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Kanton Thurgau sucht im geheimen nach Ersatzstandort für Jagdschiessanlage

Seit Jahren sucht der Kanton einen Ersatzstandort für die einzige Thurgauer Jagdschiessanlage. Weil Widerstand zu erwarten ist, hält er die bisherigen Abklärungen geheim. Nun läuft ihm die Zeit davon.
10.02.2018 | 05:18
Silvan Meile

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Jäger müssen sich oft in Geduld üben, wenn sie dem Wild auflauern. Auch die Planung einer neuen Jagdschiessanlage verlangt von ihnen viel Durchhaltevermögen. Seit rund sechs Jahren suchen der Kanton und die Jäger einen neuen Standort, weil die Tage der einzigen Thurgauer Jagschiessanlage in Weinfelden gezählt sind. Sie steht im Hochwasserprofil der Thur und muss einst der Flusskorrektion weichen. Auch ist der Boden der 1933 eröffneten Anlage stark mit Blei und Antimon belastet und wird bis Ende 2025 saniert werden müssen. Über der Anlage hängt deshalb schon länger ein Ablaufdatum: Ende 2020 soll Schluss sein. Doch noch immer ist kein Ersatzstandort in Sicht.

«Kanton ist seit Jahren auf gleichem Planungsstand»

Das Projekt ist offensichtlich so brisant, dass der Kanton seit Jahren von fünf möglichen Standorten spricht, diese aber geheim hält. «Es wird Opposition geben», weiss Roman Kistler, Chef der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung. Das zeigen auch Projekte in anderen Kantonen. «Über die Standorte will ich nicht reden, weil die Grundeigentümer noch nicht informiert sind», sagt Kistler weiter. Mit demselben Argument hielt sich der Kanton bereits vor vier Jahren bezüglich neuer Jagdschiessanlagen gegenüber dieser Zeitung bedeckt.

An der kantonalen Verschwiegenheit zum möglichen Standort einer künftigen Thurgauer Jagdschiessanlage vermag nun auch eine Einfache Anfrage von SVP-Kantonsrat Paul Koch aus Oberneunforn nichts ändern. «Abklärungen mit der Eigentümerschaft der fünf geeignetsten Standorte sind im Moment noch ausstehend», schreibt der Regierungsrat nun in seiner Beantwortung. Das erweckt bei Koch den Anschein, dass der Kanton dieses Projekt verschlafen hat. «Sie sind seit Jahren auf dem gleichen Planungsstand. Das gibt noch Probleme.» Denn seit diesem Jahr verlangt der Bund von den Jägern einen Nachweis ihrer Treffsicherheit.

Die Kapazität der Jagdschiessanlage in Weinfelden, auf der die Jäger zwölfmal im Jahr schiessen dürfen, reicht künftig gerade aus, um die obligatorischen Treffnachweise der Thurgauer Jäger und die Jagdprüfungen neuer Mitglieder durchführen zu können, sagt Walter Schmid, Vizepräsident des Verbands Jagd Thurgau. «Wir wollen aber auch Trainingsmöglichkeiten anbieten.» Dafür auf Anlagen in anderen Kantonen auszuweichen, sei keine Option, da dort ebenfalls Kapazitätsengpässe bestünden.

Auch für Roman Kistler ist eine ausserkantonale Lösung keine Option. Im Thurgau brauche es eine eigene Jagdschiessanlage mit beweglichen Zielen, stehenden Scheiben und einer Abschussvorrichtung für Tontauben. Trotz aller Notwendigkeit kann er nichts über einen Zeitplan sagen, wann ein solches Projekt in Angriff genommen werden soll. Wohl glaubt auch beim Kanton niemand mehr daran, dass die neue Jagdschiessanlage rechtzeitig fertiggestellt sein wird. Im Gegenteil: «Sollte bis Ende 2020 keine alternative Anlage zur Verfügung stehen, ist zu prüfen, ob der Schiessbetrieb mit einer Umrüstung der Jagdschiessanlage Weinfelden bis zur Fertigstellung einer neuen Anlage am aktuellen Standort fortgesetzt werden kann», heisst es in der Antwort der Regierung auf Paul Kochs Vorstoss.

Die Frauenfelder Allmend wird zum Thema

Gerüchten zufolge könnte die Frauenfelder Allmend ein möglicher Standort für den Bau einer Jagdschiessanlage sein. Auf dem Armeegelände dürfte der Widerstand gegen den Schiesslärm vergleichsweise klein sein. Als Eigentümer wäre ausserdem der Bund Ansprechpartner. Das eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) reagierte gestern nicht auf eine Anfrage. Beim Thurgauer Jagdverband kann man sich diesen Standort für einen Jagdschiessstand vorstellen. «Die Allmend wäre eine Option», sagt Vizepräsident Walter Schmid.

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