KOMMENTAR ZU HEFENHOFEN

Regierung ist sich nicht zu schade fürs Nachsitzen

Die Thurgauer Regierung zeigt sich selbstkritisch rund um die Krisenkommunikation im Fall Hefenhofen. Die Regierungsmitglieder bewiesen, dass sie lernfähig seien und den einsichtigen Worten auch Taten folgen liessen. Das schreibt Ressortleiter Christian Kamm in seinem Kommentar.
06.10.2017 | 18:14
Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es die Thurgauer Kantonsregierung tatsächlich ernst meint mit der Operation Wiedergutmachung im Fall Hefenhofen − seit gestern liegt er vor. In ihrer  Beantwortung eines kritischen Vorstosses zur Krisenkommunikation nimmt die Regierung kein Blatt vor den Mund und schont auch sich selber nicht.

Ja, man sei überrascht worden von der Eskalation der Ereignisse in kürzester Zeit. Und ja, auf diese noch nie erlebte politisch-mediale Eigendynamik sei man nicht vorbereitet gewesen. So war es. Punkt. Diese Offenheit und Fähigkeit zur Selbstkritik ist für eine Exekutive alles andere als selbstverständlich. Dass die Thurgauer Regierung dazu fähig ist, beweist, dass sie wieder Tritt gefasst hat und offensichtlich gewillt ist, das Vertrauen in den Kanton und seine Behörden wieder herzustellen.

Analysierende Worte allein nützen nichts, wenn ihnen keine Taten folgen. Doch auch hier macht der Kanton unterdessen alles richtig. Schon die Einberufung einer unabhängigen Untersuchungskommission kam einem Befreiungsschlag gleich. Die Ankündigung, deren Bericht dann öffentlich zu machen, ist nun der nächste logische Schritt auf diesem Weg. Auch hat der Thurgau eine Regierung, die sich nicht zu schade ist für Nachhilfeunterricht in Sachen Krisenmanagement. Mögen noch so viele diesen Kanton provinziell nennen. Punkto Lernfähigkeit beweist er gerade das Gegenteil.

Christian Kamm
christian.kamm@thurgauerzeitung.ch
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