STATISTIK

Lütisburg und Wattwil liegen beim Bevölkerungswachstum vorne

Die Bevölkerungszahl des Wahlkreises Toggenburg stieg letztes Jahr um 0,1 Prozent. Es handelt sich noch um provisorische Zahlen. In einigen Gemeinden gibt es Veränderungen im Streubereich der Statistik.
13.04.2018 | 05:18
Martin Knoepfel

Im Toggenburg stieg die ständige Wohnbevölkerung letztes Jahr von 46215 auf 46278 Personen. Das ist ein Wachstum von 63 Personen oder 0,1 Prozent. Das kann man einer Mitteilung von Statistik St. Gallen entnehmen. St. Gallen und das Toggenburg sind die Schlusslichter, wenn man das Bevölkerungswachstum auf der Ebene der Wahlkreise betrachtet. In den Jahren 2014 bis 2016 hatte die Wachstumsrate jeweils 0,7 Prozent erreicht. Mit Ausnahme von Rorschach verzeichneten alle Wahlkreise des Kantons St. Gallen letztes Jahr eine tiefere Wachstumsrate als 2016. Unter den Wahlkreisen im Kanton liegt Werdenberg mit 1,1 Prozent diesmal an der Spitze.

Als einziger Ostschweizer Kanton verzeichnete übrigens der Thurgau letztes Jahr ein Bevölkerungswachstum, das mit 1,1 Prozent über dem nationalen Mittel liegt. Im Thurgau wuchsen die Bezirke Frauenfeld, das den Einfluss von Zürich spürt, und Kreuzligen am stärksten. Die Einwohner von Appenzell Innerrhoden legten um 0,6 Prozent zu und die von Ausserrhoden wie der Kanton St. Gallen um 0,4 Prozent.
 

Erhebliche Unterschiede zwischen den Gemeinden

Wenn man die Ergebnisse der einzelnen Gemeinden im Toggenburg anschaut, ergeben sich hingegen einige markante Unterschiede. Die grösste Gemeinde im Toggenburg ist Kirchberg mit 9013 Personen. Ende 2016 waren es noch 8977 Personen gewesen. Kirchberg ist seit 2009 auf dem aufsteigenden Ast, wobei sich die Wachstumsrate 2017 auf 0,4 Prozent abgeschwächt hat.

An zweiter Stelle folgt Wattwil mit einer Zunahme seit 2016 von 8630 auf 8713 Personen Ende des letzten Jahres. Das entspricht einem Wachstum von beinahe einem Prozent. Wattwil ist hinter Lütisburg die am zweitstärksten wachsende Toggenburger Gemeinde. Lütisburg legte letztes Jahr von 1541 auf 1565 Personen zu. In Wattwil beschleunigte sich das Wachstum von 2016 (0,6 Prozent) auf 2017. In Lütisburg war die Wachstumsrate letztes Jahr mit 1,6 Prozent im Vergleich zum aussergewöhnlich starken Jahr 2016 rückläufig. Damals war die Einwohnerzahl um nicht weniger als 6,2 Prozent gestiegen.
 

Wachstum auch in Neckertal und Hemberg

Zu den Gemeinden mit einem Plus in der Einwohnerstatistik zählen auch Hemberg und Neckertal. Neckertal konnte einen Anstieg um 29 auf 4043 Personen verbuchen. Das sind 0,7 Prozent. Hemberg, Bütschwil-Ganterschwil und Mosnang verzeichnete letztes Jahr Schwankungen im Zufallsbereich. Hemberg bleibt mit 920 Personen (plus 6) die in Bezug auf die Einwohner kleinste Gemeinde.

In Bütschwil-Ganterschwil ging die Einwohnerzahl hingegen um 5 auf 4729 Personen zurück. In Mosnang war es ein Minus von 6 Personen, von 2890 auf 2884. Allerdings hatte Mosnang 2016 mit 3,1 Prozent ein sehr starkes Wachstum verzeichnen können.
 

