ganzen Fichten, welche anschliessend mit den Ästen durch den Häcksler zerkleinert und als Hackschnitzel verwendet werden. «Auch die Vorbereitungsarbeiten waren eine Herausforderung. Sturmholz für den Abtransport vorbereiten bedeutet, dass Fachleute die abgebrochenen Stämme fällen, und die mit den Wurzelstöcken am Boden liegenden Bäume trennen müssen.» 

Bezüglich Kosten machten sich die Verantwortlichen – allen voran der für die Privatwaldungen im obersten Toggenburg zuständige Förster Simon Lindner – Gedanken. «Es galt, mit den Privatwaldbesitzern eine Einigung zu erzielen und die Kosten abzuwägen.» Rasch habe sich gezeigt, dass der Holzerlös und die Beiträge aus dem Schutzwald- und Sturmfonds nicht ausreichen. «Die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann hat sich bereit erklärt, das Defizit zu übernehmen, denn der Wald oberhalb des Chuchitobel-Parkplatzes erfüllt eine wichtige Schutzfunktion, vor allem auch wegen der Steinschlaggefahr», betonen die Foag-Verantwortlichen.
 

Lokaler Holzkreislauf in Gang gesetzt 

Gleich neben dem Parkplatz betreibt die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann ihre Fernwärme-Heizzentrale. Naheliegend, dass die Hackschnitzel gleich vor Ort verwendet werden könnten. Reto Hürlimann dazu: «Ein kleiner Teil wird tatsächlich so verwendet und einige Wagenladungen gehen nach Nesslau für die dortige Fernwärmezentrale. Der Grossteil wird nach Domat-Ems in die Grossanlage transportiert. Bei 16000 Schüttkubikmeter wäre eine vollständige Verwertung vor Ort nicht realistisch.»

Bei der Holzbringung konnte die Foag auch auf die Unterstützung durch den Zivilschutz zählen. Pascal Stöckli, Kommandant der Regionalen Einsatzleitung Toggenburg, hat zudem zugesichert, dass für die Aufräumarbeiten im Wald, welche für den Monat Mai geplant sind, ebenfalls Zivilschutz-Angehörige vor Ort sein werden.
Weitere Artikel