«Diese Rechnung geht nicht auf»

  • Die Reform der Altersvorsorge verteile die Gewichte nicht gerecht, verdeutlicht das Komitee Generationenallianz mit Rucksäcken.
    Die Reform der Altersvorsorge verteile die Gewichte nicht gerecht, verdeutlicht das Komitee Generationenallianz mit Rucksäcken. (Bild: Reto Martin)
06.09.2017 | 06:54

ABSTIMMUNG ⋅ Das Komitee Generationenallianz lehnt die Reform der Altersvorsorge ab. Im Zentrum der Kritik steht die Erhöhung der AHV für Neurentner. Diese wirke als Brandbeschleuniger und verschärfe Probleme noch.

Im Nein-Komitee gegen die beiden Vorlagen vom 24. September sind der Gewerbeverband, die IHK, FDP, SVP, Jungfreisinnige und Junge SVP vertreten. Komiteemitglieder kritisierten gestern die Reform der Altersvorsorge (AV 2020) als «Scheinsanierung», die weit davon entfernt sei, eine Basis für eine nachhaltige finanzielle Zukunft der Altersvorsorge zu schaffen. «Der vorliegende AHV-Ausbau wirkt als klassischer Brandbeschleuniger, der die strukturellen Probleme zusätzlich verschärft», sagte Diana Gutjahr, SVP-Kantonsrätin und Vizepräsident des Gewerbeverbandes, an der Medienkon­ferenz. Mit der Anhebung von Mehrwertsteuer und Lohnbeitragssätzen werde zudem der Wirtschaftsstandort zusätzlich verteuert, so die Unternehmerin.

Die Übergangsgeneration wird doppelt belohnt

Die Erhöhung des Rentenalters für Frauen sei in der Gesell­schaft unterdessen mehrheits­fähig, sagte FDP-Kantonsrätin Brigitte Kaufmann. Doch mit den 70 Franken zusätzlich für Neurentner werde dieser Beitrag der Frauen «pulverisiert» und löse sich schon 2026 in Luft auf. Zu den Fehlkonstruktionen gehöre zudem, dass die Übergangsgeneration über 45 Jahre, die ohnehin von den ständig steigenden Löhnen in den letzten 20 Jahren profitiert habe, doppelt belohnt werde: mit einer Besitzstandsgarantie und der Aufstockung der AHV. Umgekehrt würden die Jungen «gleich mehrfach bestraft».

Einerseits beschliesse man Sanierungsmassnahmen, andererseits auch eine Rentenerhöhung – «diese Rechnung geht nicht auf», befand Nazmije Ismaili von den Jungfreisinnigen. Es stelle sich die Frage, ob die ­Erhöhung als «Schmiergeld» für die Übergangsgeneration gedacht sei. Verlierer der Reform seien auf jeden Fall die Jungen.

Rentner und alt SVP-Kantonsrat Heinz Wendel geissel­te ebenfalls die Anhebung der Mehrwertsteuer und der Lohnbeiträge für die AHV. «Das ist Gift für die Wirtschaft.» Das Parlament habe mit dieser Reform den Auftrag, für Stabilität in der AHV zu sorgen, nicht erfüllt. Zentral wäre für Wendel «eine Erhöhung des Rentenalters für Männer und Frauen». Das sei zwar nicht populär, «aber das Rentenalter darf kein Tabu sein».

Der junge Meisterlandwirt Felix Würth verwies auf die vorgesehene Abschaffung des Freibetrags von 1400 Franken monatlich für Rentner, die nach der Pensionierung weiterarbeiten. Diese Regelung habe es vielen Bauern ermöglicht, ihren Hof den Jungen zu übergeben und für einen Lohn weiterzuarbeiten.

