BILANZ

Schutz der Mehlschwalbe klappt

Seit Januar 2017 sind die Mehlschwalben und ihre Nester im Kanton Thurgau ganzjährig geschützt. Im ersten Jahr zeigte sich, dass vor allem bei Sanierungen und Renovationen Fragen auftauchen.
05.01.2018 | 06:29

In der Vergangenheit galten sie als Glücksbringer und waren gern gesehene Gäste an Haus und Hof: die Mehlschwalben. Immer im Frühling, meist Mitte März, kehren sie aus ihrem Winterquartier in West- und Zentralafrika zurück und beginnen, ihre Nester zu bauen und zu brüten. Meist fallen sie auf, weil sie gerne in Kolonien brüten, am liebsten an Hausfassaden in Dörfern und Weilern oder nahe an Gewässern, an geschützten Stellen zwischen Dachuntersicht und Fassade.

Seit einiger Zeit sind die Mehlschwalben in der Schweiz jedoch selten geworden. In den letzten Jahrzehnten haben die Bestände derart abgenommen, dass die Art auf der roten Liste den Status «potenziell gefährdet» trägt. Im Kanton Thurgau ist die Mehlschwalbe inklusive ihrer Nester deshalb seit Januar 2017 ganzjährig geschützt. Gemäss der Verordnung des kantonalen Natur- und Heimatschutzgesetzes ist es untersagt, die dort aufgeführten Tierarten zu töten, zu verletzen oder zu fangen sowie ihre Eier, Larven, Puppen, Nester oder Brutstätten zu beschädigen, zu zerstören oder wegzunehmen.

Bei Arbeiten an Fassaden ist Vorsicht geboten

Nach einem Jahr des verstärkten Schutzes der Mehlschwalben und ihrer Nester zieht das kantonale Amt für Raumentwicklung eine erste positive Bilanz. Die zuständige Abteilung Natur und Landschaft wurde laut einer Mitteilung in sechs Fällen einbezogen, in denen es um konkrete Schutzfragen ging. Diese tauchen meist bei der Sanierung oder Renovation von Hausfassaden auf, weil das Entfernen von Mehlschwalben-Nestern verboten ist. Sind Renovationsarbeiten an einem Gebäude mit solchen Nestern geplant, ist der Kontakt mit der kantonalen Abteilung zu suchen. Weil die Mehlschwalben nach ihrer Ankunft im Frühling brüten und ihre Jungen aufziehen, sind Bauarbeiten an Hausfassaden mit Mehlschwalben-Nestern nur von Mitte September bis Ende März möglich. Im Anschluss an die Renovation müssen künstliche Nester als Ersatz montiert werden, da die Zugvögel jedes Jahr an ihren Brutstandort zurückkehren.

Vermehrt suchen die Mehlschwalben auch passende Nistmöglichkeiten an Neubauten, weil Viehställe aufgegeben werden oder alte, grobkörnige Hausfassaden renoviert werden. Brütet eine ganze Kolonie am Haus, kann dies zu Verschmutzungen an der Hausfassade führen – es sei denn, man bringt rechtzeitig Kotbretter im Abstand von ca. 60 bis 70 Zentimeter unterhalb der Nester an. (red)

Weitere Informationen finden Hausbesitzer und Interessierte im Merkblatt des Schweizer Vogelschutzes (www.birdlife.ch).

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