Hefenhofen-Bericht wird öffentlich

  • Mit Hilfe der Armee werden Pferde vom Hof in Hefenhofen abtransportiert.
    Mit Hilfe der Armee werden Pferde vom Hof in Hefenhofen abtransportiert. (Manuel Nagel)
07.10.2017 | 08:14

KOMMUNIKATION ⋅ Der Thurgauer Regierungsrat gibt sich in der Antwort auf einen Vorstoss zum Fall Hefenhofen selbstkritisch. In der Krisenkommunikation holte er sich externe Hilfe. Zu spät, findet ein Vorstösser.

Sebastian Keller
Der Schlussbericht der Untersuchungskommission im Fall Hefenhofen soll öffentlich publiziert werden. Das geht aus der Beantwortung des Vorstosses «Krisenanfällige Krisenkommunikation» hervor. Mit dessen Publikation «soll das Vertrauen in den Kanton Thurgau und seine Behörden gestärkt werden». Der Thurgauer Regierungsrat zieht weitere Lehren aus dem Fall. Als einer der Schlüsse will er sich in einem Seminar mit Krisenmanagement und -kommunikation «im heutigen Umfeld» befassen. An einem Kaderanlass der kantonalen Verwaltung wurde diese Herausforderung anhand des Falls Hefenhofen bereits ein erstes Mal thematisiert und besprochen.

Eine noch nicht erlebte  Eigendynamik

Der Fall Hefenhofen dominierten wochenlang die Schlagzeilen.  Kritisiert wurde auch der Kanton, er habe im Fall des mutmasslichen Pferdequälers U. K. zu lange zugewartet. Auslöser für das mediale Scheinwerferlicht auf den Thurgau war ein Artikel im «Blick» vom 3. August. Der Regierungsrat räumt in der Beantwortung ein, dass er von der Heftigkeit überrollt worden ist: «Die Erkenntnis, dass eine derartige aussergewöhnliche Krisensituation entstehen könnte, kam (zu) spät.» Und weiter: «Der Fall Hefenhofen entwickelte jedoch eine noch nicht erlebte politisch-mediale Eigendynamik, auf die man nicht vorbereitet war.» Als besonders herausfordernd bezeichnet der Regierungsrat die Situation, dass das Agieren im «medialen Kreuzfeuer» äusserst schwierig gewesen sei, «oft fast unmöglich». Die Behörden seien nicht zuletzt aus Datenschutzgründen mit Verweis auf laufende Verfahren teilweise nicht in der Lage gewesen, die Details vollständig zu kommunizieren. Wie weiter aus der Antwort hervorgeht, holte sich der Kanton ab dem 15. August Hilfe von Sven Bradke, Chef der St. Galler Agentur Mediapolis. Bradke ist einer der bekanntesten Ostschweizer PR-Berater, aufgewachsen ist er in Steckborn.
 

Externe Hilfe im «allerletzten Moment»

Eingereicht hatten den Vorstoss die Arboner Kantonsräte Andrea Vonlanthen (SVP) und Patrick Hug (CVP). Vonlanthen ist im «Grossen und Ganzen» mit der Antwort zufrieden, er lobt die Selbstkritik der Regierung. «Sie hat eingestanden, dass sie mit dem Fall überfordert gewesen ist.» Sie sei den «rauen Wind der nationalen Medien nicht gewohnt». Dass der Kanton erst über zehn Tage nach dem auslösenden Artikel einen externen Berater zu Hilfe genommen hat, bezeichnet der SVP-Kantonsrat als «allerletzten Moment». Nun hoffe er, dass die Lehren aus dem Fall in die Bewältigung künftiger Krisen einfliessen werde.

CVP-Kantonsrat Patrick Hug sagt: «Der Regierungsrat hat sich in der sehr ausführlichen Antwort ernsthaft und auch selbstkritisch mit den gestellten Fragen auseinandergesetzt.» Diese sei vom Willen geprägt, den Fall gründlich aufzuarbeiten und das Vertrauen in die Behörde wieder herzustellen. Hug findet aber, dass sich der Regierungsrat in der Kommunikation zu defensiv verhalten habe. «Die Regierung wurde in ihrem Handeln von den Medien geführt – eigentlich sollte es ja umgekehrt sein.»

Die Kantonsregierung schreibt weiter in der Antwort, der Fall Hefenhofen habe Spuren hinterlassen, die dem Image des Thurgaus nicht förderlich seien. Das «langfristig-seröse» Image sei dadurch «nur kurz und vorübergehend überschattet worden». Vonlanthen ist nicht so hoffnungsvoll. «Dieser Fall wird uns noch Jahre beschäftigen.» Hug sagt, dies hänge wesentlich vom Inhalt des Berichtes der Untersuchungskommission ab.
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