So viel Regen wie noch nie

  • In Mammern ist dem Sturm ein Baum mitsamt Wurzel zum Opfer gefallen.
    In Mammern ist dem Sturm ein Baum mitsamt Wurzel zum Opfer gefallen. (Margrith Pfister-Kübler)
02.08.2017 | 18:12

UNWETTER IM THURGAU ⋅ Geknickte Bäume, geflutete Keller, verhagelte Ernten: Das heftige Gewitter hat in der Nacht auf Mittwoch in den Gemeinden am Untersee Schaden angerichtet. Eine Frau hatte Glück im Unglück.

Stefan Hilzinger
Die Meldung hat sogar Bundesrat Johann Schneider-Ammann aufgeschreckt. Die Eschenzer Feuerwehr musste in der Unwetternacht vom 1. auf den 2. August eine 87-jährige Frau aus ihrer unter Wasser stehenden Kellerwohnung retten. Schneider-Ammann, der erst tags zuvor in der Gemeinde die Ansprache zur Bundesfeier gehalten hatte, erkundigte sich gestern persönlich bei Gemeindepräsident Claus Ullmann über das Befinden der Frau und die Lage im Ort nach Gewittersturm und Hagel. 

«Ich konnte ihn beruhigen», sagt Ullmann. Es sei dem beherzten Eingreifen eines Feuerwehrmannes zu verdanken, dass die Frau rechtzeitig gerettet werden konnte. «Er schlug eine Scheibe ein, stieg ein und stellte dann fest, dass sich noch jemand in der tief unter Wasser stehenden Wohnung befand», berichtet Ullmann. Die Frau sei mit Unterkühlung ins Spital gebracht worden, wo sie sich noch immer befinde.
 

Spuren des Sturms nicht zu übersehen

Anderntags zeigen sich in Eschenz, Mammern und den weiteren Gemeinden am Untersee die Spuren des Gewittersturms. In vielen Garagen und Hauszufahrten beseitigen die Einwohner die Spuren des Wassers und des Hagels. Schon in der Nacht und frühmorgens waren die Feuerwehren daran, Strassen von umgestürzten Bäumen zu befreien. Hauptstrasse und Bahn zwischen Eschenz und Steckborn waren bis gestern Vormittag für den Verkehr gesperrt. Allein in Eschenz standen rund 40 Feuerwehrleute im Einsatz.

Laut Mitteilung der Kantonspolizei Thurgau sind zwischen 2.30 und 5 Uhr rund 80 Schadensmeldungen eingegangen. Auch im Eschenzer Hafen hat der Gewittersturm einige Schäden angerichtet. Etliche der an Land stationierten Boote hat der Sturm vom Ufer ins Wasser geblasen. Am Mittwochvormittag waren Helfer daran, die Boote mit einem Traktor an Land zu ziehen. Der Wind hatte zudem etliche Bäume geknickt oder zumindest stark beschädigt. Astwerk wirbelte bis auf die im Hafen vertäuten Boote hinaus. Betroffene nahmen einen ersten Augenschein und räumten das Astwerk beiseite. Auch am Badi-Spielplatz gab’s Schäden.
 

Obst- und Beerenkulturen verhagelt

Auch in Mammern hinterliess der Sturm beträchtliche Schäden. Laut Feuerwehrkommandant Andi Schmid seien seine 30 Leute vor allem mit umgestürzten Bäumen beschäftigt gewesen. «Ein Teil der Mannschaft konnte um 7 Uhr nach Hause, der andere Teil ist weiterhin im Einsatz», sagte er gestern Nachmittag. Insbesondere betroffen sei der alte Baumbestand im Park der Klinik Schloss Mammern. Das Dach der Kirche sei beschädigt. Es seien auch Bäume auf ein Damhirsch-Gehege gestürzt, so dass ein Teil der Tiere das Weite suchen konnte. Die Tiere seien aber mittlerweile wieder eingefangen. Auch bei Obst- und Beerenproduzenten gab es grössere Schäden. «Der Hagelsturm hat auf unserem Betrieb eine Hektare Beerentunnels plattgemacht», sagt ein betroffener Landwirt. Gelitten hätten auch die Tafelbirnen, wo die Bäume teilweise richtiggehend entlaubt seien. 

Bei der Schweizerischen Hagelversicherung gingen gestern laut Auskunft der Medienstelle rund 80 Schadenmeldungen aus der Region Untersee ein. Es seien Ackerkulturen, Obst, Gemüse und Reben mit einer erwarteten Versicherungssumme von 600000 Franken betroffen. Noch nie sind in der Schweiz dermassen starke Niederschläge in kurzer Zeit niedergegangen, wie in der Nacht zum 2. August in Eschenz. 36,1 Millimeter registrierte die Messstation Büel innert zehn Minuten. «Das ist Schweizer Rekord», sagt Meteorologe Christophe Voisard von Meteo Schweiz (siehe auch Kasten). Den bisherigen Höchstwert verzeichnete Locarno-Monti im Jahr 2001 mit 33,6 Millimetern. Auch der Wind blies kräftig: Die Messstation Salen-Reutenen verzeichnete 133 km/h.

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