Markante Rückgänge in zwei Gemeinden

Ebenfalls in den Bereich zufälliger Streuung gehören die Zahlen zu Wildhaus-Alt St. Johann. Die Gemeinde verlor 2017 unter dem Strich fünf Personen und zählte Ende des letzten Jahres noch 2662 ständige Einwohner. Ebnat-Kappel und Nesslau mussten geringfügige Bevölkerungsrückgänge hinnehmen. In Ebnat-Kappel sank die Zahl der Einwohner von 5034 auf 5012 Personen. Das sind minus 0,4 Prozent. Nesslau fiel von 3611 um 12 auf 3599 Einwohner. Das ist ein Minus von 0,3 Prozent.

Markanter sind die prozentualen Rückgänge in zwei Gemeinden. Lichtensteig fiel von 1907 um 26 auf 1871 Personen zurück. Hier erreicht die Veränderung minus 1,3 Prozent. Den relativ grössten Verlust im Wahlkreis Toggenburg verzeichnete Oberhelfenschwil, wo die Einwohnerzahl letztes Jahr um 2,2 Prozent von 1296 auf 1267 Personen zurückging.
 

Niveau der 90er-Jahre ist noch nicht erreicht

Vor rund einem Vierteljahrhundert, 1994 und 1995, waren die Einwohner des Wahlkreises Toggenburg mit 46368 und 46408 Personen zahlreicher gewesen als am 31. Dezember 2017. Von 1995 bis 2009 sank die Bevölkerung des Toggenburgs allmählich bis auf 44875 Personen, bevor ein relativ kontinuierliches, aber sanftes Wachstum einsetzte. Zu erwähnen ist schliesslich, dass bei kleinen Gemeinden schon kleine Veränderungen in den absoluten Zahlen zu starken prozentualen Ausschlägen führen können.
 

«Angebote in Wattwil sprechen für sich»

Wattwil darf man nach Ansicht von Daniel Blatter als eigenständige Entwicklung ansehen. Die Angebote im Bereich Infrastruktur, Wohnangebote und -lagen, Bildung, zentrale Lage und die gute Erreichbarkeit dank dem Knotenpunkt des Öffentlichen Verkehrs würden für sich sprechen, sagt der Geschäftsführer der Region Toggenburg. «Für das Neckertal bin ich der festen Überzeugung, dass die räumliche Nähe zu St. Gallen und Herisau sich erkennbar positiv auswirkt.» Man dürfe aber nicht darüber hinweg sehen, dass die Städte und Agglomerationen nach wie vor eine grosse Sogwirkung ausüben würden, hält Daniel Blatter weiter fest. Sicher hätten die unterschiedlichen Entwicklungsstadien von grösseren Überbauungen einen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung von Jahr zu Jahr.

Der nördliche Teil der Region profitiere sicher von der Nähe zu Wil. Die Stadt Wil habe verkehrstechnische eine gute Lage sowie ein grosses Angebot an Arbeitsplätzen. Man müsse aber auch erwähnen, dass sich das Arbeitsplatzangebot im Toggenburg ebenfalls sehr gut entwickelt habe und mit der Entwicklung im Kanton absolut mithalten können. Es liege prozentual sogar leicht über dem kantonalen Durchschnitt, unterstreicht der Geschäftsführer der Region Toggenburg.

Grösster Ausländeranteil in der Gemeinde Kirchberg

Grosse Unterschiede gibt es nicht nur beim Bevölkerungswachstum, sondern auch beim Ausländeranteil der einzelnen Gemeinden. Im ganzen Kanton sind rund 24 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung keine Schweizer. In diesem Bereich findet man auch Wattwil, mit 24,4 Prozent. Kirchberg hat mit 27,8 Prozent als einzige Toggenburger Gemeinde einen klar über dem kantonalen Mittel liegenden Wert. In Lichtensteig ist jeder fünfte Einwohner kein Schweizer. In Bütschwil-Ganterschwil und in Lütisburg sind es 14,6 respektive 13,5 Prozent. Dazwischen liegt Ebnat-Kappel mit 14,0 Prozent. Wildhaus Alt St. Johann weist einen Ausländeranteil von 11,9 Prozent auf. Neckertal, Oberhelfenschwil und Hemberg kommen auf 7,0 bis 9,0 Prozent. Auch Nesslau liegt mit 7,8 Prozent deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt. In Mosnang sind 4,4 Prozent der Einwohner keine Schweizer. Das ist laut Statistik St. Gallen der tiefste Wert im ganzen Kanton. Im Wahlkreis Toggenburg liegt der Ausländeranteil bei 17,0 Prozent. (mkn)

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