Er mischt den Automarkt auf

  • Guido Knup macht mit der ProCars Schweiz den Leasingfirmen Konkurrenz.
    Guido Knup macht mit der ProCars Schweiz den Leasingfirmen Konkurrenz. (Bild: Andrea Stalder)
13.08.2017 | 05:17

GESCHÄFTSIDEE ⋅ Seit kurzem gibt es in der Schweiz eine finanziell attraktive Alternative zum Autoleasing: Eine Firma mit Sitz im Oberthurgau vermietet Neuwagen. Für eine gewisse Klientel ist das Angebot sehr verlockend.

Markus Schoch

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Es tönt fast zu gut, um wahr zu sein. Die Firma ProCars Swiss mit Büro in Egnach im Oberthurgau vermietet seit Anfang dieses Jahres Autos für jeweils zwei Jahre. Für die Kunden ist es so, als würden sie den Neuwagen leasen – nur billiger. Viel billiger sogar. Die Firma prüft auch weniger streng, ob die Kunden tatsächlich über die nötigen finanziellen Mittel verfügen. Denn die Autos gehören nicht den Mietern, sondern der ProCars.

Geschäftsführer Guido Knup hat die Rechnung mit einem VW e-up gemacht, der rund 32000 Franken kostet. Die Leasinggebühren bei einem bekannten Autohändler belaufen sich bei diesem Modell alles in allem auf 935 Franken pro Monat. Der Preis bei ProCars für das gleiche Fahrzeug: 324 Franken – also ziemlich genau zwei Drittel weniger. Und in diesem Beispiel ist die obligatorische Anzahlung bei der Mietvariante (13 Prozent) mit rund 4200 Franken sogar tiefer als beim Leasing (5000 Franken). Alles andere ist identisch: Enthalten ist in beiden Fällen eine Vollkaskoversicherung mit einem Selbstbehalt von 1000 Franken, die Strassenverkehrssteuer am Wohnort, 30000 Kilometer jährlich inklusive Vollservice und Werksgarantie sowie ein zusätzlicher Satz Winterreifen.

Billige Autos werden nicht vermietet

Knup weiss, dass es fast zu gut tönt, um wahr zu sein. Er sagt deshalb, ohne gefragt zu werden: «Es gibt keinen Haken.» Was allerdings nicht ganz stimmt, wie er später einräumt. Denn man kann als Einzelperson nicht jedes Auto bei ProCars mieten. Zum einen ist die Fahrzeugpalette auf die meisten europäischen Marken plus Jeep und Tesla beschränkt, und zum anderen muss der Preis des Mietautos ausser bei Flottenbestellungen über 40000 Franken liegen. «Mit billigeren Fahrzeugen geht die Rechnung für uns nicht auf», sagt Knup. Die Kunden würden aber selbst bei einem Auto der gehobenen Mitteklasse bei ihnen günstiger fahren, als wenn sie einen Kleinwagen leasen würden.

Und günstig ist die ProCars vor allem, weil sie die Importeure umgeht. «Wir kaufen die Autos direkt bei den Werken nach den Wünschen des Kunden.» Dieser muss sich aber unter Umständen drei bis vier Monate gedulden, bis sein Traumauto vor der Tür steht, sagt Knup. «Es sind offizielle Schweizer Fahrzeuge, die über die Markenvertretung ausgeliefert werden und dort gewartet werden müssen.»

Ein späterer Kauf des Autos ist nicht Teil der Idee

Es gibt noch einen zweiten wesentlichen Grund, warum die ProCars die Preise drücken kann. Sie hat gemäss Knup lukrative Absatzkanäle für die zweijährigen Occasionen gefunden – wenn sie die Mieter nach Ablauf der Laufzeit nicht selber erwerben wolle, was im Prinzip nicht Teil der Geschäftsidee ist. In Skandinavien, Russland und Asien seien solche Fahrzeuge sehr gefragt. «Wir laufen also nicht Gefahr, grosse Abschreiber zu machen oder auf ihnen sitzen zu bleiben, selbst wenn wir zu einem grossen Player werden sollten.»

In Österreich und Deutschland ist die ProCars bereits seit einem halben Jahr am Markt. «Mit gutem Erfolg», sagt Knup. In der Schweiz steht das Unternehmen noch ganz am Anfang. Knup hat zwar schon 20 Agenten überall im Land an der Hand, die ihm Kunden vermitteln sollen. Doch es sollen noch mehr werden. «Mit 30 hätten wir eine gute Abdeckung.»

Fürs erste Jahr hat sich der Geschäftsführer bescheidene Ziele gesetzt: Er will 600 Mieter gewinnen. Potenziell als Kunden in Frage kämen gemäss Berechnungen von Knup rund 50000 Personen – jedes Jahr. Interessant sei ihr Modell vor allem für Fahrer eines Elektroautos. Die Entwicklung in diesem Bereich sei rasant. In zwei Jahren verändere sich enorm viel. «Wer mit uns unterwegs ist, bleibt technologisch immer an der Spitze.» Deswegen ist Knup auch mit Fabrikaten von Ladestationen im Gespräch, mit denen er ins Geschäft kommen will.

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