Weniger Äpfel, weniger Birnen

  • Jeder dritte Tafelapfel in der Schweiz stammt aus dem Kanton Thurgau. In diesem Jahr kommt nur rund die Hälfe einer Normalernte zusammen. Die Qualität ist aber sehr gut.
    Jeder dritte Tafelapfel in der Schweiz stammt aus dem Kanton Thurgau. In diesem Jahr kommt nur rund die Hälfe einer Normalernte zusammen. Die Qualität ist aber sehr gut. (KEYSTONE)
04.09.2017 | 18:46

FROSTSCHÄDEN ⋅ Mitten in der Blütezeit kamen Ende April die Minustemperaturen. Die Auswirkungen derselben machen sich nun bemerkbar. Bei Tafeläpfeln und -birnen melden die Obstbauern hohe Ernteausfälle.

Peter Exinger
Zurzeit klingt im Thurgau niemand glücklich, wenn es um die Apfelernte geht. Bereits Ende August war klar: Die Ernte der Mostäpfel und -birnen wird karger ausfallen als auch schon. Landesweit ging man von knapp 50 Prozent der Ernte eines Normaljahrs aus. Was das Tafelobst betrifft, hielt man noch zurück. Seit gestern ist aber klar: Auch hier sieht es schlimm aus.

Urs Müller vom Arenenberg sagt: «Meine Schätzungen waren auf 40 Prozent Ertrag verglichen mit einem Normaljahr der noch auf den Bäumen hängenden Ernte.» Mittlerweile tendiert er zu «40 bis 50 Prozent». Das heisst: Die Thurgauer Bauern müssen im Gegensatz zu jenen in der Westschweiz mit einem halben Ernteausfall rechnen.

Schuld daran ist der Frost Ende April gewesen. Er kam mitten im Bluescht. Georg Bregy vom Schweizer Obstverband Swissfruit in Zug sagt: «Und nach dem Frost im Frühjahr folgte kaltes Wetter» – wir erinnern uns an Schneefälle Anfang Mai bis in tiefe Lagen, auch im Thurgau. Dieses Wetter habe die Bäume «sehr gestresst». Viele Blüten seien einfach abgefroren, «einiges ist abgefallen», die Bäume «konnten sich danach nicht mehr erholen», sagt Bregy. Zum Glück war die Witterung danach im Sommer «normal und sehr schön». Sonst wäre noch ein viel grösserer Ausfall zu beklagen.

Früchte mit sichtbaren Schäden

Seit Juni ist auch klar: Viele reifende Früchte werden sichtbare Schäden aufweisen: Frostringe und -beulen. «Das ist zwar nur ein äusserer Schaden und betrifft nur das Aussehen, aber verkaufbar sind solche Früchte heutzutage im Supermarkt leider trotzdem nicht», sagt Bregy.

Ganz schlimm steht es aber um die Birnenernte. Während die Waadtländer Obstbauern kaum bis gar keine Frostschäden zu melden hatten, ist die Lage in der Ostschweiz geradezu als verheerend zu bezeichnen. «Bei den Birnen ist in der Ostschweiz keine grosse Ernte zu erwarten», sagt Bregy. Urs Müller vom Arenenberg atmet hörbar durch: «Bei den Birnen rechnen wir höchstens mit der Hälfte des Ertrages verglichen mit dem Normaljahr.»

Weist ansonsten die Birnenernte ohnehin schon einen von Jahr zu Jahr sehr divergierenden Ertrag aus, ist das Minus heuer nicht wegzudiskutieren. «Es gibt Betriebe, die ernten fast nichts, da hat der Frost praktisch alles vernichtet», sagt Müller. Aber im Thurgau gibt es auch Betriebe, die Ernte einfahren. Insgesamt rechnet Müller mit etwa 4'500'000 Kilogramm Tafelbirnen in der Ostschweiz.

Bitter ist es für die Obstbauern, die in diesen Tagen fast rund um die Uhr in ihren Kulturen arbeiten. Aber auch die Konsumenten werden den Ernteausfall zu spüren bekommen. Die Kilogrammpreise für die Produzenten sind heuer um 20 bis 30 Rappen höher als üblich. Müller
betont: «Die Qualität ist hervorragend, der Sommer hat wunderbares Wetter geboten, so hat das Obst genügend Zucker einlagern können.»

