Rücktritt nach zwei Jahren: Hess will mehr Zeit für seine Kinder

  • Sein Unternehmen und die Kinder sind ihm wichtiger als die Politik: Hermann Hess.
    Sein Unternehmen und die Kinder sind ihm wichtiger als die Politik: Hermann Hess. (Reto Martin)
14.09.2017 | 11:31

DEMISSION ⋅ Abgang nach zwei Jahren: Der Thurgauer FDP-Mann Hermann Hess tritt bereits wieder aus dem Nationalrat zurück. Ein Auslöser neben seiner Tätigkeit als Unternehmer: Seine beiden Kinder im Teenager-Alter, für die er in dieser für sie so wichtigen Lebensphase genügend Zeit haben wolle.

Christian Kamm
Der Thurgauer Nationalrat Hermann Hess hat nach zwei Jahren bereits genug von Bern. Hess selbst sowie die FDP des Kantons Thurgau bestätigten am Donnerstagvormittag entsprechende Recherchen der "Thurgauer Zeitung", die vorzeitig publik geworden waren.

Hermann Hess gab seinen Rücktritt, der per 26. November wirksam wird, Nationalratspräsident Jürg Stahl bekannt. In einem Communiqué schreibt der 66-Jährige, er habe sich ausserordentlich geehrt gefühlt, das Mandat als Nationalrat des Kantons Thurgau während der letzten beiden Jahre ausgeübt zu haben.
 

"Sie stehen mir sehr nahe"

In seiner Stellungnahme führt Hermann Hess persönliche Gründe für seinen Rücktritt an. Um eine stärkere Wirkung auch anderswo als nur in der Geschäftsprüfungskommission zu entfalten, hätte es laut Hess eines Einsatzes von mindestens vier weiteren Jahren bedurft. "Damit hätte ich mich meinem 70. Altersjahr genähert", schreibt Hess. Da im Parlament vor allem Dinge entschieden würden, welche jüngere Generationen beträfen, lasse er seinem Nachfolger deshalb gerne den Vortritt.

Des Weiteren verweist Hermann Hess in seiner Stellungnahme auf seine Tätigkeit als Unternehmer, die er sowohl in der Schweiz als auch im Ausland ausübe. Dies wolle er auch in den nächsten Jahren noch tun. "Schliesslich stehen mir meine Tochter und mein Sohn im Alter von 13 und 11 Jahren sehr nahe", schreibt Hess weiter. Er wolle in dieser für sie so wichtigen Lebensphase genügend Zeit haben, um sich ihnen widmen zu können. "In wenigen Jahren sind sie erwachsen. Umso bedeutender ist es, sie in den nächsten Jahren als Vater begleiten zu können."
 

FDP bedauert Rücktritt

Über die Absicht, seinen Platz im Nationalrat vor Ablauf der Legislatur einer jüngeren Kraft zu überlassen, informierte Hermann Hess die Partei frühzeitig, wie David H. Bon, Präsident der FDP Thurgau, in einem Communiqué erklärt. Die Partei bedauere den Rücktritt, habe aber für die sehr persönlichen Gründe von Hess Verständnis.
 

Schon länger Gerüchte

Rücktrittgerüchte um den 66-jährigen Unternehmer gab es schon seit diesem Sommer. So wollte etwa die "NZZ" in Erfahrung gebracht haben, dass Hess die laufende Legislaturperiode, die bis 2019 dauert, nicht beenden werde. Im Interview mit der "Thurgauer Zeitung" liess Hermann Hess anfangs Juli die Frage nach einem allfälligen Rücktritt in nächster Zeit offen. "Es gibt kein Statement in dieser Sache."


Ein Aussenseiter in Bundesbern

Politisch ist der Rücktritt keine Überraschung. Hess hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich primär als Unternehmer versteht und erst in zweiter Linie als Parlamentarier. "Das habe ich immer gesagt", meinte der FDP-Politiker unlängst gegenüber der "TZ", "und ich will auch, dass das so bleibt". Entsprechend "fremdelte" Hess im Berner Politikbetrieb. So war er in seinen zwei Jahren im Parlament noch nie am Rednerpult des Nationalrats, reichte noch keinen Vorstoss ein und rangierte im Parlamentarier-Rating der "Sonntagszeitung" unlängst auf dem zweitletzten Platz.
 

Brunner soll nachrücken

Erster Ersatzmann auf der FDP-Liste ist Hansjörg Brunner. Er ist Druckereiunternehmer und Verleger aus Wallenwil und sitzt für die FDP seit 2012 im Grossen Rat. Der 50-Jährige präsidiert zudem Gewerbe Thurgau und ist Mitglied der Schweizerischen Gewerbekammer.
Kommentare
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geschrieben am 14.09.2017 11:41 | von Alois Steinmann

Das ist doch gut so - Brunner vertritt die Interessen der Unternehmer und hat das nötige Engagement! Viel Erfolg

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Kommentar zu: Rücktritt nach zwei Jahren: Hess will mehr Zeit für seine Kinder
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geschrieben am 15.09.2017 10:58 | von Roman Pfister

Das ist ja wohl ein Witz. Demissionieren nach zwei Jahren. Wie ist das nochmals mit dem immer wieder zitieren Wählerwillen? Mal abgesehen von den ganzen Kosten die mit einem Wechsel verbunden sind.

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Kommentar zu: Rücktritt nach zwei Jahren: Hess will mehr Zeit für seine Kinder
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geschrieben am 15.09.2017 13:54 | von christine weiss

Das passiert, wenn jemand als vermeintlicher "Listenfüller" kandidiert und dann unerwartet gewählt wird...er sitzt anstandshalber zwei Jahre im Nationalrat ab und macht dann Platz für den Nachrücker, der ursprünglich als Spitzenkandidat angetreten war (den die WählerInnen aber nicht als solchen gesehen hatten). Der Rücktrtitt muss dann so rechtzeitig erfolgen, dass der Nachrücker bei den nächsten Wahlen als "Bisheriger" antreten kann.

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