KOMMENTAR

Operation Wiedergutmachung im Fall Hefenhofen

Der Thurgauer Regierungsrat hat die Untersuchungskommission im Fall Ulrich K. eingesetzt. "Vorbildlich", schreibt Christian Kamm, Leiter des Ressorts Kanton Thurgau, zur Besetzung und zur Ausgangslage.
06.09.2017 | 19:25
Die Operation Wiedergutmachung hat begonnen. So viel Glaubwürdigkeit der Thurgau mit dem Fall Hefenhofen verspielt hat, so entschlossen zeigen sie sich die Behörden nun, den Scherbenhaufen nicht einfach beiseite zu schieben, sondern aus den bitteren Erfahrungen zu lernen. Und das, im Vergleich zu den vergangenen Chaos-Tagen, endlich speditiv. 

Mit der am Mittwoch präsentierten Untersuchungskommission werden alle Weichen gestellt, damit das tatsächlich gelingen kann. Unabhängige Fachleute aus Veterinärwesen, Tierschutz und Landwirtschaft können unter der Leitung des erfahrenen Exekutivpolitikers und Juristen Hanspeter Uster den Vollzug des Tierschutzgesetzes im Kanton unter die Lupe nehmen.

Wie die Kommission das macht, steht ihr frei. Alles, was sie zur Erfüllung ihres Auftrags braucht, wird sie auch bekommen. Kein Aktenschrank bleibt tabu. Und das ist gut so. Fehleinschätzungen und Fehlverhalten sollen beim Namen (und damit auch beim Vornamen) genannt werden. Vorbildlich. Eingefleischte Thurgau-Basher werden es kaum glauben mögen. Aber dieser Kanton kann auch so.

Es gibt zu diesem Mut zur Wahrheit keine Alternative. Er, und nicht die Frage, wessen Kopf wann rollen soll, hat am Anfang einer unabhängigen Aufarbeitung des Totalschadens zu stehen. Bereits Ende Jahr erwartet die Regierung einen ersten Bericht. Noch ist offen, wie der ausfallen wird. In jedem Fall aber muss er Aufschluss darüber geben, ob nach dem Mut zur Wahrheit auch personelle Konsequenzen notwendig sind.

Christian Kamm
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