BEITRAG

In den Wald soll Geld fliessen

Im Thurgau kommt eine Gebühr für Waldnutzer zur Sprache. Eine Arbeitsgruppe prüft, ob etwa bei Joggern oder Pilzsammlern neue Einnahmequellen für die defizitäre Waldbewirtschaftung erschliessbar sind.
31.07.2017 | 06:50
Silvan Meile

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Schlecht sind die Zeiten für Waldeigentümer schon lange. Und die Krise der Holzbranche spitzt sich immer mehr zu. Wegen des tiefen Holzpreises decken die Erträge die Kosten für den Holzschlag kaum mehr. «Viele Waldbesitzer legen drauf», sagt Georg Müller, Präsident des Verbands der Thurgauer Waldeigentümer. So schlagen sich die Betriebsjahre in den meisten Forstbetrieben als Verlust zu Buche.

Damit der Wald trotz fehlender Wirtschaftlichkeit überhaupt noch anständig in Schuss gehalten werden kann, machen sich die Betroffenen schon länger Gedanken, welche Einnahmequellen für die nötigen Arbeiten im Wald angezapft werden könnten. Finanzielle Beiträge von Waldnutzern sind dabei auch schon diskutiert worden. Es ist nicht auszuschliessen, dass dereinst beispielsweise Orientierungsläufer, Pilzsammler oder die Waldspielgruppe eine Gebühr für den Aufenthalt im Wald entrichten müssen. Im Kanton Luzern wurde zum Beispiel bereits einmal über eine vorgezogene Gebühr für die Waldnutzung beim Kauf eines Mountainbikes laut nachgedacht. Denn während die Holzpreise und somit der Ertrag aus der Waldbewirtschaftung seit den 80er-Jahren sinken, steigt die Bedeutung des Waldes als Sport- und Naherholungsgebiet laufend.

Noch gilt für den Wald ein freies Begehungsrecht

Das Thema einer möglichen Gebühr für die Waldnutzung ist auch im Thurgau angekommen. Bis im Jahr 2020 hat sich der Kanton in seinen Regierungsrichtlinien 2016–2020 zum Ziel gesetzt, einen «Aktionsplan für die Inwertsetzung von Waldleistungen» zu erarbeiten. Dafür sei eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des kantonalen Forstamtes, dem Verband der Waldeigentümer und dem Verband Thurgauer Gemeinden ins Leben gerufen worden, erklärt Gerold Schwager, stellvertretender Thurgauer Forstingenieur. Im aktuellen Bericht der parlamentarischen Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GFK) ist diesbezüglich festgehalten: «Inwieweit vermehrte Förderung des heimischen Holzabsatzes oder neue Einnahmequellen (etwa seitens von Sportlern und Erholungssuchenden) Abhilfe verspricht, wird derzeit geprüft.»

Noch gilt für den Wald ein freies Begehungsrecht. Waldeigentümer-Präsident Müller betont jedoch, dass diese Rechtsgrundlage aus einer Zeit stamme, als die Schweiz von rund zwei Millionen Menschen bevölkert wurde. Heute sind es bereits über acht Millionen Einwohner, die täglich vom freien Begehungsrecht Gebrauch machen können. «Der Druck auf die Waldeigentümer steigt laufend», sagt Müller. Gleichzeitig gewinne der Wald auch als Klima- und Trinkwasserschutzgebiet an Bedeutung.

Ein Vorschlag soll 2018 vorgestellt werden

Die zur Waldproblematik einberufene Thurgauer Arbeitsgruppe habe bisher lediglich eine Auslegeordnung gemacht, sagt Schwager. Konkrete Ideen fehlen noch. «Geld einziehen ist eine Sache, es dann fair an die Waldbesitzer zu verteilen, die andere.» Schwager rechnet damit, dass die Arbeitsgruppe im nächsten Jahr eine politisch tragbare Lösung präsentieren kann.

Auch Georg Müller, der mit seinem Verband 8500 private Thurgauer Waldbesitzer vertritt, hat keine Patentlösung. Der Verbandspräsident weiss aber, was seine Mitglieder nicht wollen – auch nicht, wenn Geld fliesst: zusätzliche Auflagen für Waldeigentümer.

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