SENNWALD

Musik im Blut

Der begeisterte Blasmusikant Andreas Übleis spielt in verschiedenen Formationen und hat sich auch der Musikgesellschaft Sennwald angeschlossen.
13.04.2018 | 19:25
Andrea Müntener-Zehnder

Beruflich ist der 55-jährige Andreas Übleis international engagiert und jettet zu seinen Kunden durch die ganze Welt. Privat mag er es sehr bodenständig und widmet seine spärliche Freizeit dem Musizieren: auf dem Sopransaxofon, Altsaxofon, Tenor­saxofon, Baritonsaxofon, der Es-Klarinette, B-Klarinette, Bassklarinette, Trompete und dem Tenorhorn. 

Dass Andreas Übleis nicht aus dem Werdenberg stammt, fällt bereits bei der Begrüssung auf. Sein warmer, melodiöser Dialekt lässt auf Österreich schliessen. «Das ist richtig, ich stamme aus dem oberösterreichischen Lambach, einem Dorf mit etwa 3500 Einwohnern heute», bestätigt der mittlerweile in Sennwald und Zürich Wohnhafte. Vor rund zwei Jahren verschlug es Familie Übleis von Vorarlberg nach Werdenberg. Die beiden erwachsenen Söhne studieren zurzeit in Zürich. Er selbst sowie auch seine Frau sind für Liechtensteiner Grosskonzerne tätig. Sein Job als Qualitäts- und Projektmanager im Nuklearbereich bringt ihn regelmässig an Orte rund um den Globus verteilt. Viele Stunden des Jahres verbringt Andreas Übleis in Flugzeugen oder auf Flughäfen. Sobald er jedoch im nun für ihn heimischen Sennwald ist, greift er zu einem seiner Instrumente oder einem leeren Notenblatt.

Volltreffer Klarinette

«Mit acht Jahren begann ich, Trompete zu spielen, wandte mich bewusst dem Blechinstrument zu. Bereits nach zwei Jahren konnte ich dem ortsansässigen Musikverein beitreten. Das gemeinsame Musizieren mit Jung und Alt taugte mir.» So erinnert sich An­dreas Übleis an seine ersten musikalischen Takte zurück. 

Doch ein wirklich guter Trompetenspieler war er mit 15 Jahren nicht. Mittelmässig vielleicht, ja, das dürfte er gewesen sein. Mit Sicherheit jedoch nicht gut. Der Grund dafür war wohl, dass seine Lippen zu dick für das Trompetenmundstück waren – es hat einen eher kleinen Durchmesser. 
Die Enttäuschung des motivierten Teenagers war gross.  

Auf Empfehlung seines Trompetenlehrers versuchte sich Andreas Übleis mit Widerwillen an der Klarinette. Denn eigentlich gefiel ihm das Trompetenspielen, und er wollte keinen Instrumentenwechsel anstreben, schon gar nicht zu den «Hölzlern», wie die Klarinetten im Blasmusikjargon genannt werden.
 

Saxofonspiel selbst erlernt

«Ich bin und war technisch schon immer enorm interessiert. Die Klarinette ist ein ziemlich technisches Instrument. Ich gab es anfangs nicht gerne zu, aber ganz klar: Der Tipp vom Trompetenlehrer war Gold wert. Der Wechsel auf die Klarinette war für mich ein Volltreffer!» 
Somit stand ausser Frage, dass Andreas Übleis mit 19 Jahren der österreichischen Militärmusik als Klarinettist beitreten konnte. «Nie mehr im Anschluss an die Militärmusik habe ich so viel auf meinen Instrumenten gespielt wie damals. Das tägliche, mehrstündige Üben und die Auftritte bescherten mir einen bombastischen Ansatz, wie ich ihn mein Leben lang nicht mehr hatte und vermutlich haben werde», schwärmt der Musiker von seiner Militärzeit. Und er erklärt: «Mit Ansatz ist in der Blasmusik die gesamte Technik im Zusammenspiel von Lippen, Zunge, Gesichtsmuskulatur und Atmung gemeint.» 

Während 14 Monaten war er Mitglied der Militärmusik. Dort griff er in einer freien Minute zu einem herumstehenden Altsaxofon, bei welchem das Mundstück jenem der Klarinette recht ähnlich ist. Innert Kürze brachte sich der Klarinettist das Saxofonspielen bei, nicht nur das Altsaxofon beherrschte er, auch dem Basssaxofon konnte er in seiner Militärmusikzeit harmonische Töne entlocken.
 

Der Vereinsmensch

Nach dem Absolvieren des Dienstes in der Militärmusik studierte er in der Steiermark und spielte nebenher immer noch auf seinen Instrumenten. Egal wo Andreas Übleis im Anschluss an sein technisches Studium arbeitete: Immer schloss er sich einem ortsansässigen Musikverein an und knöpfte so die ersten sozialen Kontakte. «Wir Blasmusiker ticken irgendwo alle gleich. Es machte keinen Unterschied, ob ich während meiner Jahre in England bei der Harlow Brass Band und Harlow Concert Band mitmischte, oder meinen Jahren, die ich bei der Stadtmusik Feldkirch Altsaxofon spielte. Als Musiker ist man willkommen.» Und wenn in einem Verein ein Register knapp oder gar nicht besetzt war, hat man Andreas Übleis gefragt. Innert kurzer Zeit brachte er sich das Instrument selbst bei. 

