TAGUNG

Frühe Erfahrungen prägen ein Leben lang

500 Experten für die Frühe Kindheit sind nach Kreuzlingen gereist, um an der 23. Jahrestagung der Gaimh (German Association for Infant Mental Health) teilzunehmen.
12.04.2018 | 06:47

Diese interdisziplinäre Tagung wurde in Kooperation mit der ISPPM (Internationale Studiengemeinschaft für Prä- und Perinatale Psychologie und Medizin) und der Pädagogischen Hochschule Thurgau durchgeführt.

Die rund 500 Teilnehmenden an der Tagung beschäftigten sich in zahlreichen Plenumsvorträgen und Workshops mit dem Thema «Berührung prägt – von Anfang an». Dabei wurden neueste Forschungserkenntnisse aus Psychologie, Medizin und Pädagogik zur Bedeutung von Berührung, Körpererfahrungen und Schwangerschaft für die Entwicklung in der frühen Kindheit präsentiert.

Die Tagung gab so einen Einblick in verschiedene psychotherapeutische und psychoedukative Ansätze und deren unterschiedlichen Umgang und Verständnis von und mit körperlicher und emotionaler Berührung.
 

Stresserfahrungen verändern Immunsystem

Die Beiträge zeigten auf, wie prägend bereits frühe Erfahrungen vor, während und nach der Geburt nicht nur für die kindliche Entwicklung, sondern für die Gesundheit über die ganze Lebensspanne sind. Aktuelle Forschungserkenntnisse aus Medizin und Psychologie zeigen, wie zum Beispiel frühe Stresserfahrungen in der Schwangerschaft und der Neugeborenenzeit das Immunsystem nachhaltig verändern können. Weitere Ergebnisse beleuchten, dass eine gute Beziehung, etwa durch viel Körpernähe zu Mutter und Vater, aber auch emotional verlässliche Beziehungen zu familienergänzenden Betreuungspersonen positive Bindungserfahrungen stärken und damit für die spätere Beziehungsgestaltung und das Sozialverhalten von Kindern prägend sind. Die Bedeutung von Berührung gerade auch in pädagogischen Umgebungen wurde herausgestrichen. Auch aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, wie zum Beispiel der vermehrte Smartphonegebrauch während des Wickelns oder Stillens und die möglichen Einflüsse auf die Entwicklung des Kindes, wurden thematisiert. An der Tagung wurden auch verschiedene therapeutische Methoden diskutiert, mit denen Kinder und Eltern, die schwierige Startbedingungen haben, unterstützt werden können.

Interdisziplinäre Sicht notwendig

Insgesamt verdeutlichte die Tagung, dass der Themenbereich Frühe Kindheit Experten braucht, welche eine interdisziplinäre Sicht auf die frühe Entwicklung haben und den Wissenschaft-Praxis-Transfer machen können.

Der Masterstudiengang Frühe Kindheit an der Pädagogi-schen Hochschule Thurgau und Universität Konstanz sowie das Kompetenznetzwerk Frühe Kindheit setzen sich genau für diese Ziele ein. (red)

Weitere Artikel