STURMBILANZ

Glimpflicher Ausgang trotz vieler umgestürzter Bäume

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. «Burglind» hat im Toggenburg vor allem für viele umgeknickte Bäume gesorgt. Am härtesten traf der Sturm den Skilift Gamserrugg.
04.01.2018 | 15:18
Ruben Schönenberger
Vom «Horror-Sturm Burglind» war die Rede. Experten empfahlen, sich gar nicht erst nach draussen zu begeben. Ganz so schlimm wurde es dann doch nicht. Trotzdem gab es für die Einsatzkräfte, die Bergbahn-Betreiber und die Verantwortlichen der Gemeinden einiges zu tun.
Am meisten für Unruhe sorgte «Burglind» im Obertoggenburg. Wildhaus war am Mittwoch vom Werdenberg her zwischenzeitlich gar nicht erreichbar. Die Kantonsstrasse Gams-Wildhaus musste ab 12 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt werden. Der Sturm hatte dort etwa zehn Bäume geknickt. Diese seien von Forst Gams und der Feuerwehr Gams weggeräumt worden, wie Strassenkreisinspektor Felix Brander mitteilte. Aus Sicherheitsgründen mussten fünf weitere Bäume gefällt werden. Ab 16.30 Uhr rollte der Verkehr wieder.


Skilift muss repariert werden

Um sich auf die Skipisten zu wagen, machte sich jedoch niemand auf den Weg Richtung Obertoggenburg. Die Bergbahnen Wildhaus waren zwar am Mittwoch erst noch in Betrieb, wie Geschäftsführer Urs Gantenbein sagt. «Wir haben den Betrieb aber rechtzeitig eingeschränkt, sodass die Anlagen und Pisten leer waren, als es richtig losging.» Der Sturm wehte dann jedoch einige Tannen auf die verwaiste Schlittelpiste. Gravierender sind die Probleme hingegen beim Skilift Gamserrugg. «Auf der gesamten Länge des Lifts ist das Seil aus den Rollen geweht worden», sagt Gantenbein. Der Skilift müsse nun repariert werden, was «eine grössere Übung» sei. Im restlichen Gebiet habe sich die Lage aber bereits heute Donnerstag wieder einigermassen normalisiert. Auch der Regen habe den Pisten bisher nicht gross geschadet. Wie sich das anhaltende schlechte Wetter auswirkt, lasse sich gemäss Gantenbein erst morgen sagen.


«Sicherheit hat Priorität»

Auch bei den Toggenburger Bergbahnen musste man von einigen umgeknickten Bäumen Kenntnis nehmen. «Diese wurden inzwischen schon geräumt», sagt Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger auf Anfrage. Schäden habe es gemäss jetzigem Kenntnisstand keine gegeben. «Sicherheit hat Priorität», sagt Eppenberger. Deshalb habe man die Anlagen am Mittwoch und Donnerstag nicht in Betrieb genommen. Wann die Anlagen wieder in Betrieb genommen werden können, konnte Eppenberger heute noch nicht sagen.

Die Feuerwehr Neckertal, welche für Notfälle auf dem Gebiet der Gemeinden Neckertal, Hemberg, Oberhelfenschwil sowie Wald-Schönengrund verantwortlich ist, wurde am Mittwoch zu insgesamt sieben Einsätzen gerufen. Dabei habe es sich ausschliesslich um umgestürzte Bäume gehandelt, sagt Kommandant Ueli Tanner. «Dies waren jedoch nur die Meldungen, die bei uns eingegangen sind. Auf dem Weg zu diesen Einsätzen sind wir auf noch mehr umgestürzte Bäume oder abgebrochenen Äste auf den Strassen gestossen, welche wir gleich auch beseitigt haben», sagt er. Zu einem grösseren Einsatz kam es, weil ein Baum auf ein Haus gestürzt ist. 
 

