BOLTSHAUSEN

«Zum Glück war’s kein Feuerteufel»

Für den Brand in der Hundepension von Mitte Dezember ist kein Brandstifter verantwortlich. Das hat die Thurgauer Staatsanwaltschaft am Freitag bekanntgegeben. Eine beruhigende Nachricht für Brigitte Lang.
07.02.2018 | 16:10
Mario Testa

Mario Testa

mario.testa

@thurgauerzeitung.ch

Brigitte Lang, wie haben Sie die Meldung der Staatsanwaltschaft aufgenommen?

Es wäre sehr belastend gewesen, wenn herausgekommen wäre, dass jemand den Brand in unserem Haus gelegt hätte. Zum Glück war es kein Feuerteufel oder Tierhasser. Daher beruhigt mich diese Meldung schon.

Wie haben Sie von diesen neusten Erkenntnissen erfahren?

Von der Redaktion der Thurgauer Zeitung. Das hat mich auch so gestört. Als direkt Betroffene wurde ich nicht informiert, ich musste es von einer Journalistin am Telefon erfahren, das kann doch nicht sein. Dieses Vorgehen der Behörden stört mich sehr.

Wie geht es Ihnen heute, fast zwei Monate nach dem Brand?

Mir geht es nicht so gut. Ich denke noch immer an meine Tiere, die im Feuer umgekommen sind. Es schmerzt mich jedes Mal, wenn ich an unserem Haus vorbeigehe – ich muss immer einen Bogen um die Brandstelle machen. Dazu kommt der ganze Ärger mit der Gebäudeversicherung und jetzt auch noch mit der Familie, bei denen ich meine Schafe und Esel einquartiert habe.

Weshalb gibt es denn da Probleme?

Am Anfang war ich ja wirklich sehr dankbar darüber, dass mir die Familie ihren leer stehenden Schweinestall als Quartier für meine Tiere angeboten hat. Damals sagten sie, wenn diese Situation nicht ewig dauere, koste es mich auch nichts. Aber dann kam plötzlich eine Rechnung über 1700 Franken pro Monat für die Unterbringung und Versorgung der Tiere. Mir war klar, dass die Arbeit etwas kostet, aber derart viel. Zusammen mit dem Futter, das ich bezahle, wären das über 2000 Franken pro Monat. Soviel kann ich mir niemals leisten in der jetzigen Situation.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe das Gespräch mit der Familie gesucht und wir konnten uns auf 600 Franken monatlich einigen, wobei ich dafür an zwei Tagen die Woche die Tiere versorge und die Tiere nur bis Ende Februar bleiben dürfen. Aber dabei blieb’s nicht. Diesen Samstag hatte ich plötzlich eine Meldung auf dem Natel, ich müsse die Tiere ab sofort jeden Tag umsorgen. Dazu habe ich aber einfach keine Zeit. Wir leben noch immer aus Kisten in der neuen Wohnung und da diese nicht angeschrieben sind, finde ich nichts. Dazu muss ich mit den Versicherungen verhandeln, Lösungen für die Unterbringung der Tiere suchen – und dann hab ich ja auch noch meine Hunde. Meine Energiereserven sind erschöpft.

Was stört Sie an der Situation am meisten?

Ich finde es einfach völlig daneben, kurzfristig Hilfe anzubieten um dann im Nachhinein das grosse Geld machen zu wollen. Mir sind die Leute lieber, die gar keine Hilfe anbieten, anstatt mit falschen Absichten. Ich hatte andere Hilfsangebote nach dem Brand – und hätte niemals diese Lösung gewählt, wenn ich gewusst hätte, wie das rauskommt.

Wie geht es nun weiter?

Ich muss eine Lösung für meine Tiere suchen im März. Das grosse Problem ist das Wasser. Der Stall für die Schafe steht ja noch, aber ich kann sie nicht tränken, wenn Minustemperaturen herrschen. Zudem fehlt mir ein Futterlager. ...en huufe Ärger, sag ich Ihnen.

Video: Brand belastet Brigitte Lang

Fast zwei Monate nach dem Brand ihrer Tierpension in Boltshausen, kommt Brigitte Lang immer noch nicht zur Ruhe. Nebst der Trauer um die Tier, die im Feuer den Tod fanden, hat sie auch Ärger mit der Versicherung und der Unterkunft für ihre Schafe. ()



Bildergalerie: Grossbrand in Hundepension

In einem ehemaligen Bauernhaus im thurgauischen Boltshausen ist ein Brand ausgebrochen. Das Feuer zerstörte die Scheune komplett. Personen wurden nicht verletzt. (Mario Testa)

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