SCHNEESPORTSCHULE

Über 400 Kinder auf den Pisten

Die Ferienzeit in mehreren Kantonen beschert den Schneesportschulen im Obertoggenburg viele Gäste. Ein Augenschein zeigt: Wintersport ist bei den jüngsten noch keinesfalls abgeschrieben.
11.02.2018 | 17:00
Sabine Schmid
Zweimal im Tag gleicht der Sammelplatz der Schneesportschule neben der Talstation Thur in Wildhaus einem Ameisenhaufen. Mit bunten Helmen und noch bunteren warmen Skijacken ausgerüstet, suchen sich die kleinen und noch kleineren Skifahrer ihren Skilehrer. Je nach Alter und Können gehören sie zur blauen oder zur roten Gruppe und innerhalb deren zu den «Prinzen», den «Königen» oder den «Stars».

Einige Jugendliche stehen am Mittwochnachmittag mit ihrem Skilehrer bei der schwarzen Tafel. «Sie gehören zur Snow Academy», erklärt Christian Schmid, der Leiter der Schneesportschule Wildhaus. Weil den Schneesportschulen viele Jugendliche nach erfolgreichem Abschluss der roten Gruppe als Kunden abgesprungen sind, liess sich der Verband etwas einfallen. «In der Snow Academy lernen die Jugendlichen viel, vom Freeriden über das Springen bis zum Befahren einer Halfpipe», erklärt Christian Schmid. Wenn es die Schneesituation zulässt, geht der Schneesportlehrer mit seiner «Academy» auch einmal auf den Säntis und macht die Abfahrt nach Unterwasser. 


Die Eltern verfolgen die Fortschritte aufmerksam

Eine andere Klasse ist noch lange nicht so weit. An diesem Nachmittag wagen sie sich zum ersten Mal ins Oberdorf und somit erstmals auf einen Sessellift. «Die Schneesportlehrerin fragt erwachsene Skifahrer, ob sie Kinder auf dem Sessellift begleiten. Denn eine Klasse besteht normalerweise aus acht Kindern und die kann die Lehrerin nicht alle gleichzeitig nach oben begleiten», erklärt Christian Schmid. Die Kleinen meistern die Premiere sehr gut und fahren schon bald konzentriert und langsam im Schneepflug über den Übungshang im Oberdorf. «Das ist der beste Hang im Skigebiet um zu lernen», ist Christian Schmid, der seit 25 Jahren die Schneesportschule Wildhaus leitet, überzeugt. 

Auch in der Snowli-Arena, wie das Kids Village im Wildhauser Munzenriet genannt wird, herrscht Hochbetrieb. Auf spielerische Art lernen die Kleinsten den Schnee und das Skifahren kennen. Sie singen, hören die Geschichte von Snowli und merken dabei oftmals gar nicht, dass sie etwas Neues lernen. Weil die Snowli-Arena gleich neben dem Parkplatz liegt und gut zu Fuss erreichbar ist, gibt es viele Zuschauer. «Einige Eltern verfolgen die Fortschritte ihrer Kinder aufmerksam, sie nehmen sich nicht einmal Zeit, um einen Kaffee zu trinken», beobachtet Christian Schmid.


Erwachsene buchen lieber Einzellektionen

Insgesamt, schätzt der Leiter der Schneesportschule, sind in dieser Woche rund 400 Kinder in den Klassen auf den Pisten unterwegs, dazu kommen noch weitere 50, die Snowboard lernen. In die Quere kommen sich die Klassen kaum, denn die Schneesportschulen haben definiert, welche Pisten von welchen Gruppen befahren werden. Die Schneesportschule organisiert für einige Klassen auch das Mittagessen im Skigebiet. «Wir schauen, dass nicht zu viele Klassen im gleichen Restaurant einkehren und reservieren, damit sie rasch bedient werden. Das klappt hervorragend», sagt Christian Schmid. 

Nur selten kommt es aber vor, dass eine ganze Klasse Erwachsener auf Obertoggenburger Pisten hinter einem Skilehrer herfährt. «Erwachsene buchen vor allem Einzelunterricht», erklärt Christian Schmid. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die einen lernen Skifahren, andere wollen etwas besonderes lernen. Häufig geben die Skilehrer solche Lektionen auch am Wochenende. 


Ein wichtiges Standbein für den Tourismus

Die Kinder haben ihren einwöchigen Kurs mit dem Skirennen abgeschlossen. Diskussionen, dieses abzuschaffen, gebe es bei den Schneesportschulen von Swiss Snowsports keine, sagt Christian Schmid. Das sei richtig so, denn die meisten Kinder würden sich auf den Rennlauf freuen. 
Heute Samstag und morgen Sonntag werden die Gäste sich im Skischulbüro die Klinke in die Hand geben und die Kurse für die nächste Woche buchen. Darunter seien viele Stammgäste. Christian Schmid und seine Frau Jasmin werden Klassen einteilen und Schneesportlehrer aufbieten, damit am Montag jede Klasse auf dem Sammelplatz ihren Lehrer findet. «Wir haben in diesen Wochen Hochsaison», sagt Christian Schmid. Lange Tage sind vorprogrammiert. Der Aufwand lohne sich, denn «die Schneesportschulen sind sehr wichtig für den Tourismus im Obertoggenburg», ist er überzeugt.

Gleiche Ausbildung in allen Schneesportschulen des Verbandes Swiss Snowsports

Die Schneesportschule Wildhaus gehört, wie auch die Schneesportschule Chäserrugg und 168 weitere, zu Swiss Snowsports. Den Verband gehören über 14000 Ski- und Snowboardlehrer an. Sie alle unterrichten nach demselben Muster, der Swiss Snow League. Kinder ab drei Jahren können, zusammen mit der Figur Snowli, spielerisch ihre ersten Gehversuche auf Skis in einem Kids Village machen. Danach steigen sie in die Blaue Gruppe ein, wo sie in verschiedenen Levels weitere Fortschritte machen. Anschliessend folgen drei weitere Levels in der Roten Gruppe. Wer auch diese erfolgreich absolviert hat, kann in der Snow Academy mitmachen. Dort lernen die Jugendlichen Turns und Airs, aber auch Freeriden. Mit diesem System, das in der ganzen Schweiz angewendet wird, können die Kinder und Jugendlichen jeweils da weiterfahren, wo sie im Vorjahr aufgehört haben. (sas)

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