Einzelne Stromunterbrüche bei der SAK

Geknickte Bäume sorgten auch im Versorgungsgebiet der St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) zu Problemen. Im Toggenburg waren die Gebiete Wattwil West, Libingen, Lichtensteig, Mogelsberg und Ricken von Stromausfällen betroffen, wie Jürg Solenthaler, Bereichsleiter Netz bei der SAK, mitteilt. «An mehreren Stellen kam es zu Schäden an Freileitungen», sagt er. «Dies, weil umstürzende Bäume an verschiedenen Stellen Drähte heruntergerissen und Masten zum Kippen gebracht hatten.» Die Stromunterbrüche begannen laut Jürg Solenthaler um die Mittagszeit, teilweise dauerten sie mehrere Stunden. Um 18.30 Uhr sei die Versorgung der betroffenen Haushalte dank des raschen Einsatzes des SAK-Pikettteams wieder gewährleistet gewesen. «Die SAK bedauert die Unterbrüche und dankt den betroffenen Kunden für ihr Verständnis», heisst es in einer Medienmitteilung der SAK, welche die Verantwortlichen noch am Mittwochabend verschickt hatten.

Bei der RWT, die vor allem das untere Toggenburg mit Strom versorgt, sind keine Sturmschäden bekannt. Für einige Bäume war «Burglind» aber auch in dieser Region zu viel. Marco Signer, Förster in der Gemeinde Kirchberg, spricht von vielen einzelnen Bäumen, die umgefallen seien. Grossflächige Schäden hätte er bis jetzt aber nicht feststellen können. Weniger gut fällt die Bilanz von Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5, aus. Der Sturm habe im Obertoggenburg ziemlich gewütet. Gantner geht davon aus, dass mehrere tausend Kubikmeter Holz seit vorgestern am Boden liegen und dass es grossflächige Waldschäden gegeben hat. Das Ausmass der Schäden kann er noch nicht beziffern. Er hat auch noch keine Fotos der Waldschäden gesehen.


In Wattwil brannte der Baum

Laut Max Keller, Leiter Werkhof der Gemeinde Kirchberg, mussten mehrere Strassen kurzfristig wegen umgefallener Bäume gesperrt werden. Betroffen waren die Rupperswilerstrasse zwischen Nuetenwil und Rupperswil, die Salenstrasse zwischen Müselbach und Kirchberg sowie die Eichenstrasse zwischen dem Sackgrütli und Dietschwil. In Wattwil wiederum musste die Feuerwehr ausrücken, weil ein Baum auf eine Hochspannungsleitung fiel und so einen Brand auslöste.

Gebannt war die Gefahr am heutigen Donnerstag noch nicht. Meteo Schweiz warnte weiterhin vor einer erheblichen Gefahr durch Wind und Niederschlag. Lokal müsse zudem mit Hochwassern gerechnet werden. Davor warnt auch der Neckertaler Feuerwehrkommandant Tanner. In Bezug auf die zu erwartenden schweren Regenfälle werde er den Wasserstand des Neckers genau im Auge behalten. «Im Bereich des Ofenlochs liegen noch immer 20 Zentimeter oder mehr Schnee. Wenn der Regen kommt, wie vorausgesagt, müssen wir damit rechnen, dass der Fluss über die Ufer kommt. Zum Glück haben wir aber die Flutwarnung, welche die betroffenen Anwohner frühzeitig alarmieren sollte», erläutert Tanner. 
 

Die Region ist glimpflich davon gekommen

Für Fredy Koller, aktuell Pikettdienstleistender beim kantonalen Führungsstab, besteht die Gefahr von über die Ufer tretenden Fliessgewässern vor allem dort, wo sich durch umgeknickte Bäume das Wasser stauen könnte. «Zusammen mit der Kantonspolizei beobachten wir die Situation weiterhin genau», sagt er. Alles in allem sei die Region aber glimpflich davon gekommen. Der Vergleich zum Jahrhundertsturm Lothar habe sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. «Der Sturm Burglind dauerte weniger lange und war etwa 50 Stundenkilometer weniger stark», sagt Koller. Gar keine Schäden im Toggenburg verzeichneten die SOB und die SBB.

Dem nicht allzu schlechten Fazit zum Trotz: Einzelne Häuser wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Wer davon betroffen ist, sollte sich noch vor dem Erteilen von Reparaturaufträgen mit der Gebäudeversicherungsanstalt (GVA) des Kantons St. Gallen in Verbindung setzen: www.gvasg.ch/de/schaden/vorgehen-im-schadenfall
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