STECKBORN

Die Lücke bleibt vorerst

Nach dem Altstadtbrand 2015 hat der Wiederaufbau der vier zerstörten Liegenschaften noch immer nicht begonnen. Unter anderem wegen der Kosten. Die Betroffenen hoffen, dass es im neuen Jahr vorwärtsgeht.
30.12.2017 | 05:23
Rahel Haag

Vor zwei Jahren, in der Nacht auf den 21. Dezember 2015, wütete in der Altstadt eine Feuersbrunst. Eine Augenzeugin sagt damals: «Ich dachte, ganz Steckborn brennt.» Die Bilanz: Über 160 Feuerwehrleute stehen im Einsatz, vier Liegenschaften werden teilweise oder vollständig zerstört, 30 Personen verlieren ihr Zuhause, ihr Hab und Gut, der Sachschaden beläuft sich insgesamt auf sechs Millionen Franken. An der Seestrasse klafft bis heute ein grosses Loch.

Drogist Matthias Brunnschweiler hat damals alles verloren. Nicht nur seine Wohnung, auch sein Geschäft fiel dem Brand zum Opfer. Im Januar 2016, nur fünf Wochen nach dem Feuer, konnte er seine Drogerie gemeinsam mit seiner Tochter Stéphanie in der ehemaligen Migros wiedereröffnen. «Heute sind wir glücklich», sagt er. Der neue Standort biete viel Platz, wodurch einiges verbessert und erneuert werden konnte. Deshalb wird «die schöne, neue Drogerie» auch dort bleiben.

Unterstützung von Kanton und Gemeinde

Langsamer geht es dagegen mit dem Wiederaufbau der zerstörten Liegenschaften voran. Nach wie vor lebt Brunnschweiler in einer Wohnung an der Ackerstrasse. Zwar wurde vor rund einem Jahr im Rahmen eines Architektur-Wettbewerbs ein Siegerprojekt (siehe Kasten) zum geplanten Wiederaufbau gekürt, doch noch sind keine Bagger aufgefahren. «Aktuell sind wir noch in der Planungs- und Projektierungsphase», sagt Cornelia Bein. Die Architektin sitzt in der Stiftung Ortsbild und vertritt die drei Eigentümer. Der Austausch sei intensiv. «Für ihre Unterstützung bin ich dankbar», sagt Brunnschweiler. Auch der Kanton helfe, wo er könne. «Das Hochbauamt und die Gemeinde haben bei Fragen oder Problemen immer ein offenes Ohr – das ist viel wert», sagt Cornelia Bein.

Doch: «Es geht langsamer voran als erhofft», sagt Bein. Das hänge unter anderem mit den vielen Vorschriften, beispielsweise betreffend Brandschutz, zusammen. Diesbezüglich seien zahlreiche Abklärungen nötig. «Wir wollen möglichst früh möglichst alle Komponenten einplanen.» Das brauche seine Zeit. Ausserdem müssten die Bedürfnisse aller Eigentümer berücksichtigt werden.

Ein Haus ohne «Schnickschnack»

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Kosten. Deren Planung übernehme ein Büro in Kreuzlingen, Mitte Januar sollen sie vorliegen. «Ein Teil der Kosten wird von der Gebäudeversicherung übernommen», sagt Bein, «doch der Beitrag wird nicht reichen.» Dementsprechend müssten die Eigentümer für den Rest aufkommen. Liege der Plan im Januar vor, werde geschaut, worauf verzichtet werden kann. Brunnschweiler macht seinen Standpunkt deutlich: «Ich brauche keinen Palast.» Er wolle ein Haus ohne «Schnickschnack». Gleichzeitig freue er sich über geplante Verbesserungen wie beispielsweise den Lift.

Für die Zukunft wünschen sich Bein wie Brunnschweiler, dass das Projekt bald angegangen werden kann. Im kommenden Jahr soll laut Bein das Baugesuch eingereicht werden. «Falls alles glatt läuft, sollten die Arbeiten im Sommer 2018 beginnen.»

Rahel Haag

rahel.haag@thurgauerzeitung.ch

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