MIGRATION

St. Galler Süden hofft auf zusätzliche Ausweisbüros

Der Bund will alte Ausländerausweise ersetzen. Dafür brauchen die Passbüros der Kantone mehr Kapazitäten. In St. Gallen erhält die Forderung nach Ausweisstellen im Süden des Kantons wieder Aufwind.
11.01.2018 | 05:20
Hannah Scharnagl

Seit acht Jahren ist das Passbüro in der Stadt St. Gallen die einzige Ausweisstelle des Kantons. Für viele Einwohnerinnen und Einwohner im südlichen Kantonsteil bedeutet das jedes Mal rund eine Stunde Fahrzeit. Das könnte sich nun ändern. Mit dem Projekt PA19 des Bundes («Produktion Ausländerausweise ab 2019») sollen nun alle Ausländerausweise auf Papier durch Ausweise im Kreditkartenformat abgelöst werden. Ab 2020 sollen alle EU- und Efta-Staatsangehörigen sowie Personen aus dem Asylbereich zum Plastik wechseln.

Kürzerer Weg für die Region Werdenberg?

Das bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für die Ausweisstellen. Ab 2020 werden sie pro Jahr voraussichtlich 40 000, in Spitzenjahren mehr als 50 000 zusätzliche Ausweise ausstellen müssen. Ausserdem werden neue Erfassungsgeräte für elek­tronische Fotos und Unterschriften benötigt. «Das ist unmöglich mit der bisherigen Infrastruktur der Ausweisstelle in St. Gallen zu bewältigen», sagt Jürg Eberle, Leiter des Migrationsamts, auf Anfrage gegenüber dem W&O. Darum prüft die Regierung nun im Rahmen des Aufgaben- und Finanzplans verschiedene Möglichkeiten zur Lösung dieses Pro­blems.

Neben einem Ausbau der Ausweisstelle in der Stadt St. Gallen stehen auch wieder dezentrale Filialen im Süden des Kantons zur Debatte. Denkbar wäre eine zusätzliche Ausweisstelle im Rheintal oder im Linthgebiet. Theoretisch ist es auch möglich, dass in beiden genannten Regionen jeweils eine neue Filiale entsteht.

Bei Ablehnung wird das Büro in St. Gallen ausgebaut

Für das Linthgebiet kämen vier Standorte für solch eine Stelle in Frage: Schmerikon, Kaltbrunn, Rapperswil-Jona oder Uznach. Letztere beide wären vor allem mit dem öffentlichen Verkehr gut erschlossen. Denkbar wäre auch eine Kombination mit der Prüfstelle des Strassenverkehrsamts in Kaltbrunn. Grundsätzlich würden allerdings mit einer Zweigstelle im Rheintal mehr Menschen im Südteil des Kantons von dem kürzeren Anfahrtsweg profitieren.

Trotzdem muss das Linthgebiet die Hoffnung auf eine eigene Ausweisstelle nicht aufgeben. Die Entscheidung über die Finanzierung müsse vom Parlament gefällt werden, sagt Eberle. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Vorstösse für eine dezentrale Ausweisstelle im südlichen Teil des Kantons gegeben. Sie wurden allerdings bisher aus finanziellen Gründen stets abgelehnt. Wird die Schaffung einer Aussenstelle abgelehnt, muss die Ausweisstelle in der Stadt St. Gallen ausgebaut werden

Hannah Scharnagl

ostschweiz@tagblatt.ch

Weitere Artikel