ERMITTLUNGEN IM FALL ZEZIKON

Starb Isabella an einem Drogen-Mix?

Kein Tötungs- und kein Sexualdelikt: Im Fall der Teppichleiche von Zezikon hat die Polizei die drei Beschuldigten aus der U-Haft entlassen. Die Ermittlungen gegen die Männer gehen aber weiter.
16.04.2018 | 18:59
Ida Sandl
Noch ist nicht völlig klar, wie und woran Isabella T., die Tote aus dem Wald bei Zezikon, genau gestorben ist. Für die Ermittler steht aber fest, die junge Aargauerin wurde nicht getötet und sie wurde auch nicht vergewaltigt. Das Institut für Rechtsmedizin fand keine Spuren von Gewalteinwirkung an der Leiche. Es wurden auch keine krankhaften Organveränderungen festgestellt. Das heisst, die 20-Jährige war gesund, sie hatte kein medizinisches Problem.
 

Am 3. November in Thundorf gestorben

Im Körper von Isabella T. wurden jedoch Spuren von Drogen gefunden. Aus Sicht der Rechtsmedizin sei deshalb in erster Linie eine «substanzbedingte Todesursache durch vorgängige Einnahme von Drogen» möglich. Dies decke sich auch mit den Ergebnissen der bisherigen Ermittlungen, sagt Stefan Haffter, der Sprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Isabella T. am 3. November 2017 in Thundorf verstorben ist. Kurz danach dürfte sie in das «Wilderetobel» bei Zezikon gebracht worden sein. Sie war in einen Teppich eingewickelt. Gefunden wurde die Leiche erst am 25. Januar 2018.Dazwischen liegen mehr als zweieinhalb Monate. Deshalb sei es für die Rechtsmedizin nicht mehr möglich gewesen, die Todesart und den Todeszeitpunkt zweifelsfrei zu klären.

Die letzten Stunden vor dem Tod von Isabella T. konnten durch die Ermittlungen rekonstruiert werden, sagt Haffter. So wisse man, dass sie vor ihrem Tod in Zürich im Ausgang war. Und man wisse auch, was passiert ist, nachdem sie tot war.
 

Gegen die Männer wird weiter ermittelt

Da es keine Hinweise auf Gewalteinwirkung oder ein Sexualdelikt gibt und auch keine Haftgründe mehr vorhanden sind, wurden die drei Beschuldigten aus der Untersuchungshaft entlassen. Es handelt sich um einen 36-jährigen Holländer, der in Thundorf lebt, sowie zwei Schweizer, 36 und 48 Jahre alt, aus dem Thurgau. Der Holländer sass seit dem 1. Februar in Untersuchungshaft, die beiden Schweizer wurden am 5. März festgenommen. Der anfängliche Verdacht der vorsätzlichen Tötung liess sich nicht erhärten.

Auch wenn die drei Männer wieder auf freiem Fuss sind, läuft die Strafuntersuchung gegen sie weiter. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen weiter folgende Delikte: Unterlassung der Nothilfe, Störung des Totenfriedens und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Bei der «Störung des Totenfriedens» geht es darum, dass die Tote in den Wald gebracht und dort abgelegt wurde. Ob sämtliche Straftaten auf alle drei Männer zutreffen, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, stellt Haffter klar.

Isabella T. war am 12. November von ihrer Familie als vermisst gemeldet worden. Freunde hatten sie zuletzt in Zürich im Ausgang gesehen. Inzwischen ist klar, dass dies der Vorabend ihres Todes war. Schon wenige Tage nach dem Fund der Leiche hatten die Ermittler eine heisse Spur, die nach Thundorf zu dem Holländer führte. In seiner Wohnung in einem unscheinbaren Mehrfamilienhaus verbrachte die junge Frau ihre letzten Stunden. 
 

Mutter ist wütend

Isabellas Mutter hat den Autopsiebericht gemäss «20 Minuten» erhalten. «Darin steht, dass bei meiner Tochter Kokain, Marihuana, irgendwelche Pillen und ein Alkoholwert von 0,55 Promille festgestellt werden konnten.» Die Mutter fragt sich, wie Isabella ohne Geld an die Drogen gekommen sei. Was sie wütend macht: «Man hat meine Tochter sterben lassen. Als man merkte, dass es ihr schlecht geht, hätte man den Notfall alarmieren sollen.» (red)

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