BETRUG

Ungeliebte Post

Dreiste Absender kassieren im Thurgau für nicht bestellte Ware Geld. Dabei hilft ihnen die Gesetzeslage. Vielfach sind die Opfer Gastronomiebetriebe.
10.08.2017 | 18:57
Donat Beerli
Am Dienstag bringt die Post dem Wasserschloss Hagenwil ein Luftpolster-Couvert. Eine Angestellte nimmt es entgegen und übergibt dem Pöstler 89 Franken. Nachnahme heisst dieser Vorgang bei der Post – oder einfacher: Ware gegen Geld. Der zu bezahlende Betrag wird dabei vom Absender festgelegt. Das Couvert landet bei Schlossherr Andi Angehrn, der darin einen gelben Billig-Taschenrechner findet. «Wie man ihn als Werbegeschenk ab und zu bekommt», sagt Angehrn. Geschätzter Wert je nach Onlineshop: 20–30 Rappen. Als er den vermeintlichen Betrug bemerkt, ist der Pöstler bereits abgefahren. Daher wendet sich Angehrn an die Poststelle. Helfen kann man ihm dort vorerst nicht, weil durch das Bezahlen des Betrags das Paket offiziell zugestellt ist. Für die Post sei die Sache damit erledigt, heisst es. Auf dem Paket steht lediglich der Wohnort des vermeintlichen Absenders: Baar, Kanton Zug. Adresse und Name: unbekannt. Angehrn hakt ein paarmal nach und bekommt von einer Postangestellten schliesslich den Namen des Absenders: «Schweizerischer Migrationsverein». Im Internet ist über den Verein jedoch nichts herauszufinden. In Baar scheint dieser nicht gemeldet zu sein.

Das Wasserschloss Hagenwil ist nicht das einzige Opfer im Kanton. Wie die Thurgauer Kantonspolizei mitteilt, sind mehrere Meldungen eingegangen. Mediensprecher Daniel Meili: «Betroffene sollten eine Strafanzeige einreichen.» Wie gross die Chancen auf Erfolg seien, lasse sich jedoch nicht abschätzen. Andi Angehrn selbst wird dies nicht tun. «Ich kann die 89 Franken verkraften.» Obwohl es ärgerlich sei, will er der Post aber keine Vorwürfe machen. «Das hat wahrscheinlich mit unseren Gesetzen zu tun.»
 

«Pakete unbekannter Absender zurückweisen»

Léa Wertheimer, Mediensprecherin der Post, verweist darauf, dass das Unternehmen nur den «Transport zwischen Absender und Empfänger» verantwortet. Was in einer Sendung transportiert wird, wisse man nicht. «Die Post weiss auch nicht, ob der Empfänger die Ware tatsächlich bestellt hat.» Sie empfiehlt Betroffenen, jegliche Sendungen, die nicht bestellt wurden und
von einem unbekannten Absender kommen, zurückzuweisen. «Dann fallen keinerlei Kosten für den Empfänger an.» Darf man das Paket zur Überprüfung vor dem Bezahlen öffnen? «Nein, das ist nicht erlaubt», sagt Wertheimer. Auch darf die Post eigentlich keine Auskunft über den Absender erteilen, selbst wenn der Verdacht eines Betrugsfalls besteht. «Die Mitarbeiter sind ans Postgeheimnis gebunden, welches in der Bundesverfassung verankert ist», sagt Wertheimer.
Die Polizei macht sich derweil auf die Suche nach dem «Betrüger-Verein». «Die Ermittlungen laufen», sagt Mediensprecher Daniel Meili.
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