WARTAU

Frühzeitig und niederschwellig

Die Zahl von psychischen Beeinträchtigungen bei Schülern nimmt auch aufgrund von veränderten Familiensituationen und Mobbing über soziale Medien zu. Hier setzt die Schulsozialarbeit frühzeitig an.
08.01.2018 | 05:19
Thomas Schwizer

Thomas Schwizer

thomas@schwizer.ch

Schulpräsident Bruno Seifert ist froh, dass die Schulsozialarbeit an der Schule Wartau wieder eingeführt wird. «Jede Investition in die Jugend ist eine Investition in die Zukunft», stellt er auf Anfrage des W&O fest. Es gehe um die Früherkennung von Problemen und den einfachen Zugang zur Hilfeleistung durch die Schulsozialarbeit, bevor eine Situation eskaliert. Das sei der Unterschied zur Kriseninterventionsgruppe des Kantons St. Gallen, die erst im akuten Fall beigezogen wird, um eine solche Situation zu lösen. Durch die Schulsozialarbeit liesse sich künftig auch der Einsatz und damit auch die Kosten für die Kriseninterventionsgruppe minimieren.

Positive Erfahrungen in anderen Gemeinden

Wenn man Probleme von Seiten der Lehrkräfte, der Eltern oder des Schulrates erkenne, dann könne die Schulsozialarbeit frühzeitig und präventiv beigezogen werden. Sie stehe für alle Schulstufen in der Gemeinde zur Verfügung. Die Fachleute der Schulsozialarbeit könnten als professionelle Ansprechpersonen anders an Probleme herangehen als Lehrkräfte, Schulleitung und Schulrat. Die Erfahrung in anderen Schulgemeinden der Region – in allen gibt es heute ein Pensum für die Schulsozialarbeit – seien diesbezüglich positiv, sagt Bruno Seifert.

Es gelte, die Kosten für die Prävention durch die Schulsozialarbeit abzuwägen mit den Folgekosten, die entstehen können, wenn man nichts mache, stellt der Schulpräsident fest. Die Gemeinde Wartau wird bei einem Ja zu diesem neuen Budgetposten an der Bürgerversammlung vom 3. April 2018 die 50-Prozent-Stelle ausschreiben und die Schulsozialarbeit an der Schule ab 1.7.2018 wieder einführen.

Frühzeitiges Beiziehen ist wichtig

Je früher die Schulsozialarbeit einsetze, desto besser sei es, sagt Markus Büchel. Er ist Leiter des Kompetenzzentrums Jugend (KOJ) in Buchs, das in den meisten Gemeinden der Region Werdenberg in deren Auftrag die Aufgaben der Schulsozialarbeit personell wahrnimmt. Einzig Grabs hat eine eigene Lösung mit einer Direktanstellung gewählt.

Je früher eine niederschwellige Hilfe bei Problemsituationen erfolge, desto besser sei es, sagt Büchel auf Anfrage. Das gelte auch in Bezug auf das Alter der betreffenden Schüler. Zu Beginn sei die Schulsozialarbeit vor allem auf der Oberstufe eingeführt worden, inzwischen kommt sie auch auf der Primarstufe zum Einsatz.

Die Anzahl extremer Vorfälle an Schulen sei nicht grösser geworden, stellt Markus Büchel fest. Dagegen seien Fälle von psychischen Problemen verschiedener Art vermehrt festzustellen. Familiensituationen würden sich häufiger verändern – und damit auch das soziale Umfeld der Schüler zu Hause. Zudem würden durch die sozialen Medien beispielsweise Fälle von Mobbing schneller und über den Klassenverband hinaus verbreitet. Deshalb sei ein frühzeitiges Beiziehen der Schulsozialarbeit wichtig, stellt er fest.

Grundsätzlich sei die Schulsozialarbeit eine Stelle, welche der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) vorgelagert ist. «Alles was wir durch unsere Prävention auffangen können, trägt dazu bei, dass im Nachhinein nicht beträchtliche Mehrkosten durch weitere notwendige Massnahmen entstehen», stellt der Leiter des Kompetenzzentrums Jugend fest. Er zieht eine positive Bilanz aus der Schulsozialarbeit in der Region.

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