Nichtsdestotrotz: Ein Kilo Äpfel wird sich im Supermarkt vorsichtig geschätzt sicher um etwa einen halben Franken verteuern. Wenn nicht mehr.
Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Ein neues Posting hinzufügen

Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Bei jedem neuen Beitrag in dieser Diskussion erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.

Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert.:
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wie viele Buchstaben hat das Wort Schweiz??
 

Meistgelesen

Thomas Studer ist die Lust nach nur einem Meisterschaftsspiel mit Thurgau vergangen.
HC Thurgau: 26.09.2017, 06:06

Knallende Türen: Thurgau-Trainer wirft Stürmer aus der Kabine

Stürmer Thomas Studer gehört ab sofort nicht mehr zum Kader des HC Thurgau.
Attraktiv für die Zuschauer, aber nicht ungefährlich: Motocross.
Amriswil: 25.09.2017, 17:13

"Er ist noch nicht über dem Berg"

Nach zwei schweren Unfällen stehen die Veranstalter des Amriswiler Motocross am Pranger.
Die Froneri-Fabriken in Goldach und Rorschach produzieren im Jahr 30000 Tonnen Glace und Tiefkühlkost.
Wirtschaft: 25.09.2017, 12:35

Frostige Zeiten bei Froneri

In den beiden ehemaligen Frisco-Findus-Fabriken in Goldach und Rorschach wird jede dritte Stelle ...
Diana Gutjahr rückt für Hansjörg Walter in den Nationalrat nach.
Kanton Thurgau: 25.09.2017, 13:23

Diana Gutjahr: "Ich will im Unternehmen bleiben"

Die 33-jährige Unternehmerin Diana Gutjahr rückt für Hansjörg Walter in den Nationalrat nach.
Sollte Sonja Lüthi (GLP) gewählt werden, wäre der Sturz der CVP aus dem St.Galler Stadtrat historisch.
St.Gallen: 26.09.2017, 07:18

St.Galler Stadtratswahl: Eine Niederlage der CVP wäre historisch

Dass sich Jürg Brunner von der SVP aus dem Rennen um den freien Stadtratssitz genommen hat, ist ...
Grünweisser Jubel: Im Moment läuft es dem FC St.Gallen nach Wunsch.
FC St.Gallen: 25.09.2017, 16:15

Warum der FC St.Gallen jetzt träumen darf

Der zweite Platz des FC St.Gallen nach dem ersten Saisonviertel ist zwar nur eine Momentaufnahme.
Alexander Stoffel (links) trat 1957 als Geschäftsleiter in das von seiner Familie gegründete Unternehmen Hügli Nährmittel ein. (Archivbild)
Wirtschaft Ostschweiz: 26.09.2017, 07:53

Hügli-Verwaltungsrat Alexander Stoffel verstorben

Unternehmer Alexander Stoffel ist tot. Er ist in seinem 89. Lebensjahr verstorben.
E-Mountainbikes erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit.
Panorama: 26.09.2017, 09:00

E-Bike: Feine Sache oder Sportgerät für Unsportliche?

Immer mehr Unfälle passieren mit E-Bikes. Gleichzeitig erobern die Velos mit Elektromotor die ...
Beim Wahlapéro übergibt der demissionierende Hansruedi Bänziger dem gewählten Gemeindepräsidenten Michael Litscher symbolisch den Schlüssel für das Gemeindehaus.
Appenzellerland: 26.09.2017, 08:23

Streit um die Wahl des Gemeindepräsidenten

Das Verfahren zur Wahl des neuen Gemeindepräsidenten Michael Litscher gibt weiter zu reden.
Das glückliche Siegerteam Marktforschung: Maurin Büche, Dimitri Sonderegger, Projektleiterin Anina Angehrn, Dario Forster und Remo Wüthrich.
Wirtschaft: 26.09.2017, 05:18

Das Wissen mit Empathie vereint

Im Final des WTT Young Leader Award der Fachhochschule St.
Zur klassischen Ansicht wechseln