WASSERSPORT

Die Drachensegler dürfen bleiben

Im Oktober opponierten Tierschutzverbände gegen die zwei Thurgauer Kitesurfzonen. Nun hat man sich gefunden: Der Kanton Thurgau verlängert die Bewilligung um zwei Jahre.
27.01.2018 | 05:18
Sebastian Keller

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Der Entscheid ist gefallen: Die Ausnahmebewilligung für das Kitesurfen im thurgauischen Bereich des Ober- und Untersees wird verlängert. Das ist dem druckfrischen Amtsblatt des Kantons zu entnehmen. Der Wassersport ist weiterhin nur in zwei definierten Kitesurfzonen erlaubt. Eine liegt vor Berlingen, die zweite vor Münsterlingen. Ausserhalb dieser Zonen ist es verboten. Die Zonen sind auch nur zwischen dem 15. März und dem 15. November freigegeben. Kitesurfer, oder auch Drachensegler, gleiten auf einem Board, ähnlich einem kleinen Surfbrett, mithilfe eines Lenkdrachen übers Wasser.

Im Oktober stand die neuerliche Ausnahmebewilligung noch im Gegenwind. Der WWF Thurgau und der Thurgauer Vogelschutz meldeten sich zu Wort. Der Titel einer Medienmitteilung war unmissverständlich, einer Forderung gleich: «Keine weitere Verlängerung der Ausnahmebewilligung für das Kitesurfen bei Münsterlingen, Überprüfung der Kitezone Berlingen». Die Organisationen argumentierten, dass diese Wassersportart vor Münsterlingen nicht mit dem Wasservogelschutzgebiet von nationaler Bedeutung vereinbar sei.

Am Tisch wurde eine Lösung gefunden

Nun haben sich die Beteiligten - Kanton, Tierschutzorganisationen, Kitesurfer – an einen Tisch gesetzt. «Es gab eine Besprechung am 10. Januar», bestätigt Muriel Gschwend vom WWF. «Nur schon, dass diese stattgefunden hat, war ein Erfolg», sagt sie. Eine Haltung zum Entscheid will sie noch nicht formulieren. «Das müssen wir im Vorstand besprechen.» Beat Leuch, Co-Präsident des Thurgauer Vogelschutzes, sagt: «Wir akzeptieren den Entscheid.» Man sei so verblieben, dass man in den nächsten zwei Jahren nach alternativen Zonen Ausschau halte, die noch besser mit dem Vogelschutz vereinbar sind. Für die Vögel seien die Segel der Kitesurfer unter Umständen ein Problem. «Weil sie diese nicht einordnen können, verlassen sie eventuell ihre Brut.»

Im Vergleich zur vor zwei Jahren erlassenen Bewilligung enthält die neue einen Zusatz: Bis zum Ablauf der Bewilligung am 31. Januar 2020 seien die bestehenden Zonen zu überprüfen. Deshalb spricht Leuch auch von einem Kompromiss.

SP-Kantonsrat findet Enscheid richtig

SP-Kantonsrat Peter Dransfeld hatte Anfang Januar einen Vorstoss eingereicht, um für die Kitsurfer eine Lanze zu brechen. Der Titel des Vorstosses: «Unnötig verteufeltes Kite-Surfing?» Dass die Ausnahmebewilligung nun verlängert wird, wertet er als «gutes Zeichen; verhältnismässig, pragmatisch, vernünftig.» Selber sei er zwar kein Kitesurfer, aber er findet: «Auch diese Wassersportler sollen ihren Platz haben.» Der Kantonsrat wohnt am in Ermatingen am Untersee. Kitesurfer in den definierten Zonen sehe man nur bei starkem Wind. Zudem seien es keine Heerscharen, die dann über den See gleiten. Zu einem Teil sei die Beantwortung seines Vorstosses wohl hinfällig. «Interessant wird aber sein, wie der Regierungsrat es langfristig sieht», sagt Dransfeld.

Ganz im Trockenen ist die Ausnahmebewilligung aber noch nicht: Innerhalb von zehn Tagen ist eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht möglich.

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