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Gefragt – Gejagt

Erstmals seit langem stehen beide Ausländer des HC Thurgau in den Top Ten der Skorerliste. Mit jedem Tor, das Jaedon Descheneau und Cam Braes erzielen, steigt aber das Risiko, dass sie den HCT verlassen.
14.02.2018 | 05:21
Matthias Hafen

Matthias Hafen

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Das könnte der Anfang einer Tellerwäscherkarriere sein. Als Jeadon Descheneau und Cam Braes im vergangenen Herbst zum HC Thurgau stiessen, kannte kaum jemand in Europa die beiden Kanadier. Als Restposten vom Wühltisch des Sommerschlussverkaufs passten sie perfekt ins knappe Budget des Ostschweizer NLB-Clubs, so der Gedanken vieler. Doch Trainer Stephan Mair hatte dank seiner guten Kontakte nach Übersee ein wahrhaftiges Schnäppchen an Land gezogen. Das Duo entwickelte sich zu Topskorern der Liga. «Wir sind manchmal selber überrascht, wie gut wir harmonieren», sagt Descheneau vor dem heutigen TV-Spiel um 19.45 Uhr in Rapperswil.

«Jeder spricht englisch – das hilft ungemein»

Mit 18 Toren und 31 Assists ist der 22-Jährige aus Alberta der Topskorer des HC Thurgau – und die Nummer sechs der Liga. Nur vier Punkte dahinter liegt Sturmpartner Braes (24 Tore/21 Assists). Das macht den 27-Jährigen aus British Columbia zum neuntbesten Skorer der NLB. «Wir fühlen uns einfach wohl hier», sagt der Center. «Jeder spricht englisch. Das half ungemein, uns zu integrieren.» Die gute Stimmung rund um den Verein hat dazu beigetragen, dass aus den Nobodys gefragte Stürmer geworden sind. In den vergangenen Wochen haben sich die Europa-Neulinge in so manchem Scouting-Buch verewigt. «Es brauchte Zeit, bis wir uns an die grösseren Eisfelder gewöhnt hatten», sagt Braes. «Aber jetzt sind wir angekommen.»

Für den HCT ist es bedauerlich, dass die Verträge der beiden Ende Saison auslaufen. Denn die Kanadier stehen auch am Ursprung des Teamerfolgs. Ohne treffsichere Ausländer, muss ein NLB-Club ums Playoff bangen. Davon kann der HCT gleich mehrere Lieder singen. Noch sind Braes und Descheneau für Thurgau aber nicht verloren. Wo sie ihre Karriere fortsetzen werden, lassen sie offen. «Wir versuchen, uns die besten Optionen zu erspielen», so Descheneau. Der Wunsch, in Europa zu bleiben, steht bei beiden weit oben – wie auch das Fernziel NHL.

Mit B-Lizenz zum HC Davos

«Wir werden mitbieten, so weit es uns möglich ist und es für uns Sinn macht», sagt HCT-Geschäftsführer Patrick Bloch, der sich auf einen Preiskampf mit Ligakonkurrenten und Teams aus der DEL gefasst macht. Denn eines steht fest: So unschlagbar das Preis/Leistungsverhältnis der beiden Ausländer zurzeit ist, so markant wird sich kommende Saison ihr Lohn verbessern. Ob dann die Rechnung für den Arbeitgeber noch aufgeht, ist eine andere Frage.

Vorderhand wollen Braes und Descheneau dem HC Thurgau in dieser Saison zu weiteren Höhenflügen verhelfen. Ganz im Wissen, dass das Playoff zu einem echten Prüfstein für sie werden wird. Und dann können die zwei Kanadier vielleicht erstmals NLA-Luft schnuppern. Das Partnerteam HC Davos hat die B-Lizenzen für das Duo gelöst.

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