BUCHS/BAD RAGAZ

«Ich hoffe, dass meine Kunst die Besucher berührt»

Der in Buchs aufgewachsene Künstler Marcel Bernet stellt seine Holzskulpturen an der «Bad Ragartz» aus, die am 5. Mai eröffnet wird. Noch heute besucht der 59-Jährige regelmässig seine Heimat.
10.04.2018 | 17:09
Corinne Hanselmann

«Trump war ein Türöffner», ist Marcel Bernet überzeugt. Im Bewerbungsdossier für die Ausstellung Bad Ragartz stellte der Bildhauer die Skulptur «Trump» vor, die damals in Entstehung war. Die Figur reckt die Faust in den Himmel, gleichzeitig hält sie einen Teddybär im Arm. «Die Integration von Gewalt und Zärtlichkeit im Leben ist ein Thema, das mich beschäftigt hat. Es gibt im Leben Momente, in denen ist eine Faust angemessen, und es gibt Momente, in denen ist Zärtlichkeit angebracht», so der Künstler. Für ihn sei der US-Präsident das Beispiel einer Person, die die kindliche Seite, die Schwäche, nicht ins Leben integriert. Eher «schlage» er nur um sich und sei nicht impulskontrolliert. «Das wollte ich in dieser Skulptur zum Ausdruck bringen», erklärt Marcel Bernet. Damit überzeugte er wohl die Organisatoren der 7. Schweizerischen Triennale der Skulptur in Bad Ragaz. Sie sagten ihm zu, er ist einer von 77 Künstlern, die aus rund 2000 Bewerbungen ausgewählt wurden.

Video: Neue Werke für Bad Ragartz

(Vimeo)


 

«Meine Werke sollen einen Bezug zum Ort haben»

«Wenn ich mich für eine Ausstellung bewerbe, gehe ich in der Regel zuerst schauen, wie der Ort aussieht. Dann überlege ich mir, was ich gestalten könnte, denn meine Werke sollen einen Bezug zum Ort haben.» Im Fall Bad Ragaz schuf er acht von elf Skulpturen extra für diese Ausstellung. Sie entstanden in seinem Atelier in Bülach, mithilfe von Motorsägen und Farbpigmenten, aus verschiedenen Hölzern. «Ich gestaltete menschliche Figuren, die tatsächlich in Bad Ragaz sein könnten – sei es etwa als Gäste oder Bewohner.» So sind in den vergangenen fünf Monaten unter anderem die Figuren eines Strassenwischers, einer Frau in schönem Kleid und die Skulptur «Beziehung 2.0», ein Paar mit Smartphones in den Händen, entstanden. 

«Von der Ausstellung erhoffe ich mir, dass meine Kunst gesehen wird», so der Vater von drei erwachsenen Kindern. Die Chancen stehen gut, die letzte Triennale besuchten schätzungsweise über 400000 Personen. «Je mehr Leute meine Skulpturen sehen, desto grösser ist die Chance, dass ich damit jemanden berühre, und der vielleicht sagt ‹wow, das gefällt mir›. Wenn ich die Figuren im öffentlichen Raum aufstelle, beginnen sie zu leben, ganz anders als im Atelier», so der Künstler. «Wenn die Leute beim Betrachten meiner Skulpturen einen Moment innehalten und mit einem Schmunzeln über ihr eigenes Leben staunen können, dann bewegt mich das.» Inspiration findet Marcel Bernet im täglichen Leben. «Ich habe immer Ideen, daran fehlt es nie». 
 

Der Weg zum Leben als Künstler war lang

Bis der 59-Jährige Künstler wurde, ging er einen weiten Weg. Schon als Kind – er wuchs in Buchs auf – habe er viel gezeichnet. Sein Vater wünschte sich, dass er eine Banklehre absolviert. Das tat Marcel Bernet dann auch, bei der Kreditanstalt in Buchs, obwohl er lieber die Kunstgewerbeschule besucht hätte. Danach folgte die Höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschule (HWV), dann arbeitete er im Marketing, in der Kommunikation und gründete eine PR-Agentur. Nebenbei hat er hobbymässig Abendkurse an der Schule für Gestaltung Basel und Zürich besucht. Entscheidend war der Sommer 2009: Marcel Bernet «opferte» seine Sommerferien, um an einem zweiwöchigen Bildhauer-Kurs im Maggiatal teilzunehmen. «Da habe ich gemerkt, wow, das ist es. Das möchte ich machen.» Mit der Motorsäge könne er räumlich zeichnen, und auch das Malen der Figuren sei ihm wichtig.

Vor fünf Jahren verkaufte Marcel Bernet seine PR-Agentur und geniesst seither die Freiheit, seinen Weg als Künstler zu gehen. Heute bestreitet er sein Leben etwa zur Hälfte durch die Kunst. Nebenbei arbeitet er noch als Coach, berät Leute zum Beispiel bei beruflichen Neuorientierungen. 
Noch heute hat er einen Bezug zur Heimat Buchs, obwohl er seit 30 Jahren in der Region Zürich lebt. «Ich besuche regelmässig meine Mutter und meinen Bruder in Buchs», erzählt er. Auch einige Freundschaften aus Jugendjahren pflege er noch. «Ich war gerne in Buchs, aber auf meinem beruflichen Weg bin ich via St. Gallen, Basel, ganz Europa und New York schliesslich in Zürich gelandet.» 

Hinweis
www.marcelbernet.ch
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