NECKERTAL

«Schulsozialarbeit soll nachhaltig sein»

Vor einem Jahr trat Santos Belsué die Stelle als Schulsozialarbeiter für Schulgemeinden im oberen Neckertal an. Eine Aufgabe, die mehr und mehr an Bedeutung gewinne – für Schüler, Lehrpersonen, aber auch Eltern.
13.01.2018 | 05:19
Urs M. Hemm

Urs M. Hemm

urs.hemm

@toggenburgmedien.ch

Der Anfang sei nicht leicht gewesen, sagt Santos Belsué, seit Januar 2017 Schulsozialarbeiter für die Primarschule und die Oberstufe in St. Peterzell sowie für die Primarschulen in Hemberg- Bächli und Schönengrund-Wald. «Da die Stelle bereits sechs Monate vakant war, hatte ich keine aktuellen Daten, auf denen ich aufbauen konnte. Das machte es anfangs etwas schwierig, mich zu orientieren», sagt Belsué. Mittlerweile habe er sich jedoch gut eingearbeitet. Einerseits habe er ein Gespür für die Bedürfnisse von Schüler- und Lehrerschaft sowie der Eltern entwickeln können. Andererseits habe er aber auch die Aufgaben und Möglichkeiten der Schulsozialarbeit seinen potenziellen Klienten näherbringen können. «Denn Schulsozialarbeit soll nachhaltig sein, was nicht in nur einem Gespräch möglich ist. Daher sind die ersten Aufgaben eines Schulsozialarbeiters Vertrauen in ihn als Person, aber auch in seine Arbeit aufzubauen. Dies sei aber ein Prozess, der nie abgeschlossen sei, sondern eine Aufgabe, an der ständig gearbeitet werden müsse.

«Arbeit verlangt hohes Mass an Flexibilität»

Daneben befindet sich auch die Schulsozialarbeit selbst, deren Aufgabenbereiche und Themen, in einem steten Entwicklungsprozess sind. «Das verlangt vom Schulsozialarbeiter ein hohes Mass an Flexibilität für seine tägliche Arbeit», sagt Santos Belsué. Doch gerade die Möglichkeit, sich am Aufbau der Schulsozialarbeit im oberen Neckertal und an dessen Entwicklung aktiv einbringen zu können, mache für ihn diese Arbeit umso interessanter. Dabei komme Belsué seine Autonomie entgegen. «Meine Aufgabe ist es, als unabhängige, neutrale Person zwischen den Schülern, der Lehrerschaft und den Eltern vermitteln zu können.»

Die Stelle als Schulsozialarbeiter im oberen Neckertal umfasst ein 70-Prozent-Pensum. «Dieses beinhaltet neben der Beratung auch die Prävention, aus der ich ursprünglich komme.» Dafür bekomme er explizit Schulzeit, während der er in den Schulkassen mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten könne. Dies könne auf seine Initiative, aber auch auf Anfrage aus der Lehrerschaft gemacht werden. In solchen Lektionen können Themen wie Suchtprävention besprochen werden. Ein anderes wichtiges Anliegen sei ihm aber die Förderung der Sozialkompetenzen, insbesondere hinsichtlich der Konflikt- und Gewaltprävention. «Dies ist nicht nur für Schüler und Lehrerschaft ein Mehrwert, sondern auch für die Schulen, da ihnen oft die personellen und fachlichen Ressourcen diesbezüglich nicht zur Verfügung stehen», sagt Belsué.

Vor allem in der Anfangszeit hätten ihm solche Lektionen enorm dabei geholfen, Vertrauen aufzubauen. Zudem habe er, zumindest in einigen Fällen, Themen herausgespürt, die den Kindern und Jugendlichen wichtig seien. Dies senke gleichzeitig die Hemmschwelle, damit er überhaupt von diesen aufgesucht werde, wenn sie gewisse Problembereiche bereits einmal konkret angesprochen hätten. Ansätze, um Problemen und Konflikten vorzubeugen, sind gemäss Santos Belsué im Bereich Lebenskompetenz zu finden. «Dies beinhaltet Selbst- sowie Sozialkompetenzen, aber auch Reflexions-, Handlungs- und Risikokompetenzen», erläutert er. Das Ziel sei es, die Kinder und Jugendlichen zu befähigen, ihre Ressourcen zu fördern und zu stärken, um künftig selbst mit Problemen und Konflikten umgehen zu können.

Grundsätzliche Schweigepflicht

In Bezug auf seine Arbeit stehe Santos Belsué grundsätzlich unter Schweigepflicht, solange es sich um eine normale Beratung handle. Gehe es jedoch um Kindsgefährdung oder Kindswohlgefährdung ist er verpflichtet, weitere Kreise einzuweihen, wie etwa die Kesb. Auch bei einfacheren Problemstellungen könne es von Fall zu Fall sinnvoll sein, Lehrpersonen oder Eltern in den Problemlösungsprozess einzubinden. «Dies jedoch nur mit dem Einverständnis des Kindes oder des Jugendlichen, damit ich von meiner Schweigepflicht entbunden bin.» Sei dies nicht der Fall, lasse er das Problem auch mal eine Woche liegen. Denn oft hätten sich in der Zeit Konflikte bereits von selbst gelöst, insbesondere dann, wenn es sich um Beziehungsprobleme zwischen Teenagern oder um einen Streit mit einem Schulkameraden handle. «Diese Themen nehmen in meiner bisherigen Beratungstätigkeit denn auch den grössten Platz ein», sagt Belsué. Weitere Problemfelder seien Beziehungsprobleme mit einem Lehrer oder mit den Eltern.

Weitere Artikel