STARTSCHUSS

Nach Erb-Pleite: Verkauf von Schloss Eugensberg beginnt Mitte April

Nächste Woche werden Details zum Verkauf von Schloss Eugensberg in Salenstein bekanntgegeben. Der Preis sei schwierig abzuschätzen, sagen Immobilienexperten. Interessenten dürfte es dennoch geben.
05.04.2018 | 06:52
Sebastian Keller

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

27 Millionen Franken: Für diesen Betrag hatte der 2017 verstorbene Rolf Erb 2003 Schloss Eugensberg von der Erb-Gruppe «gekauft». Bezahlt hatte er indes nie. Mitte April soll der Startschuss für den Verkauf erfolgen, wie die Verantwortlichen gestern mitgeteilt haben. Das Anwesen gehört zur Konkursmasse von Erb.

Welcher Preis erzielt werden kann, sei schwierig abzuschätzen. Das sagt der Weinfelder Immobilienexperte Werner Fleischmann, der nicht in den Verkauf involviert ist. Aber: Der letzte bekannte Preis plus allfällige wertvermehrende Investitionen seien in etwa die Grössenordnung. Robert Weinert, Leiter Immo-Monitoring beim Beratungsunternehmen Wüest Partner, kann den Wert des Objektes auch nicht abschätzen. «Zumal die Daten zu Vergleichsobjekten in diesem Segment sehr rar sind.» Potenzielle Käufer gebe es aber definitiv, meint Fleischmann. «Auch aus der Schweiz.» Entscheidend sei der Preis. Wobei dieser nur die halbe Miete sei. «Ein Schloss kaufen ist das eine, der Unterhalt das andere.» Zu diesem Schluss kommt auch ein Artikel im «Immo-Monitoring» von Wüest Partner aus dem Jahr 2012. Gerade bei Schlössern falle aufgrund der hohen Instandsetzungskosten deren Kaufpreis oft «relativ moderat» aus. Und: «Nur wer während der Haltedauer einen ausreichenden Cashflow sicherstellen kann, ist ein nachhaltiger Eigentümer einer Luxusimmobilie.»

Öffentliche Zugänglichkeit würde wohl Preis drücken

Als Käufer aus dem Spiel genommen hat sich der Kanton. Das machte er in der Antwort zu einem Vorstoss klar. Die Regierung begründete, dass dies nicht zur Kernaufgabe des Kantons gehört. Eingereicht hatte den Vorstoss der CVP-Kantonsrat Ulrich Müller (Weinfelden). Er fragte auch, ob der Kanton gewillt sei, sich für einen öffentlichen Zugang einzusetzen. Immobilienexperte Fleischmann geht davon aus, dass dies den Preis drücken würde. «Wenn ein Käufer diese Summe ausgibt, will er Privatsphäre.» Diese Einschätzung teilt Müller. Er wünscht sich dennoch, dass der Kanton mit dem neuen Besitzer eine «gewisse Zugänglichkeit» thematisiert. «Mich dünkt es, dass der Thurgau aus seinen Schlössern relativ wenig macht», sagt er. Eine Tour durch die Thurgauer Schlösser könnte er sich als «touristisch interessantes Angebot» vorstellen. Gerade auch zu Schloss Eugensberg.

In der Beantwortung rühmte das Amt für Denkmalpflege – einer Liebeserklärung gleich – die Anlage über dem Untersee. Den «weitläufigen, sorgfältig angelegten, englischen Landschaftspark» etwa, aber auch das Innenleben: So ist von den «aufwendig geschnitzten Stilräumen» wie Herrenzimmer, holländischer Halle und Billardzimmer die Rede. Und von «kostbaren figürlichen Steinintarsien» in den Bädern. Das Schloss scheint gut in Schuss zu sein: «Durch die wenigen Handwechsel und den bisherigen schonungsvollen Umgang mit dem Bestand ist ein einzigartiges Gesamtkunstwerk bis heute erhalten.» In der Diskussion im Grossen Rat will Müller nachfragen, welche Möglichkeiten die Denkmalpflege hätte, damit das Schloss nicht seiner wertvollen Ausstattung beraubt wird.

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