Mit dem Umzug nach Sennwald hat sich Übleis von der Stadtmusik Feldkirch verabschiedet und sich der Musikgesellschaft Sennwald zugewandt. Das kommt nicht von ungefähr. «Der Präsident der Musikgesellschaft und ich musizieren seit vielen Jahren gemeinsam bei der Hilti-Musik, welche ich auch präsidiere. Ausserdem ist unsere junge Hilti-Dirigentin auch die Vizedirigentin von Sennwald. Sie sehen, der Kreis schliesst sich, und ich bin bei der Musikgesellschaft Sennwald gelandet, wo es mir prima gefällt.» In Sennwald spielt der vielseitige Musikant nun vorwiegend Bassklarinette, welche er sich speziell für diesen Verein zugelegt hat.
 

Blasmusikalischer Tausendsassa

Die Hilti-Musik und die Musikgesellschaft Sennwald sind aber noch nicht alle Vereine, mit denen der begeisterte Bläser den Auftritt und das gesellige Zusammensein geniesst. Bei der Vorarlberger Band Spinning Wheels – eine zehn Mann und zwei Frauen starke Musiktruppe – ist er seit über 20 Jahren dabei. Das Repertoire unterscheidet sich von jenem in den anderen Vereinen. Mit dieser Soul- und Blues-Band spielt er zwar auch querbeet, jedoch vorwiegend Sound aus denn 70er- und 80er-Jahren. 

Zu guter Letzt ist er an fünf bis sechs Auftritten im deutschen Allgäu mit dabei, je nachdem, wie es der Job und die anderen Vereine zulassen. Ein guter Freund von Übleis leitet dort eine Kapelle mit rund 20 Leuten. «Die Auftritte im Allgäu mit dieser fröh­lichen Kapelle sind mit den hiesi-
gen kaum zu vergleichen. Es ist ein Unterhaltungsprogramm im vollen Festzelt. Beginn ist nicht nur erst abends, oft fangen wir bereits nachmittags mit Musizieren an – volles Programm! Ein solcher Auftritt kann, ohne mit den Wimpern zu zucken, sechs Stunden andauern», spricht der Musikant vom allgäuischen Vereinsleben.

Und was sagt seine Familie dazu? «Unsere Söhne sind mittlerweile erwachsen und selbstständig. Und meine Frau? Die steht total hinter mir und lässt mir beim Ausüben meiner Leidenschaft vollste Unterstützung zukommen. Wenn nötig, teilt sie mir aber schon mit, wenn die Musik überhand nimmt», erzählt er schmunzelnd. Wider Erwarten stammt der vielseitige Virtuose nicht aus einer musikalischen Familie. Er ist der Einzige seiner Familie, der die Instrumente so beherrscht, dass die Zuschauer staunen. Seine beiden Söhne haben auch ein Instrument erlernt, sind aber nicht ganz so motiviert wie ihr Vater. «Uns als Familie verbindet nicht die Musik, sondern das Golfen. Wir vier haben das Golfen als Familienhobby auserkoren und geniessen dabei die gemeinsame Zeit.»
 

Beim Musizieren abschalten

Für Andreas Übleis ist das Musizieren ein Abschalten vom hektischen Alltag, ein Herunterfahren. So erstaunt es nicht, dass der talentierte Musiker auch von seinen eigenen Komposi­tionen und Arrangements spricht. Manchmal hat er eine Idee im Kopf und bringt sie zu Papier. So kann es vorkommen, dass er in zwei, drei Tagen – oder eher Nächten – einen gesamten Satz für ein Blasmusikstück komponiert hat. Und wenn es mal für irgendeine Besetzung ein Arrangement braucht, wird das auch schnell über Nacht erledigt. «Ich habe nicht das absolute Musikgehör, bin aber recht nahe daran. Wenn jemand kein sauberes C spielt, höre ich das natürlich schon heraus. Dass ich viele Instrumente spiele, erleichtert mir das Komponieren und Arrangieren natürlich ungemein», erklärt der vielseitig interessierte Musiker. 

Andreas Übleis ist überzeugt: Um in der Musik weiterzukommen, braucht es neben grossem Fleiss und dem passenden Instrument auch eine gehörige Portion Talent. Das Instrument, oder wie in seinem Fall die In­strumente, müssen zu der spielenden Person passen, sonst nützt auch jahrelanges Üben nichts. Er selbst würde sehr gerne das Klavierspiel erlernen, doch dazu fehlt ihm die Zeit. Klavier spielen würde ihm das Komponieren erleichtern. Wer weiss: Vielleicht wird das in zehn Jahren, nach seiner Pensionierung, der Fall sein, und in seiner Wohnung in Sennwald steht dann ein Klavier…
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