WATTWIL

Tiere sollen an Wattwiler Jungtierschau nicht gestresst sein - das bedeutet Stress für die Aussteller

Ab dem 1. März dürfen keine Kaninchen, Kleinnager oder Küken bei Veranstaltungen in Streichelgehegen gehalten werden. Wird dieser Bundesratsentscheid die am 10. Mai stattfindende Jungtierschau in Wattwil betreffen?
14.02.2018 | 06:00
Noëlle Lee
Wenn es etwas gibt, was allen Menschen das Herz erwärmt, dann sind das kleine Tiere. Egal, ob ein flauschiges Kaninchen oder ein Haufen kleiner Küken, jedem kam, bei einem solchen Anblick schon Mal ein «Jö.» über die Lippen.

Nun müssen Streichelfreudige in der ganzen Schweiz aber eine Enttäuschung einstecken. Der Bundesrat verbietet mit einem neuen Entscheid, Kaninchen, Kleinnager und Küken im Rahmen von Veranstaltungen in Streichelgehegen zu halten. Ausgenommen sind nur permanent eingerichtete Streichelgehege, wie sie beispielsweise in Zoos oder auf landwirtschaftlichen Betrieben vorkommen. 

Somit wird es ab Anfang März auf diversen Anlässen keine, dem Publikum zugänglichen, Gehege mit solchen Tieren darin mehr geben. Und dies zurecht, meint Verena Künzle vom Kleintierzüchterverein Wattwil. 


Extremer Stress für die Tiere

Am 10. Mai findet die Jungtierschau des KTZV Wattwil in der Aula und dem Aussenbereich des Schulhauses Wis statt. Und zwar ohne Streichelgehege. «Der Entscheid des Bundesrates betrifft vor allem grössere Veranstaltungen und Tierausstellungen. Wir haben an unserer Jungtierschau nie ein Streichelgehege. Das ist nämlich ein extremer Stress für die Tiere», erzählt Verena Künzle. Dieser Aufregung wollen die Organisatoren die Tiere keinesfalls aussetzen. Im Gegenteil, sie versuchen es ihnen möglichst gemütlich zu machen, während die Besucher die Ausstellung besichtigen. 

Küken und junge Kaninchen werden immer gemeinsam mit ihren Muttertieren gehalten und das Streicheln der Tiere ist weder Teil noch Ziel der Veranstaltung. Es geht einzig und allein darum, den Leuten das Hobby der Mitglieder des Kleintierzüchtervereines Wattwil näher zu bringen.


Noch sind nicht alle Missstände behoben

Aber auch ohne Streichelgehege gibt es während der Jungtierschau genügend Stressfaktoren für die ausgestellten Tiere. Die Veranstalter müssen während des Anlasses immer präsent und sehr achtsam sein. Oft sind sie dazu gezwungen, die Besucher der Ausstellung, vor allem kleine Kinder, davon abzuhalten, die Tiere zu füttern oder zu erschrecken. Da Kleinnager, wie etwa Meerschweinchen oder Kaninchen, Fluchttiere und somit extrem schreckhaft sind, wird dies zu einer grossen Herausforderung. Da sie so leicht in Angst versetzt werden können, eignen sie sich überhaupt nicht für Streichelgehege oder Ähnliches.

Trotz des Bundesratsentscheides seien aber noch nicht alle Missstände beseitigt, meint Verena Künzle. Sie hofft, dass sich noch mehr zu Gunsten der Tiere ändern wird und das möglichst schnell. 

Vor allem die relativ neue Sportart «Kanin Hop» ist ihr ein Dorn im Auge. Bei dieser Sportart müssen Kaninchen verschiedene Hindernisse überwinden, während sie von ihren Besitzern an einer Leine geführt werden und ein Geschirr tragen müssen. Obwohl die Sportart, was den Tierschutz betrifft, stark umstritten ist, finden Turniere in der Schweiz statt und dies oft im Rahmen von Tiermessen und -Ausstellungen.

Da der Bundesratsentscheid sich genau auf solche auswirkt, hofft Verena Künzle nun, dass es auch bald mehr Regelungen gibt. Vor allem solche, die diese Wettkämpfe betreffen. «Wir Züchter müssen massenhaft Vorgaben beachten und befolgen, während solche Turniere immer noch erlaubt sind. Hoffentlich ändert sich das aber bald.»


Vorsicht und Einfühlungsvermögen

Der Bundesratsentscheid bezüglich der Streichelgehege scheint also nur ein erster Schritt in die richtige Richtung zu sein. Um das Wohlbefinden der Tiere trotzdem zu garantieren, braucht es vor allem Vorsicht und Einfühlungsvermögen von den Teilnehmenden solcher Tierausstellungen. So süss, wie die Tiere sind, sollte das eigentlich niemandem besonders schwerfallen.
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