 

Christian Kamm

christian.kamm

@thurgauerzeitung.ch

Kommentare
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geschrieben am 06.09.2017 08:01 | von Markus Fässler

Ist es schlau Lügnern das Vertrauen zu schenken? Die Gegner behaupten, dass die Übergangsgeneration doppelt belohnt werden. Das stimmt einfach nicht. Die Renten der obligatorischen beruflichen Vorsorge wird um 12% gekürzt. Bei einer BVG-Rente von 2000 Fr beträgt die Kürzung 240 Fr. Dafür erhält er 70 Fr. mehr AHV und ca. 170 aus dem Sicherheitsfonds BVG. Bei der Lösung der Rechten wäre der Beitrag 240 allein aus dem Sicherheitsfonds. Was ist der Unterschied? Bei der ersten Variante müssen die Reichen mittragen während bei der Variante nur die Kleinverdiener zur Kasse gebeten werden. Vorteile gibt es nur bei den Menschen mit keiner oder einer kleinen BVG Rente. Diese geben das Geld wieder aus. Während bei den Reichen das Geld auf dem Konto bleibt. Das mit dem Rentenausbau für alle ist also eine Lüge, die sehr sehr kurze Beine hat.

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geschrieben am 06.09.2017 08:13 | von Markus Fässler

Werden die Jungen bestraft? Es ist unser System, dass die Werktätigen die AHV Renten finanzzieren. Dieses System wird auch bei einem Nein weitergeführt. Nur die AHV-Kasse ist dann in ca. 10 Jahren pleite. Und dann werden die Jungen zur Kasse gebeten. Die Jungen dürfen eines nicht vergessen. Die obligatorische Schulbildung kostet 200'000 Fr und bei einer Universitätsausbildung gegen eine Million Fr. Die Alten haben sehr viel Geld in die Jugend investiert, damit sie die Renten finanzieren können. Mit einem Ja sagen die Jungen Danke für diesen Einsatz. Oder soll jeder nur für sich schauen?

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geschrieben am 06.09.2017 12:02 | von Helga Klee

Bitte mehr Anstand und Respekt Herr Fässler. Auch wenn Sie eine andere Meinung haben,ist der Begriff Lügner total fehl am Platz. Es ist und bleibt die Wahrheit, dass die Übergangsgeneration über 45 Jahre, die ohnehin von den ständig steigenden Löhnen in den letzten 20 Jahren profitiert hat, doppelt belohnt wird nämlich mit einer Besitzstandsgarantie d.h. keine Rentenkürzung und der Aufstockung der AHV.

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geschrieben am 06.09.2017 13:44 | von Markus Fässler

Offenbar haben Sie nicht das gleiche Abstimmungsbüchlein oder haben die Behandlung im Parlament verpasst. Es geht um Tatsachen. Und das was sie behaupten, ist tatsachenwidrig. Tatsache ist auch, dass vor allem die Reichen von Lohnerhöhungen profitiert haben und die Kleinen nicht immer die Teuerung bekommen haben. Gerade die Kleinen profitieren von der Vorlage. Wegen lächerlichen 0.3 Lohnprozenten befürchten die Reichen den Weltuntergang. Ich habe den Sachverhalt an einem Beispiel vorgelegt. Wenn das tatsachenwidrig ist, dann beweisen sie das, Frau Klee! Ich gehöre nicht zu den Gewinnern, aber ich gönne jedem/er eine Rente, die ein Leben in Würde ermöglicht.

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geschrieben am 06.09.2017 14:37 | von christine weiss

Sehr geehrte Frau Klee, ich habe jetzt alle Beiträge hier gelesen und weiss immer noch nicht, wo Markus Fässler unanständig und respektlos gewesen sein soll. Wie wär's, wenn Sie uns mal erläuterten, wie Sie sich denn die Zukunft der AHV und des BVG vorstellen. Soll ich mal vermuten? AHV-Kürzung und BVG-Kürzung ohne jeden Ausgleich, dafür Renetnalter 67 (mindestens)? Der Tatsache gewordene FDP- und SVP-Traum?

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geschrieben am 09.09.2017 07:46 | von Jürg Hotz

Liebe Frau Klee. Markus Fässler liegt mit seinen Aussagen absolut richtig. Denn die Rechtsbürgerlichen lügen die Alten wie auch die Jungen an, was die Auswirkungen eines doppelten Neins bei der Abstimmung der Altersvorsorge 2020 betrifft. Und was wären die Altenativen bei einem Nein? Da habe ich seitens der Plauderipartei SVP bis heute keine Lösungsvorschläge gehört. Auch von Ihnen nicht, Frau Klee.

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